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Energie 4.0

„In der Elektrotechnik geht die Post ab“

| Autor: Karin Pfeiffer

Für Roland Bach vom VDE und der TAE sind Erneuerbare Energien ganz klar ein Thema für die Industrie. Der Experte bringt auf den Punkt, welche Chancen sich mit Energie 4.0 bieten - und woran es in der Praxis noch hapert.

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Roland Bach, Referatsleiter für die Aus- und Weiterbildung beim VDE, sieht auch an der TAE täglich, wie die Gewerke beim Thema Energie 4.0 zusammenwachsen.
Roland Bach, Referatsleiter für die Aus- und Weiterbildung beim VDE, sieht auch an der TAE täglich, wie die Gewerke beim Thema Energie 4.0 zusammenwachsen.
(Bild: VDE)

Für die einen das Erfolgskonzept der Zukunft, für andere noch ein zu großes Abenteuer: Wo stehen wir mit Energie 4.0?

Wir haben in Deutschland eine einzigartige Kultur der Diskussion in technischen Zirkeln. Durch das Zusammenwachsen der Industriezweige Energie, IKT und Automatisierungstechnik kann es in Zukunft Lösungen geben, die langfristig nicht nur preissenkend wirken, sondern auch die Verfügbarkeit von Energie absichern.

Alle diese Technologien sind vorhanden und durch Normengruppen im VDE auch vertreten. Wir verfügen über vier funktionierende Netze: Stromnetz, Gasnetz, Verkehrsnetz, IT-Netz. Und damit ließe sich vieles abdecken.

Technologisch längst fit für Energie 4.0? Woran hapert es?

Die Herausforderung ist allerdings, diese Technologien sinnhaft zu verknüpfen, um daraus ein gut funktionierendes Gesamtsystem zu machen.

Im Moment geht es nicht ums Können, sondern ums Wollen. Ich sehe derzeit keine Strategie und kein Gesamtkonzept für die Umstellung auf regenerative Energien. Hier müssen verschiedene Interessenlagen unter einen Hut gebracht werden.

Es ist auch staatliche Initiative gefragt, da die elektrische Stromversorgung ein ureigenes Interesse unserer gesamten Gesellschaft ist. Wenn da ein Staatssekretär die Aussage macht, dass kein Handlungsbedarf von staatlicher Seite besteht und die Märkte alles alleine regulieren, ist das sogar hochgefährlich.

Strom ist systemkritisch, noch mehr als das Bankensystem. Der Staat darf sich bei der Energieversorgung nicht rausziehen. Was allerdings nicht passieren darf ist eine Regulierungswut, die uns Deutsche manchmal heimsucht.

Der Blick aufs Ganze: Ist Ihnen deshalb der Automatisierungstreff als Forum für das Thema Energie 4.0 wichtig?

Wir treffen uns hier interdisziplinär und vor allem ohne Zwang von wirtschaftlichen und politischen Randbedingungen. Das ist eine gute Basis für innovative Lösungen. Das schätzen wir vom VDE genauso wie die Teilnehmer. Ganz besonders wichtig ist aber auch die Vermittlung von Knowhow in Richtung Automatisierungsbranche. Hier gibt es viele Firmen, die neue Marktsegmente suchen. Der Energiemarkt ist aktuell sehr im Umbruch und dadurch werden neue Lösungen dringend benötigt. Das ist als neues Betätigungsfeld für die Mittelständler der Automatisierungsbranche interessant.

Werden wir die Energiewende schaffen?

Ja, das geht gar nicht anders. Und wir sind mitten drin. Derzeit haben wir in Deutschland bei 65 GW durchschnittlichem Leistungsbedarf eine installierte Peakleistung erneuerbarer Energien von rund 80 GW. Das spricht für sich.

Wo rangieren wir im internationalen Vergleich?

Im guten Mittelfeld. Wir haben viele Fachleute für einzelne Disziplinen. Was fehlt ist auch hier die steuernde Hand, die sie zu einem großen Ganzen zusammensetzt. China, Indien mit Windkraft und USA mit Photovoltaik sind in puncto Energie 4.0 innovativer.

Stichwort Erneuerbare Energie: Eher noch ein Umweltthema?

Ganz klar ein Thema für die Industrie und ihre Produktionskosten. Bei Erneuerbaren Energien geht es um Bezahlbarkeit von Energie und Wettbewerbsfähigkeit. Energie 4.0 ist nicht sinnvoll mit fossilen Brennstoffen. Es bedeutet letztlich einen Paradigmenwechsel weg von konventionellen Kraftwerken hin zu regenerativen Energieressourcen.

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 Karin Pfeiffer

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