Industrie 4.0-Thesen

„Eine Art Einstiegsdroge“

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Dr. Eduard Sailer, Geschäftsführer der Miele & Cie. KG in Gütersloh, wiederum löste mit seinem Vortrag „Wettbewerbsfähige Unternehmen – Perspektiven von Industrie 4.0 für Produktion, Produkte, Geschäftsmodelle und Märkte“ bei manchen eine Art Aha-Effekt aus. Er berichtet von der wachsenden Konkurrenz durch Google Co., die sich zunehmend auf branchenfremden Märkten bewegen, etwa Amazon mit einem kleine Gadget, das meldete, wenn das Waschmittel in der Waschmaschine leer sei. „Wir sollten den Blick bei Industrie 4.0 weiterfassen als wir es gewöhnt sind. Was können wir Kunden bieten, wenn wir neue Technologien einführen oder sogar pushen?“ Produkte auf den Kunden hin maßzuschneidern sei im Automobilsektor ja bereits gang und gäbe. „Im Konsumgüterbereich hält das nun Einzug: Nutella mit persönlichem Namensetikett und Turnschuhe lassen sich zu Hause konfigurieren. Ich glaube, 4.0 hat durchaus das Potenzial, Technik griffiger zu machen. “ Überraschend war vermutlich weniger, dass neue Technologien und Anwendungen auch neue Geschäftsmodelle möglich machen. Doch dass mit dem Internet der Dinge der Wind im Wettbewerb aus ganz anderen Richtungen als der eigenen Branche wehen könnte, der Gedanke war vielen offenbar neu. Und er regte an. So wurde Sailers Beitrag so manchem Gespräch auch später noch intensiv weiter diskutiert.

Prof. Dr. -Ing. Reiner Anderl von der TU Darmstadt und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats Nationale Plattform Industrie 4.0 arbeitete in seinem Plenum über „Strategische Innovationen und vernetzte Intelligente Systeme der Zukunft“ heraus, in welche Richtung sich die Prozesse der Geschäftsmodelle und Arbeitswelten von heute entwickeln: von traditionellen Innovationsprozessen hin zu Open Innovation, von der Wertschöpfung durch Produktions- und Lieferketten hin zu datengetriebener Wertschöpfung etwa, um nur einige der von ihm identifizierten Trends zu nennen. „Use Cases“, also Anwendungsszenarien seien da wichtig. „Denn natürlich will jedes Unternehmen wissen, wo es sich mit 4.0 verbessern kann.“

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Existenziell auch einzelne Aspekte wie die Sicherheit im praktischen Einsatz: „Es darf zum Beispiel nicht passieren, dass wir in der Produktion ein Funkloch haben. Aber auch das Thema Privacy ist enorm wichtig“, veranschaulicht Prof. Anderl, wie komplex das Spektrum ist, wenn es um den Einstieg in Industrie 4.0 geht. Mobile Geräte wie Tablets und Smartphone zur Steuerung, die unsere Arbeitswelt verändern. „Die Wirtschaft muss ein Bewusstsein entwickeln für dies Technologien, sonst bekommen sie auch keine klugen Köpfe der neuen Generation, die sich dafür begeistern und bereits ganz anders dran herangeht.“

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