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Pflitsch

Diese Erfindungen machten den Weg frei für die sichere Kabelführung in Maschinen und Anlagen

| Autor/ Redakteur: Walter Lutz* / Ines Stotz

Pflitsch ist seit fast 100 Jahren Wegbegleiter der industriellen Elektrotechnik mit der Kabel(ein)führung und setzte immer wieder Maßstäbe – etwa die Erfindung der modernen Kabelverschraubung.

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Von der Stopfbuchse (l.) zur modernen Kabelverschraubung von Pflitsch.
Von der Stopfbuchse (l.) zur modernen Kabelverschraubung von Pflitsch.
(Bild: Pflitsch)

Kabel und Leitungen verbinden elektrische Systeme in unterschiedlichen Anwendungen miteinander. Doch schon in der Anfangszeit der industriellen Elektrifizierung tauchte dabei ein Problem auf: Wie lässt sich ein Kabel sicher abdichten, das durch die Bohrung einer Gehäusewand eines Schaltschranks oder einer Maschinen-Einhausung geführt wird?

Damals verwendeten Techniker dazu sogenannte Stopfbuchsen aus Bakelit oder Messing, eingeschraubt in die Gehäusebohrung. Das durchgeführte Kabel musste in der Buchse umständlich verkittet werden, um eine Abdichtung zu erreichen. Das war kosten- und wartungsintensiv. Denn der Kitt wurde oft hart und brüchig, sodass von Abdichten keine Rede mehr sein konnte. Der Elektriker war gezwungen, die Stopfbuchse neu zu verkitten. Außerdem war nicht ausgeschlossen, dass sich auf der Kittfläche Wasser ansammelte, das durch kleinste Undichtigkeiten in die Elektrik eindringen konnte.

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1950er Jahre: Gummi statt Kitt – der Weg zur Kabelverschraubung

Diesen hohen Wartungsaufwand und die technischen Unzulänglichkeiten ärgerten Otto Pflitsch, der das Familienunternehmen in 2. Generation führte. Er begann, nach einer wirtschaftlichen Lösung für das Problem der Kabelabdichtung zu suchen. Zunächst ergänzte er die Messing-Stopfbuchse um einen flexiblen Gummiring, der beim Anziehen einer Überwurfmutter so gequetscht wurde, dass sich der Spalt zum durchgeführten Kabel schloss – ein Konzept, das sich bis heute noch in vielen Kabelverschraubungen findet.

Der nächste Entwicklungsschritt folgte, als Klemmlamellen integriert wurden, um Dichtbereiche zu erhöhen – auch das ist bis heute ein Standard. Nachteil: Der Kabelmantel wurde irreparabel eingeschnürt, was langfristig zu Undichtigkeiten führte. Das war für Pflitsch unakzeptabel.

Nach einer Schwachstellen-Analyse schufen Otto und sein Neffe Harald Pflitsch etwas völlig Neues: das System UNI Dicht. Vor über 50 Jahren krönte das Deutsche Patentamt diese Pflitsch-Entwicklungsarbeit: Unter der Patentnummer 1 263 134 wurde die „Mutter der modernen Kabelverschraubungen“ beschrieben und geschützt. Dieses sechseckige Bauteil mit dem damals gängigen Panzergewinde (Pg) sollte bald schon seinen internationalen Siegeszug antreten.

1960er Jahre: UNI Dicht – eine Erfindung für den Weltmarkt

Diese Messing-Kabelverschraubung mit ihren unverlierbaren Dichtungen, die Verarbeitung von weichen Kunststoffen zu Dichteinsätzen und das Baukasten-System waren wegweisend. Denn endlich war es möglich, Dichtigkeiten von IP 68 ohne Kitt zu erreichen. Bei vielen Kunden im In- und Ausland stieß Pflitsch auf großes Interesse, z. B. bei Automobilherstellern und Maschinenbauern. 1971 kam mit der UNI Dicht PA6-3 die erste Kunststoff-Kabelverschraubung auf den Markt.

Der Clou bei den Pflitsch-Kabelverschraubungen: Beim Anziehen der Druckschraube legt sich der Dichteinsatz großflächig und schonend um das Kabel, was serienmäßig hohe Schutzarten bis IP 68 ermöglicht, die Beschädigung des Kabelmantels durch Einkerbung verhindert und für höhere Zugentlastungen sorgt.

Im Laufe der Jahre hat Pflitsch eine Vielzahl von Problemlösungen entwickelt, immer wieder angestoßen durch neue technische Anforderungen des sich verändernden Marktes. EMV- und Ex-Schutz, das Einführen von Flach- und Sonderkabeln oder konfektionierten Kabeln durch geteilte Dichteinsätze oder von mehreren Leitungen durch eine Mehrfach-Kabelverschraubung wurden ebenso realisiert wie Winkel- und Flanschverschraubungen und die Kombinationsmöglichkeiten mit Wellrohren und Schutzschläuchen für einen mechanischen Kabelschutz.

Jüngstes Beispiel für die Entwicklungsfähigkeiten des UNI Dicht-Baukastens ist die Umsetzung der aktuellen Brandschutznormen der Bahn: Hier hat Pflitsch mit einem verbesserten TPE-Material für die Dichteinsätze die hohen Anforderungen mehr als erfüllt. Die Kabelverschraubungen aus Hückeswagen sind daher uneingeschränkt in Zügen – ob auf freier Strecke, im Tunnel oder im Bahnhof – einsetzbar.

UNI Dicht gibt es aktuell in den Größen M4 bis M120, weiterhin auch in den entsprechenden Pg-Maßen und mit internationalen Sondergewinden wie NPT, CTG oder Zoll. Die Verschraubungskörper sind verfügbar in Messing, Zink, Edelstahl, Aluminium und in den Kunststoffen PVDF und PA 6(3). Eine Vielzahl internationaler Zertifizierungen wie EN, CSA, UL und PCT sowie Werkszulassungen machen den weltweiten Einsatz möglich.

Pflitsch hat in den vergangenen 50 Jahren für neue technische Herausforderungen immer wieder individuelle Lösungen geschaffen und ist heute Technologie-Führer bei Kabelverschraubungen.

1980er Jahre: Statt handgemachter Kabelwannen kommt der Pflitsch-Industrie-Kanal auf den Markt

Bis etwa Mitte der 1980er Jahre wurden Kabel in der Industrie meist mit individuell angefertigten Kabelpritschen und Kabelwannen durch Maschinen und Anlagen geführt. Harald Pflitsch hatte die Idee, mit standardisierten Kanalsystemen die mechanische Führung zu optimieren, die Fertigungs- und Montagezeiten zu reduzieren und die Kabelführung wirtschaftlicher zu machen.

In Deutschland führte Pflitsch daraufhin den Industrie-Kanal ein, ein Kanalsystem aus hochwertigem Stahlblech, das dank der etwa hundert Formteile wie T-Stücke, Kreuzungen, Bögen usw. die individuelle Kabelführung sicherer und wirtschaftlicher machte. Durch den scharnierten bzw. abnehmbaren Deckel kann der Elektriker die benötigten Kabel einfach einlegen und bei Bedarf ergänzen oder sie wieder herausnehmen. Heute umfasst das IK-Programmsystem 13 verschiedene Querschnitte von 50 x 50 bis 600 x 150 mm.

Um in automatisierten Prozessen wie in Fertigungszellen mit Robotern Kabel sicher über den Boden verlegen zu können, entwickelte Pflitsch aus dem Industrie-Kanal heraus den Automobil-Kanal. Der verfügt über eine größere Wandstärke, stabile Stützfüße und einen Deckel aus rutschsicherem Riffelblech.

1990er Jahre: Der handliche PIK als bessere Alternative zum Stapa-Rohr

Mit dem Aufkommen der Automatisierung stieg seit Mitte der 1990er Jahre der Bedarf an Installationsmitteln, um einzelne Kabel in Maschinen oder Anlagen, z. B. zu Sensoren oder Aktoren mechanisch geschützt zu führen. Vielfach nutzten Anwender dazu das bekannte Stapa-Rohr. Deren Nachteile liegen aber auf der Hand: Konfektionierte Kabel lassen sich schlecht durchschieben, und eine nachträgliche Änderung an der Installation ist oft nur mit größerem Aufwand machbar.

Pflitsch brachte daraufhin den PIK-Kanal für kleine Kabelvolumina auf den Markt, den es mit zehn Querschnitten ab 15 x 15 mm gibt. Wie beim Industrie-Kanal lässt sich sein Deckel auf der gesamten Länge abnehmen, um Kabel einfach einzulegen oder wieder herauszunehmen. Mit verschiedenen Formteilen wie die Winkelverbinder und T-Stücken kann der PIK in X/Y/Z-Richtungen montiert werden.

2005: Metrische Kabelverschraubung wird zum Branchenprimus

Mit Inkrafttreten der EU-Norm EN 50262 (heute EN 62444) für metrische Bauteile brachte Pflitsch die Baureihe Blueglobe auf den Markt: Mit ihrem unverlierbarem Dichteinsatz erreichte diese Kabelverschraubung einen deutlich größeren Dichtbereich, eine bessere Zugentlastung und eine höhere Dichtigkeit als Marktstandards. Auch reichen z. B. drei Größen aus, um Kabeldurchmesser von 4 bis 32 mm sicher mit IP 68 abzudichten.

Seitdem wurde das Blueglobe-Programm aus Metall- und Kunststoff-Kabelverschraubungen um Trendprodukte erweitert: Mit der Version TRI wurde eine EMV-Kabelverschraubung realisiert, die für Cat. 7A-Datenkabel zugelassen ist. Mit der Clean Plus ist Pflitsch Vorreiter mit EHEDG-zertifizierten Varianten aus Edelstahl und Kunststoff für den Hygienebereich in der Lebensmittel-Industrie, der Chemie- und Pharmatechnik. Versionen für hohe Temperaturen und hohe Drücke bis 30 bar sind konzipiert für die moderne Prozesstechnik.

Seit 2010: Geteilte Kabeleinführungen fördern die sichere Modulbauweise

Seit Beginn des neuen Jahrtausends ist ein Trend unverkennbar: Immer mehr Unternehmen fokussieren sich auf ihre Kernkompetenz und lassen fertige Module und Baugruppen von Zulieferern realisieren. Diese sind meist anschlussfertig mit Steckern oder Klemmleisten versehen, die aber nicht durch herkömmliche Kabelverschraubungen passen. Also entwickelte Pflitsch teilbare Systeme wie den UNI Flansch.

Diese teilbare Leitungseinführung aus Kunststoff oder Zinkdruckguss besteht aus zwei Rahmenplatten, die exakt zu Standard-Blechausschnitten für 24-polige schwere Steckverbinder passt. In diese Platte integriert sind drei Verschraubungskörper, die im Aufbau dem UNI Dicht-System entsprechen. Geteilte Druckschraubungen runden die Produktlösung ab. Das System erreicht mit IP 66 einen umfassenden Schutz gegen Strahlwasser aus allen Richtungen und verhindert das Eindringen von Staub.

Auch für einzelne Bohrungen hat Pflitsch eine Lösung geschaffen: Bei der UNI Split Gland bestehen der Verschraubungskörper und die Druckschraube aus zwei Teilen, die bei der Installation sicher miteinander verrastet werden. Verfügbar sind Typen aus Polycarbonat sowie aus Zinkdruckguss für erhöhte mechanische Anforderungen und extreme Einsatztemperaturen.

2018: VARiOX – der aktuelle Kanal für alle Standardanwendungen

Im Jubiläumsjahr der Elektrotechnik bringt Pflitsch mit dem VARiOX-Kabelkanal eine flexible Installationslösung für alle Standardanwendungen im Maschinen- und Anlagenbau, Robotik und Automation auf den Markt. In diesem Kanalsystem stecken eine Menge pfiffiger Ideen: Aufgrund optimierter Wandstärken ist der Kanal leicht und dennoch formstabil. Die Kanalteile können ohne den Einsatz von Spezialwerkzeug schnell und einfach montiert werden. Dabei werden die vorgelochten Kanalkörper und Formteile per Rastnasen durch die multifunktionalen VARiOX-Schnellverbinder zum gewünschten Streckenverlauf verbunden. Dreht der Monteur den Schnellverbinder, können die Kanalteile miteinander verschraubt werden. Eine weitere Besonderheit ist der selbstverrastende Deckel, der einfach auf den Kanalkörper aufgeklipst wird. Er kann jederzeit werkzeuglos wieder geöffnet werden, um die Kabelinstallation zu ändern.

Das System besteht aus geraden Kanalelementen in vier Querschnitten von 100 x 100 bis 300 x 100 mm – wahlweise mit geschlossenem oder gelochtem Boden. Passend dazu gibt es 90°-Formteile, T-Stücke, Endkappen und Verbinder. Mit insgesamt nur 42 Bauteilen hat Pflitsch das VARiOX-Programm übersichtlich gestaltet, was den Aufwand für Bestellung, Lagerung und Montage bei Kunden minimiert.

Außerdem ist der VARiOX-Kabelkanal kombinierbar mit Teilen aus dem Industrie-Kanal-Programm, was die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten um ein Vielfaches erhöht und die besondere Flexibilität der neuen Produktreihe ausmacht.

Zukunftsfähige Ideen: Konstruktionsdaten online weltweit verfügbar

Um die Konfektionierung eines Kabelkanals einfach, schnell und präzise zu machen, hat Pflitsch schon seit Jahren für alle seine Kanalsysteme Werkzeuge und mobile Maschinen – zum Teil akkubetrieben – im Programm. Mit denen lassen sich die geraden Kanalteile sauber und ergonomisch ablängen, Ausbrüche realisieren und Deckel bearbeiten. Ebenso gibt es eine abgestimmte Befestigungstechnik für eine einfache Montage in der jeweiligen Umgebung.

Mit dem Baugruppen-Service eröffnet das Unternehmen seinen Kunden die Zukunft in Sachen Effizienz und Kostentransparenz: Denn statt den individuellen Kanalverlauf für eine Maschine oder Anlage von Hand zu planen, zu konfektionieren und einzubauen, bietet Pflitsch basierend auf dem Planungstool EasyRoute 4.0 heute schon ein Maximum an Effizienz. Ist der Kanalverlauf mit allen Details am CAD-Bildschirm geplant, erzeugt das Programm die Daten für Bestellung und Fertigung aller Teile, die dann bei Pflitsch exakt zu Baugruppen gefertigt werden. Diese werden pünktlich ans Montageband des Kunden geliefert und können dort Stück für Stück in die zu bauenden Maschine integriert werden. Die Projektdaten lassen sich jederzeit abrufen und auf sich ändernde Baupläne anpassen.

Für alle Produktreihen hat Pflitsch die Konstruktionsdaten der Bauteile online verfügbar. In verschiedenen Formaten können Anwender weltweit diese Daten herunterladen, um Bauteile z. B. in Angebote, Ausschreibungen oder Montageanleitungen einzupflegen oder die Kabelverschraubungen und Kabelkanäle bereits in der Konstruktionsphase in CAD-System einzubinden.

* Dipl.-Ing. Walter Lutz, freier Fachjournalist für PRservice in Haiger

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