Mobilität in Ballungsräumen Den Verkehr intelligent steuern und vernetzen

Autor / Redakteur: Dr. Hans-Jörg Grundmann / Wolfgang Leppert

Mobilität ist ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt oder Region. Ihre optimale Gestaltung unter ökonomischen, ökologischen und demografischen Aspekten ist jedoch eine große technologische Herausforderung. Ein intelligentes Verkehrsmanagement weist hier den Weg.

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Weltweit kennzeichnen vier Megatrends unsere Zeit: Der demografische Wandel, die Urbanisierung, der Klimawandel und die Globalisierung stellen die Menschheit vor wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen. Die Vereinten Nationen (UN) schätzen, dass die Weltbevölkerung von rund 6,5 Mrd. im Jahr 2005 auf etwa 8,3 Mrd. im Jahr 2030 wächst – und das ist noch eine vorsichtige Prognose. Das Jahr 2008 markiert den historischen Meilenstein: Erstmals leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, Tendenz steigend. Im Jahr 2030 werden laut UN-Schätzungen bereits über 60% der Menschen in Städten leben und arbeiten.

Die Metropolen brauchen einen erstklassigen Personen- und Güterverkehr

Die Metropolen stehen daher vor wichtigen Fragen: Wie versorgt man so viele Menschen sicher mit sauberem Trinkwasser? Wie erzeugt man die riesigen Mengen von Energie, welche die Menschen in Beruf und Alltag brauchen – und zwar so umwelt- und klimafreundlich wie möglich? Wie sichert man ihre Gesundheit und die medizinische Versorgung im Notfall? Und vor allem: Wie bewegt man die vielen Menschen, aber auch die Güter, die sie zum Leben und Arbeiten benötigen, sowohl in als auch zwischen den Städten? Dass diese letzte Frage die wichtigste ist, bestätigen Politiker und Entscheider aus vielen Megacitys: Der Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt oder Region ist eine erstklassige Mobilität, also ein gut funktionierender Personen- und Güterverkehr.

Es gilt hier, auf möglichst umwelt- und klimafreundliche Lösungen zu setzen. Denn wer dem Klimawandel begegnen will, muss in den Städten anfangen: Obwohl diese einen verschwindend geringen Teil der Erdoberfläche nutzen – nur 0,4% –, entstehen hier dennoch mehr als drei Viertel der klimaschädlichen Treibhausgase. Oder anders betrachtet: Bereits heute fallen 25 bis 30% des internationalen Energieverbrauchs auf den Transportsektor. In einer globalisierten Welt wächst das Verkehrsaufkommen weiter, da immer mehr Güter und Menschen transportiert werden. Zudem schreitet in den Entwicklungsländern die Motorisierung voran. Der weltweite Pkw-Bestand wird sich daher von 2000 bis 2030 nahezu verdoppeln, und zwar von 700 Mio, auf 1,3 Mrd.

Verkehr und Ökologie müssen harmonieren

Auch die Entwicklung des globalen Güterverkehrs schreitet voran: Er wird im selben Zeitraum von 15 Bill. auf 30 Bill. Tonnenkilometer jährlich wachsen. In Städten und Ballungsräumen sind die Auswirkungen des ständig steigenden Mobilitätsbedarfs schon jetzt spürbar: Die volkswirtschaftlichen Kosten für Staus im Straßenverkehr werden pro Jahr in Europa auf 100 Mrd.€ und in den USA auf 78 Mrd. US-$ geschätzt. Und ein Ende scheint noch lange nicht erreicht: Experten prognostizieren allein für Westeuropa eine 188-prozentige Zunahme von Staus im Zeitraum von 2007 bis 2010.

Gefragt sind daher effiziente Strategien und Techniken, die Energie sparen und weniger Kohlendioxid ausstoßen, um Ressourcen und die Umwelt zu schonen sowie die Lebensqualität der Menschen gerade in den Städten zu erhalten. Gefordert ist eine nachhaltige Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur. Das bedeutet, Verkehrsentwicklung und Ökologie in Einklang zu bringen, ohne die Mobilität der Verkehrsteilnehmer einzuschränken. Das sind große Herausforderungen.

Pendler wollen schnell und kostengünstig von Zuhause durch den Berufsverkehr an den Arbeitsplatz kommen und wieder zurück – und das nicht nur zur Rush Hour, sondern aufgrund flexibler Arbeitszeiten rund im die Uhr. Reisende wünschen sich zügige und direkte Anbindungen an Flughäfen und Hauptbahnhöfe. Und auch im Alltag, beim Einkaufen, für die Fahrt ins Zentrum benötigen wir eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur. Dafür braucht man leistungsfähige Technologien, die gleichzeitig flexibel, bequem und umweltfreundlich sein sollen.

Infrastrukturen können effizienter genutzt werden