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Vernetzung „Wir füllen das IIoT bei den Kunden jetzt mit Leben“

| Redakteur: Ines Stotz

Auf dem Weg von der Vision zur Realität wird Industrie 4.0 auf der SPS erneut eine zentrale Rolle spielen. Einer der Enabler der digitalen Transformation ist Schneider Electric. Anlässlich des Innovation Summit 2019 sprachen wir mit Jürgen Siefert, Vice President Industrial Automation DACH von Schneider Electric, über die Möglichkeiten und die praktische Umsetzung.

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EcoStruxure Machine Advisor von Schneider Electric maximiert den Wert von Daten für OEMs.
EcoStruxure Machine Advisor von Schneider Electric maximiert den Wert von Daten für OEMs.
(Bild: Schneider Electric)

Jürgen Siefert, Vice President Industrial Automation DACH bei Schneider Electric: „Das Thema Eco Struxure haben wir von Anfang an als zukunftsträchtiges Framework angelegt.„
Jürgen Siefert, Vice President Industrial Automation DACH bei Schneider Electric: „Das Thema Eco Struxure haben wir von Anfang an als zukunftsträchtiges Framework angelegt.„
(Bild: Schneider Electric)

elektrotechnik AUTOMATISIERUNG: Vor zwei Jahren, gleiche Veranstaltung, waren Sie noch Vice President Industry OEM. Was ist Ihre jetzige Funktion?

Es gab zum einen eine begriffliche Änderung unserer Geschäftsbereiche, aus Industry wurde Industrial Automation. Zum anderen hat sich meine Rolle erweitert. Ich bin jetzt verantwortlich für die gesamte DACH-Zone mit einem Team für die OEMs – und neu mit einem zweiten Team, das sich um die Automatisierung von industriellen Endkunden kümmert.

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Vor über zehn Jahren hat Schneider Electric mit Ecostruxure die Weichen für seine digitale Zukunft gestellt. Rückblickend von Anfang an der richtige Treffer?

Zwar ist anfänglich das Ganze langsam angelaufen. Aber interessant ist, dass der Aufbau von Ecostruxure als offene, interoperable, IoT-fähige Lösungsarchitektur damals schon als zukunftsträchtiges Framework angelegt wurde. Bis heute wurde die Architektur dann sukzessive mit Leben gefüllt. Das heißt, alle strategischen Zukäufe, die wir getätigt haben und die wir tätigen werden, passen ins Framework von Ecostruxure hinein und schließen stets vorhandene Lücken. So haben wir zuerst die Ebene der vernetzten Komponenten ergänzt mit Berger Lahr. Dann haben wir uns mit Elau Verstärkung für den Bereich Edge Control geholt. Und in den letzten Jahren haben wir in die dritte Ebene Apps, Analy- tics & Services, als Service-Enabler, investiert mit dem strategischen Zukauf von Invensys und der umgekehrten Übernahme von Aveva. Dabei übernahm Schneider über eine Kapitalerhöhung einen Mehrheitsanteil von Aveva und brachte zugleich sein eigenes Softwaregeschäft in die britische Firma ein.

Welche Hauptvorteile bietet Ecostruxure dem Maschinenbauer im Rahmen der Planung und der Fertigung heute?

Auf zwei wesentliche Bestandteile legen wir großen Wert. Punkt eins die Offenheit, sowohl bei den Standards, wo wir auf OPC UA setzen, als auch in Bezug auf Partnernetzwerke. Wir bieten mit Ecostruxure eine Toolbox, die immer abgerundeter wird. Doch der beste Werkzeugkasten nützt nichts, wenn nicht die richtigen Leute das Werkzeug anwenden. Hier haben wir in den letzten Jahren unsere Support-Teams ausgebaut. Zudem setzen wir auch auf ein starkes Partnernetzwerk, die Systemintegratoren. Punkt zwei: Auch im Großhandel haben wir mit den Industrial Automation Distributors selektierte Partner mit technischen Umsetzungskapazitäten, um dem Kunden schneller zu helfen, diese Toolbox mit Leben zu füllen.

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Das Fachbuch Data Analytics bietet nicht nur einen guten Überblick zu den in Produktion und Logistik anwendbaren Data Mining Algorithmen, sondern liefert auch konkrete Use Cases, die mit diesen Algorithmen erfolgreich umgesetzt werden können.

Was fragen denn Ihre Kunden derzeit am meisten nach?

In erster Linie sind es zwei Dinge: Wir treiben unter Verwendung der Toolbox mit unseren Maschinenbauern, die jetzt wieder mehr Zeit dafür haben, Innovationen. Das heißt, ihre Maschinen effizienter, vernetzbarer und sicherer zu machen; letztendlich stark zu machen für den internationalen Wettbewerb.

In Bezug auf Technologien ist es vor allem die Software-Ebene mit Apps, Analytics & Services. Momentan führe ich mit den Teams bei den Kunden die Hauptgespräche darüber, wie die Schlagworte Industrie 4.0 und IIoT mit Leben gefüllt werden können. Vor allem weg von der Theorie, hin zu einer Lösung, die wirklich einen Mehrwert bietet. Dabei bin ich überzeugt, dass die Innovation in der Industrie 4.0 dort beginnt, womit man dem Endkunden helfen kann Probleme zu lösen, effizientere Produktionslinien zu etablieren – und das mit weniger Ausfallzeiten. Übersichtliche OEE-Dashboards lösen Excel-Listen ab, um zu visualisieren, wie es der Produktion heute geht und wie sie sich in den nächsten sechs Monaten entwickelt.

Womit unterstützen Sie Ihre Kunden hier konkret?

Da gibt es drei Antworten: Das eine ist der Ecostruxure Werkzeugkasten, der jetzt wirklich gut gefüllt ist. Der zweite Punkt sind unsere Applikationsingenieure, die nicht nur das Spezialwissen über Ecostruxure haben, sondern auch segmentspezifisches Know-how mitbringen. Das dritte Thema ist das Partnernetzwerk, wenn es um die Umsetzung geht.

Apropos Netzwerk: In Hannover wurde Schneider Electric Exchange vorgestellt: ein branchenübergreifendes offenes Ökosystem, mit dem auf Austausch und Kollaboration gesetzt wird. Wie wird dies angenommen?

Wir haben im ersten halben Jahr 45.000 registrierte Nutzer und im Monat rund 4.500 laufende Operationen auf der Plattform. Das zeigt, das Thema wird angenommen und gewinnt richtig an Dynamik. Was besonders erfreulich ist, denn diese Zahlen haben unsere und auch meine persönlichen Erwartungen definitiv übertroffen. Die wesentlichen Themen sind Software und Dienstleistungen in Form von fertigen Tools. Zum Beispiel Apps: Neben unseren Advisern gibt es Lösungen, die Partner spezialisiert auf bestimmte Segmente entwickelt haben. Das sind oft Startups oder Unternehmen mit vier, fünf Leuten. Diese sind mehr als glücklich darüber, auf so einer Plattform ihre Dienste einem größeren Kundenkreis anzubieten. Das macht Exchange zu einem Win-win-Projekt für alle Teilnehmer.

Noch einmal zu Ihrer Architektur Ecostruxure. Damit bieten Sie Lösungen für die individuellen Anforderungen im Maschinenbau. Können Sie ein Beispiel beschreiben?

Ja, gerne. Ich habe kürzlich mit dem CEO eines Maschinenbauers gesprochen, der gezielt in Industrie 4.0/ IIoT investiert. Ein wesentlicher Treiber, warum er das tut, ist es, Informationen von seinen im Feld befindlichen Maschinen zu bekommen und diese zu analysieren und zurückzuspielen an seinen Vertrieb. Denn damit hat dieser wiederum die Möglichkeit, den Endanwendern selektierte Angebote zu unterbreiten.

Beispiel: Der Endanwender hat eine Maschine, die heute auf 110 Prozent Auslastung fährt. Da ist es absehbar, dass Defekte auftreten und häufigere Wartungszyklen benötigt werden. Anhand von Analytics kann er diese Informationen seinem Vertrieb automatisiert zurückspielen und der Vertriebsmitarbeiter kann mit dem Kunden in die Interaktion gehen. Dabei gilt es, entweder eine zweite Maschine dazuzustellen mit geringerer Kapazität, um diese Überlast rauszunehmen oder die bestehende Maschine durch eine leistungsfähigere zu ersetzen.

Wo sehen Sie Schneider Electric langfristig in Ihrer Branche positioniert?

Wir wollen uns im industriellen Umfeld immer mehr stärken durch strategische Zukäufe, aber auch durch die weitere Kundengewinnung im Verbund industrieller Endkunde und dessen OEMs. Hierin ist auch die Veränderung in meinem Verantwortungsbereich begründet, wonach Sie eingangs fragten. So können wir beide in Zusammenarbeit viel besser bedienen. Ein weiteres wichtiges Thema: Wir lernen immer mehr in unseren Zielsegmenten und bringen damit zunehmend Segment-Wissen neben dem Produkt- und Applikations-Know-how mit. Denn die beste Applikation wird erst dann zur besten Applikation, wenn sie sich mit einer konkreten Anwendung verbinden lässt. So bietet man einen richtigen Mehrwert für den Kunden.

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