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CE-Kennzeichnung EU-Maschinenrichtlinie: Vier Kriterien gilt es für Gesamtheit von Maschinen zu erfüllen

| Redakteur: Sariana Kunze

Wenn mehrere Maschinen zusammen betrieben werden, ist dies laut EU-Maschinenrichtlinie eine „Gesamtheit von Maschinen“. Aber welche Kriterien gilt es dafür zu erfüllen? Und: Wie wirkt es sich auf die Maschinensicherheit aus? Dieser Beitrag erklärt, warum es für die CE-Kennzeichnung auf die Schnittstellen ankommt.

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Für die CE-Kennzeichnung müssen vier Aspekte erfüllt sein, um herauszufinden, ob es sich um eine Gesamtheit oder eine Einzelmaschine handelt.
Für die CE-Kennzeichnung müssen vier Aspekte erfüllt sein, um herauszufinden, ob es sich um eine Gesamtheit oder eine Einzelmaschine handelt.
(Bild: Ce-Con)

Der Begriff „Gesamtheit von Maschinen“ existiert seit dem Inkrafttreten der aktuellen EU-Maschinenrichtlinie – also seit Ende 2009. Wann eine solche Gesamtheit vorliegt, ist immer abhängig von den jeweiligen Schnittstellen zwischen den Einzelmaschinen. Als Grundvoraussetzung gilt die räumliche Nähe der einzelnen Maschinen zueinander. Dies wird am Beispiel einer Abfüllanlage für Getränke deutlich: Beim Betrachten einer solchen Anlage fällt auf, dass diverse einzelne Maschinen über Förderbänder miteinander verbunden sind. Leere Flaschen werden automatisch der Waschmaschine zugeführt, gereinigt und entkeimt. Im Anschluss werden die Flaschen durchleuchtet und geprüft, ob Reste wie alte Etiketten oder ähnliches noch vorhanden sind. Es folgen weitere Maschinen, die den Prozess fortführen: Abfüller, Verschließmaschinen, Etikettierer und ein automatischer Packer, der die Flaschen in leere Getränkekisten steckt. Oft werden diese dann durch weitere Manipulatoren oder Roboter auf Paletten gestapelt und über Bodenfördertechnik abtransportiert. Handelt es sich also bei der beschriebenen Anlage um eine Gesamtheit?

Vier Kriterien gilt es für eine Gesamtheit zu erfüllen

Vier Aspekte müssen erfüllt sein, um herauszufinden, ob es sich um eine Gesamtheit oder um Einzelmaschinen handelt. Erstens wird geprüft, ob die einzelnen Einheiten so zusammengebaut sind, dass sie eine gemeinsame Aufgabe ausführen können. Zweite Voraussetzung für eine Gesamtheit ist, dass die Maschinen funktional miteinander verbunden sein müssen. Dabei muss der Betrieb jeder einzelnen Einheit die Funktion anderer Einheiten beeinflussen. Ist das der Fall, werden die daraus entstehenden Risiken beurteilt.

Eine Gesamtheit muss nicht nur über eine SPS verfügen

Im dritten Schritt wird geprüft, ob die zusammengebauten Einheiten über ein gemeinsames Steuerungssystem verfügen. Das bedeutet nicht, dass die Gesamtheit über eine einzige SPS verfügen muss. Sie kann auch aus mehreren, aber untereinander kommunizierenden Steuerungen bestehen. Als letztes Kriterium müssen die Einheiten über eine sicherheitstechnische Verbindung verfügen. Werden mehrere Einheiten so verbunden, dass sie beispielsweise von einem Schutzzaun umgeben sind, der über eine Zutrittstür verfügt, so muss der Sicherheitsschalter an der Tür Einfluss auf mehrere Einheiten haben. Stehen jedoch mehrere Einheiten zusammen und werden sogar von einer Steuerung betrieben, haben aber keinerlei Einfluss aufeinander, so handelt es sich hier nicht um eine Gesamtheit. Jede Einheit erhält dann ihr eigenes CE-Kennzeichen.

Neue Gefährdungsbeurteilung bei Veränderungen

Maschinenbetreiber sind verpflichtet, beim Umbau oder Modernisierung einer Maschine eine neue Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Dabei ist entscheidend, ob es sich bei der Veränderung um eine „Wesentliche Veränderung“ handelt. Sollte sich während der Überprüfung herausstellen, dass dies der Fall ist, so wird die veränderte Maschine wie eine neu in Verkehr gebrachte Maschine angesehen. Das gesamte Konformitätsbewertungsverfahren muss neu durchlaufen werden. Weiterhin wird geprüft, ob sich die Veränderungen auch auf die Sicherheit der Gesamtheit der Maschinen auswirken. Ein Beispiel: Ein Roboter bestückt Warenträger automatisch mit Teilen; wird er durch ein neues, schnelleres Modell ersetzt, stellt sich die Frage, ob sich dies auf die „Maschinensicherheit“ oder die „Arbeitssicherheit“ auswirkt.

Wann entsteht eine neue Gefährung?

Innerhalb der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) besteht die Verpflichtung, dass die Gefährdungsbeurteilung regelmäßig oder anlassbezogen an jedem Arbeitsplatz durchgeführt werden muss. Bei einem Vergleich mit den ursprünglichen Beschreibungen wird geprüft, ob durch den Umbau eine neue Gefährdung entstanden ist. Hierbei müssen alle Lebensphasen und Tätigkeiten berücksichtigt werden. Denn der Betreiber darf nur Maschinen zur Verfügung stellen, deren Verwendung nach dem Stand der Technik sicher ist. Verursacht der neue Robotertyp im Beispiel keine neuen Gefährdungen, wird geprüft, ob das vorhandene Risiko steigt. Da der Austauschroboter schneller arbeitet, könnte es zu Gefährdungen kommen. In jedem Einzelfall muss ermittelt werden, ob die Veränderungen an der Maschine sicherheitsrelevante Auswirkungen nach sich ziehen. Da eine neue Gefährdung bzw. eine Erhöhung eines vorhandenen Risikos durch die höhere Geschwindigkeit vorliegt, wird geprüft, ob die vorhandenen Schutzmaßnahmen der Maschine weiterhin ausreichen oder geeignet sind. Minimiert das bestehende Schutzkonzept die neue Gefährdung bzw. die Risikohöhe ausreichend und werden alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt, liegt keine wesentliche Veränderung der Anlage vor. Dann ist kein neues Konformitätsbewertungsverfahren erforderlich. Die vorhandene Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes und des Arbeitsmittels wird vom Betreiber angepasst.

Wie müssen Schutzeinrichtungen ausgewählt werden?

Maschinen werden oft als Standardprodukte von Herstellern geliefert. Die Verbindung zu anderen Maschinen ist nicht immer vorgesehen. So fehlt z. B. die Möglichkeit, externe Einrichtungen zum Stillsetzen der Anlage im Notfall anzuschließen. Um eine sichere Gesamtheit von Maschinen zu erlangen, ist es aber erforderlich, auch externe Sicherheitsbauteile wie Lichtgitter oder Sicherheitslaserscanner zu integrieren. Umgekehrt müssen andere Maschinen auch sicherheitsgerichtet mit den Sicherheitskomponenten verknüpft werden, die Bestandteil des Standardproduktes sind. Ausschlaggebend ist das sogenannte Performance Level (PL). Hinter dem PL verbirgt sich die Güte einer Schutzfunktion. Je größer das Risiko, umso technisch aufwendiger und fehlersicherer muss die Schutzfunktion sein. Neben dem PL müssen auch die verwendeten Bauteile hinsichtlich ihrer Reaktionszeit betrachtet werden. Je länger die Reaktionszeit einer Sicherheitsfunktion ist, umso größer muss der Abstand zur Gefahrenstelle bemessen sein. Reicht der Platz z. B. nicht aus, um ein Lichtgitter zu installieren, muss eine andere Schutzeinrichtung gewählt werden.

Ein anwendungsgerechtes Sicherheitskonzept erfordert neben einer Analyse und Beseitigung vorhandener Gefährdungen einen Blick auf die fertigungstechnischen Anforderungen, z. B. die Zykluszeit und die Transportlogistik. „Auch wenn Maschinen im Produktionsverbund stehen, muss darauf geachtet werden, die richtigen Schutzeinrichtungen zu wählen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie umgangen werden, wenn diese die Tätigkeit erschweren“, erklärt Jörg Handwerk, Geschäftsführer der CE-Con.

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