Positionssensoren

Posital Fraba: Wo Spielfreude im Drehgeber steckt

| Autor: Karin Pfeiffer

Achtschönste Fabrik der Welt - und die Form folgt der Funktion: In Slubice realisiert Posital Fraba für sein Drehgeber-Geschäft die digitale Produktion mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell.
Achtschönste Fabrik der Welt - und die Form folgt der Funktion: In Slubice realisiert Posital Fraba für sein Drehgeber-Geschäft die digitale Produktion mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell. (Bild: Posital Fraba)

Was manche womöglich an die Tschakka-Fraktion erinnert, ist bei Posital Fraba ein höchst funktionelles Managementprinzip: Spielfreude macht die Montageteams in der digitalen Produktion Slubice zu Leistungsträgern und ermöglicht neue Geschäftsmodelle.

Gut eine Stunde Autofahrt entfernt von Berlin, auf der polnischen Seite der Oder-Grenzregion, steht die laut Betterbuys architektonisch achtschönste Fabrik der Welt: Hier im kreisrunden digitalisierten Werk realisiert Fraba Posital Losgröße 1 im Drehgeber-Geschäft. Nicht nur, weil hier die angelernten Kräfte pro Stunde einiges weniger kosten als der klassische Facharbeiter in Deutschland für die Handfertigung der Antriebskomponenten meist locker verlangen kann.

Der Standort Slubice gehört zu einem Geschäftsmodell samt ungewöhnlichem Managementansatz, das dem traditionellen Mittelständler aus Köln zu dem Markt mit den klassischen optischen Drehgebern und Neigungssensoren nun neue Geschäftsfelder erschließen soll: Magnetik, Motor-Feedback, Motion Control und vor allem die kundenspezifische Fertigung hochpräziser Drehgeber – digitalisierte Mass Customization nach einem modular aufgebauten Baukastenprinzip. Die polnischen Montageteams können mehr als eine Million Drehgeber-Varianten und Neigungssensoren fertigen, die sich über logische Verknüpfungen aus rund 3.000 im System erfassten Bauteilen generieren lassen.

„Wer Mass Customization mit Losgröße 1 aufbaut, muss sich von alten Abläufen lösen“, erklärt Christian Leeser, Vorstand der Fraba und Industrie-4.0-Earlybird. Da wird der digitalisierte Katalog zum Kernelement. Das Online-Portal funktioniert nicht nur als strukturiertes Schaufenster auf das Sortiment, sondern baut bei Auftragseingang gleichzeitig auch die Wertschöpfungskette des Drehgeber-Geschäfts über die firmeneigene Cloud der Fraba-Gruppe auf. Hieran knüpfen sich sämtliche Fertigungsprozesse und auch jene Analogien zur Biologie, aus denen Leeser für seinen Managementansatz kräftig schöpft.

Drehgeberfertigung: Skalieren nach biologischem Muster

„Wir haben uns ein neues organisatorisches Modell überlegt, angelehnt an biologische Muster“, erläutert der ehemalige McKinsey-Berater Christian Leeser. „Die Frage, die mein Bruder Achim und ich schon lange diskutiert hatten, war: Wie lassen sich Prozesse generieren, die nicht von der Struktur der Organisation abhängig sind?“ Jede Zelle in unserem Körper könne dies, verfüge über alles an Informationen, DNA & Co., auch wenn sie nicht alles benutze. „Unsere Grundidee für die Organisation war: Sie basiert auf Zellen, die jede Aufgabe übernehmen könnten, weil wir gewissermaßen in unserer Firmen-DNA alles verankern, was es dafür braucht.“

Mit diesem Ansatz lassen sich Kapazitäten einfach skalieren: Zergliederte und digital unterlegte Fertigungsschritte machen aus ungelernten Mitarbeitern selbstständig agierende Teams – informiert und gesteuert per Tablet. Und baulich werden bei Bedarf einfach neue Fertigungszellen aufgebaut. Der Grundgedanke Flexibilität steckt auch in der Architektur des Werks in Slubice, meint Leeser. Vor zehn Jahren lief der Betrieb hier mit einer Handvoll Leuten an, heute sind es inklusive Zeitarbeitern rund 130 Mitarbeiter.

Allen gemeinsam sein soll der Spaß an der Arbeit, damit dieser für mehr als 100 Prozent Leistungsfähigkeit sorgt. „Spielfreude“, nennt Leeser, was in der Firmenphilosophie als ein wichtiger Eckpfeiler des Geschäftsmodells gilt und vermutlich gelebt werden muss, um alle Perspektiven zu erfassen. Grob skizziert haben die Leeser-Brüder ein Wertesystem formuliert, das als Koordinatenkreuz für alle Entscheidungen fungiert: Kompetenz verpflichtet bei Fraba Posital jeden, der über Know-how zu einem Thema verfügt, auch Entscheidungen zu treffen. Nicht nach dem Hackordnungs-Prinzip, sondern Kraft seiner Expertise oder seiner Kreativität.

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