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Bedienen User Experience (UX) – mehr als Usability

| Autor / Redakteur: Stefan Höfler* / Ines Stotz

Viele Aspekte, die zum Erfolg eines Produkts beitragen, sind meist unabhängig vom Produkt selbst. Egal ob es sich um eine neue Software oder ein neues Auto handelt, die wichtigsten Punkte sind universell. Hierzu zählen Marktgrößen, wie Bedarf oder Zielgruppe, genauso wie ein effizientes Marketing. Vor allem müssen die Erfahrungen, die der Kunde mit dem Produkt macht positiv sein.

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Das forderte man schon in den 1990er Jahren bei Apple: User Experience Designer sollten interaktive Systeme mit ganzheitlicher Sicht auf die Nutzer gestalten und so die Voraussetzungen für ein möglichst positives Kundenerlebnis schaffen.
Das forderte man schon in den 1990er Jahren bei Apple: User Experience Designer sollten interaktive Systeme mit ganzheitlicher Sicht auf die Nutzer gestalten und so die Voraussetzungen für ein möglichst positives Kundenerlebnis schaffen.
(Bild: © bakhtiarzein/Fotolia.com)

Die Disziplin „User Experience Design“ befasst sich mit dem Anwendererlebnis des Kunden. Die User Experience einer Software-Anwendung lässt sich meist schon mit ein paar Fragen prüfen. Bietet mir die Anwendung einen Mehrwert? Ist sie angenehm zu bedienen? Wird die Anwendung gerne und regelmäßig genutzt?

Oft wird User Experience (UX) als Synonym zu Usability benutzt. Die Begriffe stehen zwar in einem engen Bezug zueinander, dennoch ist eine Abgrenzung notwendig. Usability ist lediglich ein Teilaspekt von UX. Usability beschäftigt sich mit der Benutzerfreundlichkeit und Effektivität der Nutzeroberfläche. UX Design beinhaltet jedoch noch weitere Aspekte, wie Psychologie, Arbeitswissenschaft und Informationsaufbau.

Verschiedene Bedienkonzepte – einheitliche Anwendung

Es gibt keine Standardlösung für gute UX. Die Erfahrung, die verschiedene Nutzergruppen mit einer Anwendung machen, kann sehr unterschiedlich sein. Was von einer Nutzergruppe als angenehm wahrgenommen wird, kann auf eine andere den gegenteiligen Effekt haben. Hierdurch wird die Beurteilung von UX Design schwierig. Als Beispiel sei hier ein Telefon mit extra großen Tasten für Personen mit Sehschwäche angeführt. Während die Zielgruppe die großen Tasten als hilfreich wahrnimmt, werden Personen außerhalb der Zielgruppe diese eher als störend empfinden.

Zu den besprochenen Herausforderungen kommen noch weitere hinzu, wenn die zu entwickelnde Anwendung auf verschieden Plattformen ausgeführt werden soll (zum Beispiel Smartphone, Tablet und Desktop). Vor allem das Interaktionsdesign der Anwendung mit dem der Plattformen in Einklang zu bringen, erfordert besondere Sorgfalt.

Hier sollte das Ziel sein, trotz der verschiedenen Bedienkonzepte der Plattformen, eine einheitliche Anwendung zu entwerfen. Der Nutzer soll sowohl die Konzepte der Plattform wiedererkennen, als auch die der Anwendung. Meistens sind hierbei Kompromisse erforderlich. UX Entscheidungen sollen sich an den Zielen der Anwendung und am Prozess, den diese abbildet, orientieren.

Die Bedürfnisse der Anwender kennen

Um eine gute User Experience zu erreichen ist es also nötig die Anwender zu kennen. Nur dann ist es möglich Software auf deren Bedürfnisse zuzuschneiden. Idealerweise besteht ein kontinuierlicher Dialog mit den Anwendern. Auch Know-how über die Domäne der Anwender ist ein wichtiger Baustein dafür. Ohne das Umfeld, die Probleme und Aufgaben der Zielgruppe zu kennen ergibt sich oft kein rundes Bild und dadurch auch keine gute User Experience. Wurden Anwender und Domäne ausreichend beleuchtet, sollte auch den User-Workflows Zeit gewidmet werden. Wo sind die Stärken und Schwächen in den Abläufen? An welchen Stellen benötigt der Anwender Unterstützung?

Nachdem Anwender und Workflows untersucht wurden, sollte eine Zuordnung zu den verschiedenen Plattformen vorgenommen werden. Welche Anwendergruppe nutzt die Software auf welchem Endgerät? Welche Workflows sind in welchem System relevant? Diese Fragen sind essentiell für die Definition des Funktionsumfangs der einzelnen Plattformen.

Nach der Zuordnung erfolgt die Ausgestaltung der User-Interfaces (UI). Für Workflows, die auf mehreren Plattformen umgesetzt werden, sollten mehrere User-Interfaces entworfen werden, um den Anforderungen der jeweiligen Plattform gerecht zu werden. Den Abschluss bildet das Styling und Branding der Anwendung. Hier sollten sich Elemente, wie beispielsweise Farbgebung und Schriftarten, auf den verschieden Plattformen wiederfinden.

Unterschiedliche Bedienkonzepte verlangen plattformabhängiges UI

Features, die auf mehreren Plattformen umgesetzt sind, sollten sich für den Anwender konsistent verhalten. Dies bedeutet, dass Wording und Semantik über alle Plattformen gleich sein sollten. Ein UI Element, das sowohl auf Smartphone und Desktop mit ‚Löschen‘ bezeichnet ist, sollte auch dieselbe Funktionalität haben, damit sich der Anwender auf den verschiedenen Plattformen wiederfindet. Während Wording und Semantik konsistent sein sollten, darf und sollte sich das User Interface durchaus an den Gegebenheiten der Plattform orientieren (UI Guidelines für Android; für iOS).

Die unterschiedlichen Bedienkonzepte verlangen den Entwurf eines plattformabhängiges UI. So muss auf mobilen Geräten zum Beispiel auf Touch- und Swipe-Gesten zurückgegriffen werden, während auf Desktopcomputern die Bedienung über Maus und Tastatur erfolgt. Beim Style und Branding der Anwendung jedoch, sollte der Bogen über die verschiedenen Plattformen hinweg wieder aufgespannt werden.

Relevante Informationen punktgenau anbieten

Um eine Anwendung zu entwerfen, die auf mehreren Plattformen genutzt werden soll, ist auch die Auswahl der relevanten Informationen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Allein aufgrund der Bildschirmgröße lassen sich auf einem Desktop mehr Informationen darstellen als auf einem Smartphone. Gerade auf den mobilen Geräten ist es wichtig, trotz des reduzierten Informationsgehalts, genau die Informationen anzubieten, die der Anwender benötigt. Erhält er diese nicht wird er die App nicht nutzen. Auch das Überfrachten des Anwenders mit Informationen muss vermieden werden, da dies ebenfalls sehr schnell zu Unzufriedenheit führen kann.

UX Design – ein ganzheitliches Thema

Eine gute User Experience ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Anwendung. Gerade bei einer Multiplattformanwendung sind die Herausforderungen auf dem Weg zu guter UX vielfältig. Deshalb sollte bereits während der Konzeption, sowie bei der Umsetzung, User Experience Design betrieben werden. Dies kann durch Hinzuziehen eines Experten erfolgen oder in dem die entsprechenden Kenntnisse direkt im Projektteam aufgebaut werden. Fehler beim User Experience Design lassen sich später nur schwer korrigieren. Meist ziehen sie Anpassungen der Anwendung nach sich, die zu hohem Aufwand führen. Noch gravierender sind negative Erfahrungen die Anwender bereits mit der Software gemacht haben. Aus diesem Grund sollte UX Design als ganzheitliches Thema betrachtet werden, welches vor, während und nach der Entwicklung in die Anwendung einfließt.

* Stefan Höfler, Software Developer, Business Unit Software Applications bei M&M Software GmbH

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