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Engineering Kein Bruch in Sicht

| Autor/ Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Thema der Würzburger Runde: Engineering mit IEC 61131 im Spannungsfeld von Industrie 4.0. Experten zogen Bilanz zu Effizienz, den Kosten und den Trends. Der Fortschritt kommt kontinuierlich.

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Hat die IEC 61131 ausgedient? Muss etwas Neues her? Experten ziehen Bilanz.
Hat die IEC 61131 ausgedient? Muss etwas Neues her? Experten ziehen Bilanz.
(Unch)

Der gemeinsame Nenner ist schnell gefunden. Auf dem Weg zur Vision Industrie 4.0 sind die Automatisierer mit dem Fokus auf die SPS, die Speicherprogrammierbare Steuerung, und der internationalen Norm IEC 61131 in Sachen Kontinuität gut aufgestellt. Sind doch Millionen von Mannjahren in die Entwicklung der Programmiersoftware geflossen. Eine Entwicklung, die man nicht ohne Not stoppen oder gar umdrehen kann. „Als Automatisierer haben wir eine gewisse Verantwortung, Zukunftsfähigkeit zu sichern. Wir können nicht plötzlich sagen: Jetzt machen wir alles neu! Wir müssen verlässlicher Partner sein“, sieht Norbert Sasse, Leiter Vertriebliches Produktmanagement Motion-Logic, Bosch Rexroth, die Situation. Für ihn hat Zukunft zugleich auch einen anderen Aspekt: „Welche Sorgen und Nöte haben Anwender?“ Man müsse diese beraten und ihnen Lösungspakete anbieten, und zwar solche, die möglichst vielen Anwendern und Anwendungen gerecht werden. Sasse: „Die SPS bleibt ein wichtiges Element, um sie herum entwickelt sich die Programmierung nach IEC weiter. Da müssen wir Schritt halten.“

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Steuerungen lassen sich anders adressieren

Zukunft lässt sich leichter voraussagen, wenn man sie mitgestaltet. Für Phoenix Contact war das der Grund den Technologielieferanten eines IEC 61131-Runtime-Systems, KW-Software, im Jahre 2001 als Tochtergesellschaft in die Unternehmensgruppe zu integrieren. Holger Meyer, bei Phoenix Contact Leiter Marketing Control Systems, betont den Nutzen: „Mit der Kernkompetenz Runtime haben wir mehr Möglichkeiten, Lösungen über die IEC 61131 einzubringen und Hochsprachen zu integrieren.“ Steuerungen lassen sich so ganz anders adressieren und einfach weiterentwickeln. Holger Meyer betont: „Zudem bekomme man auch einen tieferen Einblick in Marktentwicklungen.“

Weitere Digitalisierung heißt mehr Software

Der Fortschritt bei Industrie 4.0 heißt vernetzte Komponenten und weitere Digitalisierung der Informationen in der Produktion. Unter dem Strich bedeutet das: Mehr Software. Für diese Aufgabe gilt es, entsprechend vorbereitet zu sein. Wer da Prozess und Engineering verstehe, habe eine gute Basis für den Schritt in die Zukunft, meint Dr. Hans Egermeier, Business Manager Automation Software bei B & R. „Unser Engineering-Werkzeug ist auf Hardware-Ebene gut skalierbar und auf Software-Ebene sehr offen.“ Nach wie vor sei die IEC 61131 der Standard im Engineering, aber parallel könne man Hochsprachen einbinden und so künftig in die Automatisierungswelt einführen. Seine Bilanz: „Wir fühlen uns gut vorbereitet.“

Die 61131 ist ein maßgeblicher Baustein, um Offenheit für die Programmierung zu erreichen. Ein Aspekt, der künftig weit mehr als bisher in den Vordergrund treten wird. Nämlich bei den CPS, den Cyberphysikalischen Systemen, den Grundbausteinen für Industrie 4.0, meint Manfred Kraemer, Projekt Manager System Architecture und Requirements Industrial Automation Systems bei Siemens. „Da ist es immer notwendiger, dass Maschinen, Komponenten und Anlagenteile offene Schnittstellen haben, um von höherwertigen Engineering-Systemen, den IT-Systemen und auch MES, angesprochen werden zu können.“ Unter diesem Aspekt gewinnt für ihn OPC-UA künftig noch mehr Bedeutung, nämlich als offene Schnittstelle zum Vernetzen der Maschinen. Kraemer: „Vorausgesetzt es geht dabei nicht um Echtzeit.“

Flexibel sein in Sachen Feldbus

Wer als Anwender auf unternehmensspezifische Engineering-Software setzt, handelt sich damit nicht unbedingt mangelnde Flexibilität ein. Im Gegenteil, meint Dr.-Ing. Josef Papenfort, Product Manager Twincat bei Beckhoff. Die IEC 61131 ist bei Beckhoff gesetzt. Und: Josef Papenfort sieht Structured Text ebenso als Hochsprache an, wie C oder C++. „Wir bieten die Möglichkeit, alle Tools der IT-Welt zu nutzen.“ So erreiche man eine besonders hohe Flexibilität in Sachen Programmiersprache. Integraler Bestandteil des Engineering-Pakets sei zusätzlich die Flexibilität bei den Feldbussen. Anwender nämlich fordern in Sachen Feldbus besondere Flexibilität. Josef Papenfort sagt: „Wir bieten ein großes, mächtiges Paket, mit dem sich alle Aufgaben in der Automatisierung lösen lassen.“

Der Markt will Vielfalt bei den Feldbussen

Wer Feldbusse thematisiert, der muss damit rechnen, dass erloschen geglaubte Glut wieder aufflammt. Feldbusse, das zeigt das Gespräch, aber sind heute kein Thema mehr. Und: Als wenn es die Diskussionen um den einen, den richtigen Feldbus nie gegeben hätte, Automatisierer unterstützen heute mehr oder weniger fast alle Ausprägungen an Feldbussen. Auch wenn es den einen, allen anderen haushoch überlegenen Feldbus gegeben hätte, dieser hätte sich wohl nicht behauptet, und zwar aus einem ganz einfachen Grund, betont Hans Egermeier: „Es gibt unterschiedliche Anforderungen. Der Markt benötigt die Vielfalt“.

Aber mit Industrie 4.0 bietet sich eine zweite historische Chance für einen allgemein akzeptierten Kommunikationsweg. Für Holger Meyer macht es deshalb Sinn, dass sich die Branche auf OPC UA konzentriere, das Thema Echtzeit dabei einmal ausgeklammert. Sein Argument: Käme OPC UA von einem Unternehmen, gäbe es wahrscheinlich keine Akzeptanz im Markt. Meyer: „Mit einer unabhängigen Organisation, wie der OPC Foundation, aber ist eine breite Akzeptanz möglich.“

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