Jahresrückblick 2020 Wie Corona die Jobsuche verändert hat

Redakteur: Katharina Juschkat

Veränderte Suchanfragen, beliebte Arbeitgeber, krisensichere Jobs – die Jobplattform Stepstone wertet aus, wie Corona das ungewöhnliche Jahr 2020 in Sachen Jobsuche und Arbeitsmarkt verändert hat.

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Aufgrund der Covid-19-Pandemie hat sich vieles geändert in diesem Jahr: Wie suchen die Menschen nach Jobs, und was fordern sie?
Aufgrund der Covid-19-Pandemie hat sich vieles geändert in diesem Jahr: Wie suchen die Menschen nach Jobs, und was fordern sie?
(Bild: ©Di Studio - stock.adobe.com)

Das Jahr 2020 war ein ungewöhnliches Jahr, da dürften sich alle einig sein. Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, Homeoffice und Kurzarbeit – die Covid-19-Pandemie hatte und hat bei vielen große Auswirkungen auf den Alltag und das Berufsleben. Die Jobplattform Stepstone schaut auf das ungewöhnliche Jahr 2020 zurück.

Wohl noch nie haben sich so viele Menschen mit der Frage beschäftigt, ob ihr Job eigentlich der richtige ist.

Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei Stepstone

Wann die Menschen nach Jobs suchten

Dieses Jahr lag der Höhepunkt der Jobsuche noch vor der Coronakrise – im Januar schauten sich die meisten Menschen nach einem neuen Job um. Das ist tatsächlich traditionell der Monat mit dem größten Interesse zum Jobwechsel. Der September war nach dem Lockdown der Monat mit den meisten Suchanfragen.

Tiefpunkt des Interesses war zum Höhepunkt des ersten Lockdowns: Im April brachen die Suchanfragen nach neuen Jobs im Vergleich zu Januar kurzfristig um gut ein Drittel ein. Seit Sommer diesen Jahres steigt das Interesse wieder stetig, bis es im November schließlich wieder Vorjahresniveau erreichte.

Jobsuche trotz oder gerade wegen Corona: Gut jeder dritte Beschäftigte schob seine Pläne für einen Jobwechsel zunächst auf – während ebenso viele gerade in der Coronazeit die Suche verstärkt haben.

Was sich an der Jobsuche 2020 geändert hat

Klassischerweise suchen die meisten Smartphone-Nutzer um acht Uhr morgens nach Jobs – also auf dem Weg zur Arbeit. Dieses Jahr hat sich das Verhaltensmuster geändert: Die meisten mobilen Nutzer suchten abends um 21 Uhr nach neuen Jobs. Die Zeiten der Jobsuche per Desktop haben sich dagegen nicht geändert. Auch im Corona-Jahr waren Jobsuchende montags um 11 Uhr am aktivsten – in vielen Fällen bedeutet das: während der Arbeitszeit. Montag ist insgesamt der beliebteste Tag für die Jobsuche – und auch für die Bewerbung.

Krisenfeste Jobs besonders beliebt

Sowohl vonseiten der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer sind krisensichere Jobs dieses Jahr besonders gefragt: Besonders viele neue Jobangebote gab es für Krankenpfleger*innen (+8 Prozent), Versandmitarbeiter*innen (+22 Prozent) und Personal im Einzelhandel (+45 Prozent).

Die Jobs waren auch bei Arbeitnehmern nachgefragt: Suchanfragen nach Begriffen wie „Verkäufer“, „Minijob“ oder „Altenpfleger“ wurden in diesem Jahr rund doppelt so oft gesucht wie im Vorjahr.

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Auch Jobs mit wenig bis geringen Vorkenntnissen waren gefragt: Die Suche nach Jobs als Auslieferungsfahrer ist zwischenzeitlich um mehr als 137 Prozent gestiegen, die Suchanfragen nach Lageristen-Stellen ist um mehr als die Hälfte gestiegen und die Jobsuchen im Bereich „Produktionsarbeit“ haben sich sogar verdreifacht.

Quereinsteiger und Tech-Skills gesucht

Jobsuchende haben laut Stepstone auch ihre Suchkriterien und ihre Flexibilität vergrößert. Statt nach Jobtiteln suchen Menschen jetzt häufig nach Kenntnissen und Fähigkeiten. Auch weiten viele Menschen ihre Suchanfragen auf neue Branchen und Bereiche aus.

Besonders häufig gesucht wurden von den Jobsuchenden die Keywords: Java, Python, C#, C++ und Machine Learning. Der Begriff „Quereinsteiger“ schafft es 2020 erstmals in die Top-20-Suchbegriffe auf Stepstone.

 

Homeoffice wird wichtiges Jobkriterium

Homeoffice wird beliebter und taucht unter den Top-25-Suchbegriffen auf Stepstone auf. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage nach Jobs mit Homeoffice-Option um ein Fünftel gestiegen. Bisher wirbt allerdings nur eine Minderheit der Arbeitgeber mit Homeoffice – weniger als jede zehnte Stellenanzeige beinhaltet einen Hinweis auf diese Möglichkeit.

„Die wenigsten Menschen wünschen sich künftig 100 Prozent Homeoffice. Die Möglichkeit zum flexiblen und mobilen Arbeiten entwickelt sich trotzdem zum essenziellen Faktor bei der Jobwahl“, sagt Arbeitsmarktexperte Zimmermann. „Unternehmen, die flexible Arbeitsmöglichkeiten anbieten, sollten darüber unbedingt schon in der Stellenanzeige informieren. Sonst laufen sie Gefahr, die besten Talente an den Wettbewerb zu verlieren.“

Doch die für viele ungewohnte Arbeit im Homeoffice kommt auch mit einigen Nachteilen:

  • Mehr als jeder Zweite fühlte sich müde.
  • 43 Prozent geben an, unregelmäßige Arbeitszeiten zu haben.
  • 4 von 10 räumen ein, weniger Pausen einzulegen.
  • Deutlich mehr als jeder Dritte gibt zu, in den eigenen vier Wänden mehr zu arbeiten als üblich.
  • 55 Prozent beschreiben die Zusammenarbeit insgesamt als eingeschränkt
  • 87 Prozent der Mitarbeiter fordern von ihrem Arbeitgeber Investitionen in puncto Digitalisierung.

Und das sind die beliebtesten Arbeitgeber 2020:

Stepstone hat auf Basis von Arbeitgeberbewertungen auf seiner Plattform ausgewertet, in welchem Unternehmen Deutschlands Arbeitnehmer*innen im Jahr 2020 am liebsten arbeiten. Neben einigen Automobilherstellern befinden sich vor allem viele Chemie- und Pharmakonzerne unter den beliebtesten Arbeitgebern.

  • 1. Drogeriemarkt Dm: Besonders loben Mitarbeiter die Unternehmenskultur. Ein Mitarbeiter fasst zusammen: „Firmenphilosophie und das Miteinander sind überragend.“
  • 2. Techniker Krankenkasse: Das Versicherungsunternehmen punktet unter anderem mit einer guten Work-Life-Balance. Die Mitarbeiter loben zudem die „hohe Gestaltungsfreiheit“ und das „vielfältige Aufgabengebiet“.
  • 3. Ford: Die Mitarbeiter bewerten vor allem die Kultur des Arbeitgebers positiv – und schätzen auch die angemessene Bezahlung.
  • 4. Porsche: Abwechslungsreiche Themenvielfalt im Job: „Das Unternehmen bietet ein sehr umfangreiches Tätigkeitsfeld, eine tolle Marke, angenehme Atmosphäre in einem internationalen Umfeld.“
  • 5. Evonik Industries: Die Mitarbeiter heben vor allem die Sicherheit des Arbeitsplatzes hervor und bewerten die Sozialleistungen als sehr positiv.
  • 6. Merck: Mitarbeiter empfinden gerade das soziale Miteinander und die Arbeitsatmosphäre positiv. „Ein gutes kollegiales Verhältnis über Hierarchien hinweg ermöglicht es jeden Tag gerne zur Arbeit zu gehen.“
  • 7. Bayer: Neben dem attraktiven Standort loben Mitarbeiter die Arbeitnehmerfreundlichkeit: „Tolle Arbeitsatmosphäre und Teamgeist. Die persönliche Entwicklung wird sehr stark gefördert und die Möglichkeiten im Rahmen der Work-Life-Balance sind sehr gut.“
  • 8. BMW: Unter anderem die vielseitigen Tätigkeiten und die Sozialleistungen werden hier von den Mitarbeitern gelobt.
  • 9. Deloitte: Viele führen die das interessante Aufgabenspektrum an. So fasst ein Mitarbeiter in seiner Bewertung zusammen: „Spannende Projekte mit den besten Teams und eine steile Lern-Kurve und viel eigenverantwortliches kreatives Arbeiten.“
  • 10. Roche: Als besondere Stärke heben die Mitarbeiter neben einer angemessenen Bezahlung vor allem Flexibilität und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten hervor: „Viele Möglichkeiten sich zu entfalten und einzubringen. Auch Weiterbildungen werden gefördert.“

Hintergrund

Stepstone hat den Höhepunkt der Corona-Pandemie in Deutschland zwischen März und Juni mit insgesamt fünf eng getakteten Befragungswellen begleitet. In dieser Zeit hat Stepstone insgesamt mehr als 35.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland online befragt. Darunter waren rund 6.000 Führungskräfte.

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