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Quantencomputing Erster Quantencomputer Europas geht in Stuttgart in Betrieb

| Redakteur: Katharina Juschkat

Die Fraunhofer-Gesellschaft und IBM schließen eine Partnerschaft, um die Erforschung und Nutzung von Quantencomputern in Deutschland voranzutreiben. Ab 2021 geht dazu der erste Quantencomputer Europas in Betrieb.

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2021 wird ein solcher IBM Q System One Quantencomputer in einem Rechenzentrum von IBM Deutschland bei Stuttgart installiert.
2021 wird ein solcher IBM Q System One Quantencomputer in einem Rechenzentrum von IBM Deutschland bei Stuttgart installiert.
(Bild: IBM)

Eine kürzlich beschlossene Kooperation zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und IBM soll das Quantencomputing in Deutschland voranbringen. Dazu wird zum Jahresbeginn 2021 ein IBM Q System One Quantencomputer in Stuttgart in Betrieb gehen. Es wird das erste seiner Art in Europa sein.

Bereits zum 1. April 2020 erhalten interessierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen durch die Fraunhofer-Gesellschaft über die Cloud Zugriff auf die weltweit größte Gruppe von IBM Quantenrechnern, die derzeit 15 Systeme umfasst und im US-Bundesstaat New York installiert ist.

Das System IBM Q System One

Das IBM Q System One ist dahingehend optimiert, die Qualität, Stabilität, Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit von Multi-Qubit-Anwendungen sicherzustellen. Aufgrund dieser Faktoren und des daraus resultierenden hohen Quantum Volumes (eine Maßzahl für die Leistungsfähigkeit eines Quantenrechners) ermöglicht das IBM Q System One modernste Forschungsarbeiten für konkrete Anwendungsszenarien in Wissenschaft und Industrie.

IBM stellt seit 2016 Quantencomputer über die Cloud kostenlos zur Verfügung. Stand heute haben mehr als 200.000 Nutzer bereits die Möglichkeit genutzt, auf speziellen Algorithmen basierte Signale an die Rechner zu schicken. Die entsprechende Software namens Qiskit wurde mehr als 300.000-mal heruntergeladen und über 200 wissenschaftliche Arbeiten zu Experimenten wurden auf der Plattform veröffentlicht.

Ein nationales Fraunhofer-Kompetenznetzwerk für Quantencomputing will Partner aus der Forschung und Industrie koordinieren. Dieses hat sich die Weiterentwicklung und den Transfer anwendungsorientierter Quantencomputerstrategien unter vollständiger Datenhoheit nach europäischem Recht zum Ziel gesetzt.

Quantencomputing hat laut Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer das Potenzial, die komplexen Systeme in Wirtschaft und Industrie zu analysieren, molekulare und chemische Wechselwirkungen zu entflechten, komplizierte Optimierungsprobleme zu bewältigen und Künstliche Intelligenz deutlich leistungsfähiger zu machen. Er erklärt: „Solche Fortschritte könnten die Tür zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und enormen Verbesserungen zum Beispiel bei Lieferketten, der Logistik und der Modellierung von Finanzdaten sowie Problemen aus den klassischen Ingenieurswissenschaften öffnen.“

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