Arbeitswelt der Zukunft

Führung 4.0: Mehr Zirkus, weniger Dompteur

| Autor / Redakteur: Markus Dohm* / Sariana Kunze

Die Anforderungen an den Führungsstil verändern sich: Der Dompteur muss sich im Arbeits-Zirkus der Zukunft deutlich zurücknehmen – Kontrolle ist nicht mehr gefragt.
Die Anforderungen an den Führungsstil verändern sich: Der Dompteur muss sich im Arbeits-Zirkus der Zukunft deutlich zurücknehmen – Kontrolle ist nicht mehr gefragt. (Bild: © mchlskhrv/Fotolia.com)

 Mit der digitalen Transformation ändern sich die Anforderungen an Führung fundamental und dynamisch. Kontrolle hat in der Manege der Arbeitswelt als Führungsstil keine Zukunft mehr. Bisherige Prinzipien des Managements stehen komplett in Frage. Doch zuerst muss der Kulturwandel in den Köpfen der CEOs, COOs, CDOs stattfinden.

Mittlerweile arbeitet die erste Generation der sogenannten Digital Natives in den Unternehmen. Die 20- bis 37-Jährigen sind mit Computern aufgewachsen und in einer vernetzten Welt sozialisiert. Sie sind es gewohnt, persönliche Informationen und ihr Wissen zu teilen, dezentral und virtuell in Netzwerken und Projekten zu arbeiten. Auch ihr Wertegerüst basiert auf anderen Säulen als die der heutigen Führungskräfte der zweiten und dritten Ebene. Den Young Professionals ist Selbstverwirklichung wichtiger als Geld, Potenzialentfaltung wertvoller als Chefposten, Work-Life-Integration erstrebenswerter als Karriere, Teamleistung zählt mehr als rigoroses Einzelkämpfertum.

Hinzu kommt: Durch ihre Qualifikation und eine zunehmende Spezialisierung fordern junge Fachkräfte heute mehr Entscheidungsfreiheit. Das kollektive Wissen, das sie sich über ihre unternehmensübergreifenden Netzwerke in kürzester Zeit verschaffen, spielt eine größere Rolle als Herrschaftswissen. Durch die Schwarmintelligenz haben Silo- und Abteilungsdenken nicht nur ihre Legitimität verloren. Ungeteilt sind zurückgehaltene Informationen und Wissen wertlos für ein Unternehmen, das in immer kürzeren Innovationszyklen arbeiten muss.

Vor diesem Hintergrund bedeutet Führung 4.0 ein neues Führungsverständnis und braucht völlig andere Managementmethoden als in der Vergangenheit. Führungskräfte müssen selbst Werte und Haltung zeigen, damit sie den Raum für Kreativität schaffen und zugleich Sicherheit geben können. Gefordert ist digitale Führungskompetenz – angefangen beim CEO bis in die dritte und vierte Führungsebene.

Manege: Innovationen entstehen in Projekten

Eine starre, auf Hierarchien basierende Führungskultur wird heute weder den Kundenbedürfnissen noch den Mitarbeitern gerecht. Die klassische Linienorganisation mit langwierigen Entscheidungsprozessen ist zudem nicht in der Lage, auf die immer schneller sich ändernden Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren. Immer mehr Unternehmen arbeiten deshalb in Projekten. 2018 soll dieser Anteil des Projektgeschäfts auf 40 Prozent steigen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass in Unternehmen mit hohen Innovationserfolgen rund 45 Prozent der Arbeitszeit in Projekten erbracht wird.

Ergänzendes zum Thema
 
5 Kompetenzen braucht der digitale Wandel

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