Automatisiertes Fräsen

Berliner Schlossfassade wird mit Steinmetz-Robotern rekonstruiert

| Redakteur: Sariana Kunze

Die Berliner Schlossfassade bekommt einen neuen "Antrich" aus Sandstein. Bei der Rekonstruktion helfen Kuka Roboter.
Die Berliner Schlossfassade bekommt einen neuen "Antrich" aus Sandstein. Bei der Rekonstruktion helfen Kuka Roboter. (Franco Stella with FS HUF PG)

Die Berliner Schlossfassade soll bis 2018 in neuem Glanz erstrahlen. Für das Rekonstruktionsprojekt sollen rund 8.000 Tonnen Sandstein für die Nord- und Südfassade des Schlosses verbaut werden. Roboter von Kuka übernehmen hierbei das Fräsen der Sandsteinblöcke, damit Steinmetze und Bildhauer die vorgefrästen Rohlinge in filigraner Kleinstarbeit bearbeiten können.

Der nach schweren Kriegsschäden im Jahr 1950 gesprengte Monumentalbau im ehemaligen Ostteil der Stadt Berlin wird nach dem Entwurf des Italieners Franco Stella neu errichtet. 2007 entschied der Deutsche Bundestag, das Berliner Schloss am Ende des Prachtboulevards „Unter den Linden“ wieder aufzubauen. Die Herausforderung: Die Steine des Gebäudes waren nach der Sprengung auf verschiedenen Großdeponien verteilt und unter dem Bombenschutt unauffindbar. Tausende Bauakten aus Zeiten der Renovierungen seit dem 18. Jahrhundert blieben jedoch erhalten. Heute bildet das Archivmaterial die Grundlage für den Wiederaufbau. Rekonstruiert wird der letzte barocke Erweiterungsbau samt dekorativem Fassadenschmuck. Dazu braucht es werkgetreue kopierte bildhauerische Bauplastiken in Naturstein. Genau an dieser Stelle kommen das Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser und der Roboter-Hersteller Kuka ins Spiel.

3 Roboter unterstützen 25 Steinmetze

Wie rekonstruiert man in der kurzen Bauzeit bis 2018 ein ganzes Schloss mit originalgetreuer Natursteinfassade? Dazu bedarf es exakter Planzeichnungen, guter Vorlagen aller bildhauerischen Fassadenelemente als 1:1-Modell und einer extrem großen Menge an qualitativ hochwertigem Sandstein. Und es braucht das Know-how von Betrieben, die einerseits manuell mit Naturstein umgehen können und sich andererseits auf die intelligente Anwendung hochpräziser 3D-Aufnahmen und zeitgemäßer CAD/CAM und Robotertechniken verstehen. Zur Herstellung von Bildhauerteilen aus Naturwerkstein muss als erstes der Modellbildhauer ein Gipsmodell anfertigen, das im zweiten Schritt durch Scan-Techniken berührungslos und zerstörungsfrei in ein geschlossenes 3D-Modell überführt wird. Das Modell dient im dritten Schritt als Vorlage für einen Roboter zur Fertigung eines 1:1-Natursteinrohlings, welcher abschließend wieder eine manuelle Steinmetz- und Bildhaueroberfläche erhält, die dem historischen Original entsprechen soll. Denn man hat es mit Bauskulptur zu tun, bei der ein Stück gerade nicht wie das andere auszusehen hat. Schließlich gehen die fertigen Einzelstücke mit einem Versetzplan an die Baustelle, wo u. a. die Bamberger Steinmetze die barocken Fassaden erstellen.

Als Testpartner von Kuka Robotics hat das Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH im Jahr 2008 den ersten Roboter für Steinbearbeitung in Deutschland in Betrieb genommen. Drei KR 500 L480 MT ausgestattet mit der Kuka Steuerung KR C4 unterstützen 25 Steinmetze und Bildhauer nicht nur bei diesem Großauftrag. Im Rahmen der Ausschreibungen für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses hat das Bamberger Natursteinwerk Herman Graser Aufträge für die Rücklagenfassaden der Nord- und Südseite, sowie die Portale I und V als Zugang zum Schlüterhof erhalten. Für die Rekonstruktion werden in kurzer Zeit aus verschiedenen Steinbrüchen die Sandsteine für ca. 2.400 m³ hochwertige Steinmetzarbeiten, wie Fensterumrahmungen, Gesimse und Säulen, sowie ca. 600 vollständig ausgearbeitete Bildhauerwerkstücke benötigt.

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