IFR-Report Die Strategien der fünf fortschrittlichsten Robotikländer

Redakteur: Katharina Juschkat

Fünf Nationen sind weltweit führend in der Robotik – dabei verfolgen die Regierungen ganz unterschiedliche Strategien für die Forschung & Entwicklung. Die International Federation of Robotics (IFR) hat die fünf Strategien verglichen.

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Die USA will weiter in autonome Weltraumrobotik investieren, Deutschland setzt auf die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.
Die USA will weiter in autonome Weltraumrobotik investieren, Deutschland setzt auf die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.
(Bild: NASA)

Die International Federation of Robotics (IFR) hat untersucht, was die Ziele der verschiedenen Förderprogramme für die Robotikforschung weltweit sind. Ein Ergebnis: Die fünf fortschrittlichsten Robotikländer – Südkorea, Japan, Deutschland, USA und China – verfolgen dabei einen sehr unterschiedlichen strategischen Fokus.

China will drei führende Unternehmen mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit

Der Strategieplan „Made in China 2025" dient als Blaupause für die Verbesserung der Fertigungskapazitäten der chinesischen Industrie. Um die rasche Entwicklung intelligenter Robotertechnologie zu fördern, wurde das Sonderprogramm „Intelligente Roboter" aufgelegt, das die Innovationskette miteinbezieht. Der Fokus liegt auf grundlegenden Spitzentechnologien intelligenter Roboter, Robotern neuer Generation, gemeinsamen Schlüsseltechnologien, Industrierobotern, Servicerobotern und Spezialrobotern.

Die Entwicklungsziele setzen auf ein kontinuierliches Wachstum des industriellen Einsatzes. China möchte mindestens drei führende Unternehmen mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit entwickeln und mehr als fünf Cluster roboterunterstützender Industrien schaffen. Das statistische Jahrbuch „World Robotics“ der IFR zeigt, dass China in der verarbeitenden Industrie bereits eine Roboterdichte von 187 Einheiten pro 10.000 Arbeiter erreicht hat – das Land liegt damit weltweit auf Platz 15.

Japan will weltweite Nummer eins bei Roboterinnovationen werden

In Japan zielt die „New Robot Strategy“ darauf ab, das Land zur weltweiten Nummer eins im Bereich der Roboterinnovation zu machen. Die Rate der Robotisierung im Fertigungssektor soll bei Großunternehmen um 25 Prozent und bei KMUs um 10 Prozent gesteigert werden. Ein wichtiger Leistungsindikator ist zudem, den Markt für Systemintegratoren auszuweiten – sie arbeiten als Mittler zwischen Hersteller und Anwender.

Der Aktionsplan umfasst wichtige Bereiche der Servicerobotik wie Landwirtschaft, Infrastruktur und Gesundheitswesen. Allein der Bereich Pflege & Medizin verfügt über ein Budget von 997,3 Millionen US-Dollar und unterstützt die Gesundheitsdatenreform durch praktische Roboteranwendungen und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Japan ist laut IFR der weltweit führende Hersteller von Industrierobotern und deckte im Jahr 2019 insgesamt 47 Prozent des globalen Bedarfs.

Südkorea will Roboterindustrie als Kernindustrie etablieren

Südkorea forciert mit dem „Intelligent Robot Development and Supply Promotion Act“ die Entwicklung der Roboterindustrie des Landes als Kernindustrie der vierten industriellen Revolution. Schwerpunktbereiche sind Fertigungsbetriebe (mit einem speziellen Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU-Fertigungsstandorten), bestimmte Bereiche der Servicerobotik (einschließlich Gesundheitswesen und Logistik) sowie Schlüsselkomponenten und -software für Roboter.

Für das regierungsübergreifende Projekt „Full Cycle Medical Device Development“ plant die Regierung von 2020 bis 2025 ein Budget von 1,07 Milliarden US-Dollar ein. Für 2019 verzeichnete Südkorea einen neuen Rekordbestand von rund 319.000 Industrierobotern.

Deutschland fördert Partnerschaften zwischen Forschung und Wirtschaft

Die Hightech-Strategie 2025 in Deutschland ist die vierte Auflage des deutschen Forschungs- und Innovationsprogramms. Ziel ist es, gute Ideen schnell in innovative Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Der größte Teil des Rahmenprogramms fördert Partnerschaften zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, um institutionelle Forschung und unternehmerische Expertise zusammenzuführen.

Bis 2025 sollen jährlich 3,5 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung investiert werden. Unter der Mission „Technik für den Menschen" wurde 2020 unter anderem das Programm „Miteinander durch Innovation“ gestartet, das interaktive Technologien für Gesundheit und Lebensqualität fördert. Mit diesem Forschungsprogramm stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2026 jährlich rund 84 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

USA will Schlüsselsektor Weltraumrobotik ausbauen

In den USA wurde die National Robotics Initiative (NRI) von der US-Regierung zur Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Bereich Robotik ins Leben gerufen. Mit der NRI-2.0 wird die Zusammenarbeit zwischen akademischen, industriellen, gemeinnützigen und anderen Organisationen gefördert, um eine bessere Verbindung zwischen Grundlagenwissenschaft, Technik, Technologieentwicklung, Einsatz und Nutzung zu erreichen.

Einen Schlüsselsektor bildet die Weltraumrobotik mit dem Mondprogramm „Artemis“. Ziel von Artemis ist es, bis 2024 Astronauten auf die Mondoberfläche zurückzubringen und aussichtsreiche Ressourcen für Marsmissionen in der Zeit nach 2024 zu entwickeln. Artemis ist ein gemeinsames Raumfahrtprogramm der NASA und internationalen Partnern wie der ESA (bestehend aus 22 Ländern), Kanada, Japan und Russland. Die US-Regierung plant für die Jahre 2020 bis 2024 ein Budget von 35 Milliarden US-Dollar ein. Laut der IFR ist die Roboterdichte in der US-Fertigungsindustrie von 2014 bis 2019 mit 228 Robotern pro 10.000 Beschäftigte um 7 Prozent gewachsen – Platz 9 weltweit.

Europa fördert Spitzenforschung

Das neue europäische Rahmenprogramm „Horizont Europa“ fördert Forschung und Innovation im Zeitraum von 2021 bis 2027. Aufbauend auf den Ergebnissen und Erfolgen von Horizont 2020 unterstützt die Neuauflage die Spitzenforschung, Innovatoren sowie die Allgemeinheit darin, Wissen und Lösungen für eine grüne, digitale und gesunde Zukunft zu entwickeln.

Das Arbeitsprogramm der Robotik ist im Cluster 4 „Digital, Industrie und Raumfahrt“ eingebettet. R&D&I-Projekte der Robotik konzentrieren sich auf den digitalen Wandel in der Fertigungs- und Baubranche, autonome Lösungen zur Unterstützung von Arbeitskräften, verbesserte Kognition und Mensch-Roboter-Kollaboration. Das robotikspezifische Arbeitsprogramm 2021-2022 in Cluster 4 wird insgesamt 240 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen.

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