Fahrerlose Transportsysteme (FTS) Kontaktlose Energieübertragung macht FTS flexibel

Quelle: Pressemitteilung

Die kontaktlose Energieübertragung wird für fahrerlose Transportsysteme immer wichtiger. Dr. Hans Krattenmacher von SEW-Eurodrive erklärt, welches Konzept sich wofür eignet.

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Dr. Hans Krattenmacher, Geschäftsführer Innovation Mechatronik bei SEW-Eurodrive in Bruchsal, erlebte hautnah mit, wie die kontaktlose Energieübertragung für FTS ihren Anfang nahm und schließlich im Feld erste Erfolgsgeschichten schrieb.
Dr. Hans Krattenmacher, Geschäftsführer Innovation Mechatronik bei SEW-Eurodrive in Bruchsal, erlebte hautnah mit, wie die kontaktlose Energieübertragung für FTS ihren Anfang nahm und schließlich im Feld erste Erfolgsgeschichten schrieb.
(Bild: SEW)

Wo steht das kontaktlose Energieübertragungssystem Movitrans heute in der Industrie?

Dr. Hans Krattenmacher: Movitrans ist eine wichtige Infrastrukturkomponente für die Fabrikautomatisierung. Mit der kontaktlosen Energieübertragung bieten wir auf einfache Weise die energetische Flexibilität in der Infrastruktur für modulare Konzepte, die vor allem mit Fahrzeugen einhergehen. Dazu gehören Fahrerlose Transportsysteme, Automatic Guided Vehicles (AGVs) und mobile Assistenten, wie wir sie entwickeln und anbieten. Nach und nach werden sie die alten, starren Installationen ersetzen. Bei der Entwicklung haben wir den Fokus auf zwei verschiedene Arten der Energieübertragung gelegt: mit Movitrans Line auf Linienleitersysteme und Movitrans Spot auf Punktladesysteme.

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Wodurch unterscheiden sich beide Varianten?

Dr. Hans Krattenmacher: Movitrans Line ist für Applikationen gedacht, bei denen Fahrzeuge auf einem vordefinierten Weg entlang einer Spur geführt und dadurch permanent mit Energie versorgt werden. Mittels kleiner Energiespeicher kann diese Spur für kurzzeitige Abweichungen verlassen werden. Dadurch kommen die Fahrzeuge mit geringen Speicheraufwänden aus. Somit kann der Kunde sein mobiles System gewichts- und kostenoptimal aufbauen. Aber wir haben einen zunehmenden Wunsch nach mehrdimensionaler Freibeweglichkeit beobachtet. Fabriklayouts, bei denen ohne die Bindung an eine bestimmte Fahrstrecke gefahren werden soll, brauchen ein anderes Konzept.

Mit Movitrans Spot haben wir die energetische Voraussetzung für Freiraumlösungen geschaffen. Hier müssen größere Energiespeicher auf das Fahrzeug verlagert werden. Über Ladepunkte, sogenannte Spots – daher der Name – können die Fahrzeuge in kurzer Zeit ihre Energiespeicher schnell aufladen und dann frei im Raum navigieren. Allerdings ist hier die Situation aufgrund der autonomen Navigation noch etwas komplexer. In Werkshallen sieht man immer mehr Freiraumfahrzeuge als liniengeführte.

Für welche Einsatzgebiete über Fahrerlose Transportsysteme hinaus wurde Movitrans entwickelt?

Dr. Hans Krattenmacher: Der Schwerpunkt liegt klar auf der Fabrikautomatisierung. Movitrans bietet jedoch auch zahlreiche Vorteile in Einsatzfeldern, die nicht im klassischen Segment oder Zielmarkt von SEW-Eurodrive liegen, zum Beispiel in Freizeitparks mit bewegten Vergnügungsattraktionen. Gerade dort kann man keine Kabel hinter den Fahrzeugen herziehen. Mit Movitrans benötigt man keine Schleif- und Schleppleitungen, die neben dem Raumbedarf auch wartungsintensiv sind. Das kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern bedarf ausreichend ausgebildetes Personal auf dem heute schon sehr angespannten Fachkräftemarkt.

Wie erfolgen Installation und Inbetriebnahme?

Dr. Hans Krattenmacher: Movitrans lässt sich genauso komfortabel handhaben wie klassische Installationen. Wir optimierten das System konsequent auf Einfachheit – sowohl in der Installation als auch in der Inbetriebnahme. Früher haben wir tiefe Schlitze in Hallenböden gefräst, um Kabel zu verlegen. Heute verwenden wir z.B. optimierte Systeme auf der Basis von Keilleitern, mit denen nur noch ein reduzierter Eingriff in den Hallenboden stattfindet. Für Kunden, die nicht in den Hallenboden eingreifen oder diesen bearbeiten wollen, entwickelten wir ein Aufbodensystem: In Industriekunststoffböden, wie man sie auch aus dem Messebau kennt, wird das Movitrans-System Line oder Spot eingelassen. Der Kunde kann es schnell und einfach auf seinem Hallenboden verlegen und ist auch sehr flexibel, wenn er seine Installation irgendwann einmal anders lösen will.

Ein Linienleiter bringt durch die Installation eine Induktivität mit, die kompensiert werden muss. Hierfür brauchte man in der Vergangenheit spezielle Messeinrichtungen. Jetzt ist das einfacher: Wir haben eine kompakte, dezentrale Einspeiseelektronik und eine Feinkompensationsbox entwickelt, die die Induktivität automatisch ausmessen und mit wenigen Handgriffen kompensieren kann. Diese Technik ist in die Movitrans-Lösung integriert. Auch die Tools für Planung und Inbetriebnahme wurden erheblich ausgebaut. Das gesamte System lässt sich sehr einfach bedienen.

Wie berücksichtigen Sie regionale Unterschiede?

Dr. Hans Krattenmacher: Movitrans lässt sich an verschiedene Spannungssysteme anschließen und kann grundsätzlich überall eingesetzt werden. Die energetische Infrastruktur unterliegt weltweit einer Normung, die einerseits vereinheitlicht ist, aber andererseits regional große Unterschiede aufweisen kann. In den USA braucht man UL-Abnahmen (Underwriters Laboratories). Darüber hinaus sind bei allen Systemen, die elektromagnetische Felder erzeugen, ebenfalls Normen bezüglich der elektromagnetischen Feldstärken einzuhalten. Auch hier gibt es regionale Unterschiede.

Wir wollen die
Fabrik nicht nur über die Kommunikation automatisieren, sondern auch energetisch vernetzen.

Dr. Hans Krattenmacher

Was sind Ihre Ziele für die nächste Dekade?

Dr. Hans Krattenmacher: Wir richten uns auf die Zukunft aus und wollen die Fabriken nicht nur gemäß der Industrie 4.0 über die Kommunikation automatisieren, sondern auch energetisch vernetzen. Das eine geht mit dem anderen einher. Deshalb werden wir auch bei der Kommunikationsübertragung neben dem bekannten System noch vielfältige neue Lösungen schaffen.

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In unserem im Gesamtportfolio setzen wir mit dem Automatisierungsbaukasten Movi-C die Integration aller Komponenten weiter fort. Dazu gehört auch das Einbinden in vernetzte Systeme, denn so lassen sich Energie und Leistung insgesamt besser managen. Hierfür werden wir in den nächsten zehn Jahren unser Produktportfolio digitalisieren. Produkte und Lösungen gestalten wir so, dass sie in der vertikalen Digitalisierung voll umfänglich einsetzbar sind.

Was unterscheidet SEW-Eurodrive von anderen Anbietern?

Dr. Hans Krattenmacher: Mit Movitrans haben wir ein System, das für alle Anwendungsfelder perfekt aufeinander abgestimmt ist, von der Installation über die Inbetriebnahme bis zum Betrieb. Die Werte, die wir unseren Kunden mit den Standardprodukten anbieten, haben wir auch auf Movitrans übertragen. Der Kunde kauft bei uns nicht nur ein Produkt oder eine Dienstleistung, nicht nur innovative Funktionen, sondern ein Komplettpaket einschließlich der zugehörigen Sicherheit.

Wir betreuen unsere Kunden umfassend: Wir helfen ihnen bereits bei der Auslegung, das richtige Installationssystem und die richtigen Geräte für seine Anforderungen auszuwählen. Im Movitrans-Portfolio findet man alles, was man braucht – immer in hochwertiger Qualität und alles weltweit verfügbar. Wir haben kompetentes Personal, das zu jeder Zeit helfen und unterstützen kann. Wenn etwas nicht funktioniert, dann wissen die Kunden, sie können 24 Stunden am Tag bei SEW-Eurodrive anrufen und bekommen kompetente Hilfe.

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