Sommerprognose Konjunktur zwischen Energiekrise und KI-Boom

Quelle: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 2 min Lesedauer

Die deutsche Wirtschaft war bis zur Energiekrise auf Erholungskurs. Laut Sommerprognose des IWH setzt sich diese Entwicklung fort, wenn sich der Golfkonflikt entspannt und die Energiepreise stabil bleiben. Dann dürfte die Produktion 2026 und 2027 jeweils um 0,9 Prozent wachsen – ähnlich auch in Ostdeutschland.

Erholung mit Risiken: Deutschlands Wirtschaft zwischen geopolitischer Unsicherheit und technologischem Aufschwung.(Bild:   /  Pixabay)
Erholung mit Risiken: Deutschlands Wirtschaft zwischen geopolitischer Unsicherheit und technologischem Aufschwung.
(Bild: / Pixabay)

Der Golfkonflikt hat die Energiepreise deutlich erhöht und weltweit zu steigenden Verbraucherpreisen geführt. Zwar wird der Ausfall von Erdöl teilweise durch Lagerabbau kompensiert, zugleich besteht die Hoffnung, dass die Straße von Hormus im Sommer wieder passierbar wird. 
Parallel treibt der KI-Boom die Weltkonjunktur an: Ostasien liefert zentrale Investitionsgüter, während vor allem in den USA in entsprechende Anlagen investiert wird. Zusätzliche Impulse kommen von steigenden Ausgaben für Verteidigung und erneuerbare Energien. Dämpfend wirken hingegen Zinserhöhungen, die schwache Binnennachfrage in China sowie zunehmender Wettbewerbsdruck und US-Zölle im Euroraum.

Gesamtwirtschaftliche Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2024 bis 2027.(Bild:  IWH)
Gesamtwirtschaftliche Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2024 bis 2027.
(Bild: IWH)

Zu Jahresbeginn deutete sich in Deutschland noch ein moderater Aufschwung an. Die Produktion stieg im ersten Quartal spürbar, vor allem dank wachsender Exporte in europäische Nachbarländer. Im Sommer erscheint diese Entwicklung jedoch unsicherer: Hohe Energiepreise belasten Unternehmen und private Haushalte, zugleich trübt die drohende Energiekrise die Erwartungen. Die Beschäftigung ist leicht rückläufig, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe.

Das wesentliche Risiko für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Konjunktur liegt im ungewissen Fortgang des Golfkonflikts.

Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH


Ein konjunktureller Einbruch bleibt dennoch unwahrscheinlich. Dafür sorgt vor allem die expansive Finanzpolitik: Öffentliche Ausgaben und Investitionsprogramme stützen die Nachfrage, insbesondere im Bau. Auch die Exporte könnten nach mehreren Jahren des Rückgangs wieder leicht steigen, während sich die privaten Konsumausgaben moderat erhöhen dürften.

Sollte die Straße von Hormus länger geschlossen bleiben, wären deutlich höhere Ölpreise, Inflation und Zinsen sowie Rückschläge für die deutschen Exporte zu erwarten. Unter diesen Bedingungen würde die Wirtschaftsleistung 2026 bestenfalls stagnieren.

Darüber hinaus bringt die Implementierung der Künstlichen Intelligenz Aufwärts- und Abwärtsrisiken mit sich. KI kann die Produktivität steigern, kurzfristig aber auch Risiken bergen – etwa durch Arbeitsplatzverluste, auch bei höher qualifizierten Beschäftigten.

Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH

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