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Biografie Zum 100. Geburtstag des Schaeffler-Firmengründers

| Redakteur: Katharina Juschkat

Deutsche Wirtschaftsgeschichte im Nachkriegsdeutschland: Georg Schaeffler, der am 4. Januar 100 Jahre alt geworden wäre, legte gemeinsam mit seinem Bruder und einer Handvoll treuer Mitarbeiter den Grundstein für das gleichnamige Unternehmen. Die Biografie eines außergewöhnlichen Firmenlenkers.

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Regelmäßig suchte Dr.-Ing. E. h. Georg Schaeffler den Kontakt zu seinen Mitarbeitern, hier beim Rundgang in einem Werk in den USA.
Regelmäßig suchte Dr.-Ing. E. h. Georg Schaeffler den Kontakt zu seinen Mitarbeitern, hier beim Rundgang in einem Werk in den USA.
(Bild: Schaeffler)

Dr. Georg Schaeffler, der zusammen mit seinem Bruder den Grundstein für das gleichnamige Unternehmen legte, wurde vor 100 Jahren am 4. Januar 1917 in Marimont, Lothringen, geboren. Seine Familie bewirtschaftete dort einen landwirtschaftlichen Betrieb, siedelte nach dem Ersten Weltkrieg 1921 jedoch in das Saarland über. Nach Arbeitsdienst und Wehrpflicht begann Georg Schaeffler 1938 mit dem Studium der Betriebswirtschaft in Köln. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er 1940 zum Wehrdienst eingezogen und während eines Lazarett-Aufenthaltes im Jahr 1944 schloss er sein Studium mit dem Examen zum Diplom-Kaufmann ab.

Ein Unternehmen mit bescheidenen Anfängen

1940 erwarb Georgs Bruder Wilhelm Schaeffler eine Krimmer- und Teppichfabrik im oberschlesischen Katscher. Um das finanziell stemmen zu können, beteiligten sich auch die Familienangehörigen an dem Unternehmen, so auch Georg Schaeffler. Aufgrund der Kriegswirtschaftspläne musste der Betrieb auf die Fertigung kriegswichtiger Erzeugnisse umgestellt werden. 1943 wurde eine Nadellager-Fertigung aufgenommen.

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Nach dem Kriegsende verlegten die Gebrüder Schaeffler die Fertigung ihres Unternehmens an verschiedene Orte, bis sie 1946 in Herzogenaurach landeten. Die Stadt verkaufte ihnen ein geeignetes Grundstück gegen die Zusage, innerhalb eines Jahres 120 Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Jahr später beschäftigte die neu gegründete Industrie GmbH 193 Mitarbeiter. Diese fertigte zunächst Holzartikel für den täglichen Bedarf wie Leitern, Kinderroller, Gürtelschnallen und Knöpfe. Bald kamen Metallprodukte hinzu wie Gewindeschneidbacken, Gelenkkreuzbüchsen und Nadellager für den Ersatzteilbedarf.

Querdenker mit dem Herzen eines Ingenieurs

Georg Schaeffler dachte schon seit längerem über eine Verbesserung des Nadellagers nach. 1949 hatte er die Idee des käfiggeführten Nadellagers. Die neue Bauart war gegenüber den bis dahin eingesetzten Nadellagern kompakter, leichter, zuverlässiger und ermöglichte höhere Drehzahlen. Mit der Erfindung des käfiggeführten Nadellagers begann der Aufstieg des Unternehmens. Schaeffler fertigte das Produkt in großen Mengen insbesondere für die deutsche Automobilindustrie. Ab 1953 gab es kein neu gebautes Auto in der jungen Bundesrepublik, in dem nicht serienmäßig Lager von Schaeffler eingebaut waren.

Auf diese Erfindung folgten Weitere – hauptsächlich Produkte aus dem Bereich Motorelemente wie Tassenstößel, Nadellager und Zylinderrollenlager. Im Laufe seiner Schaffenszeit meldete Georg Schaeffler selbst 70 Erfindungen zum Patent an.

Ein Mensch mit Verantwortungsgefühl

Die intensive Arbeit in seinem Unternehmen und die Belange der Belegschaft bestimmten sein Leben. Das Wohlergehen seiner Mitarbeiter war ihm ein besonderes Anliegen, was sich durch Sozialleistungen, Werksfeiern, gemeinsame Ausflüge, einen werkseigenen Kindergarten sowie den Bau von Wohnungen zeigte.

Für seine Leistungen wurde Schaeffler mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. So erhielt er unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft. Am 2. August 1996 verstarb Dr. Schaeffler im Alter von 79 Jahren. Seiner Frau und seinem Sohn hinterließ er ein Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern.

Fortführung des Lebenswerkes

Seit seinem Tod führen seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und sein Sohn das Unternehmen weiter. „Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland nahm in den neunziger Jahre immer mehr ab”, erzählt Schaeffler-Thumann. „Inmitten dieser schwierigen Entwicklungsphase ist mein Mann gestorben. Ich hatte ihm versprochen, das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Es war keine leichte Aufgabe. Manch einer hat uns damals geraten, das Unternehmen zu verkaufen, aber das kam für meinen Sohn und mich nie in Frage.“

Heute ist die Schaeffler Gruppe ein global tätiger, integrierter Automobil- und Industriezulieferer mit rund 85.000 Mitarbeitern weltweit. Mit circa 170 Standorten in über 50 Ländern verfügt Schaeffler über ein weltweites Netz aus 75 Produktionsstandorten, 17 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie Vertriebsgesellschaften. (kj)

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