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Ausblick Roboter – Zentrum der Produktion?

Autor: Karin Pfeiffer

Nur eine These, aber wenn Roboter digital werden: Könnte der Roboter womöglich in Zukunft tatsächlich zur Zentrale im Produktionsnetz werden? Und kann er, um klein anzufangen, vielleicht eine Zelle steuern? Wir haben Experten gefragt und – je nach Perspektive – ganz unterschiedliche Einschätzungen erhalten. Aber lesen Sie selbst:

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Ob sich der Roboter in Zukunft zur Zentrale im Produktionsnetz entwickelt – dazu herrscht ein differenziertes Meinungsbild.
Ob sich der Roboter in Zukunft zur Zentrale im Produktionsnetz entwickelt – dazu herrscht ein differenziertes Meinungsbild.
(Bild: Kuka Group)

Dr. Werner Kraus, Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA:

„Ob die Produktion zentral oder dezentral in den Robotern gesteuert wird, gleicht einer philosophischen Frage, die selbst führende OEMs im Automotive-Markt heute unterschiedlich beantworten. So setzt BMW bei der Strategie für die fahrerlosen Transportfahrzeuge auf eine hohe verteilte Intelligenz in den Robotern, während Daimler die Intelligenz zentral bündelt.

An der Antwort auf die Frage, an welcher Stelle in der IT-Architektur welche Algorithmen in puncto Echtzeitfähigkeit, Deployment und Wartbarkeit am besten aufgehoben sind, arbeiten derzeit auch rund 50 Partner aus Forschung und Industrie in dem vom BMWi geförderten Verbundprojekt FabOS.“

Dr. Christian Liedtke, Experte für strategische Allianzen und Digitalisierung bei Kuka:

Der Roboter wird dann eine zentrale Rolle übernehmen, wenn er die Orchestrierung in einer Zelle übernimmt, zum Beispiel dann, wenn er in der Mitte zwischen vier Werkzeugmaschinen deren Beladung übernimmt. In der Karobaulinie wird sich vermutlich nicht viel ändern, da der Roboter nach wie vor eine zentrale Fertigungsressource ist, jedoch durch die Digitalisierung aber keine anderen Funktionen übernehmen wird. Roboter sind dabei immer die flexibelste Form der Automatisierung und fungieren als Bindeglied zwischen der Informations-Technologie und der Operations-Technology, also zwischen der IT- und der OT-Welt. Das Ziel ist immer, Prozesse zu optimieren.“

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Kai Kohler, Global Key Account Manager Zimmer Group:

„Tatsächlich besteht der Wunsch, Roboter-Controller auch immer mehr zur Ansteuerung von Peripheriegeräten wie EOAT (End-of-Arm-Tooling) zu verwenden. Speziell bei klassischen Pick & Place-Anwendungen, bei denen neben Roboter und End-Effektor nur begrenzt andere Teilnehmer erforderlich sind. Bei komplexeren Anwendungen steht als zentrales Steuerungselement nach wie vor die SPS im Vordergrund, der Roboter-Controller übernimmt dann seinen ursprünglichen Einsatzzweck, d.h. die optimale Bahnplanung und die entsprechende Performance des Roboters.“

Helmut Schmid, Geschäftsführer Universal Robots (Germany):

„Ich glaube, dass herkömmliche Industrieroboter in einem Produktionsumfeld immer nur eine Komponenten bleiben werden. Sicherlich werden sie über eine zunehmend digitale Integrierung irgendwann größere Einheiten, zum Beispiel Anlagen, mitsteuern können. Ich sehe Roboter aber nicht als die in Zukunft übergeordnete Steuereinheit. Diese Funktion übernehmen andere, übergelagerte Systeme – z.B. SPS-Steuerungen, OPC UA-Schnittstellen oder Cloud-Lösungen.

Verlassen wir die klassische Industrierobotik und wenden uns der spezifischeren Mensch-Roboter-Kollaboration zu, sieht die Sache anders aus. Dort haben wir es mit kleineren Automatisierungslösungen zu tun. Dort könnte der Roboter zukünftig die zentrale Steuerung sein. Man muss also unterschieden zwischen der Industrieautomatisierung, wo große Industrieroboter zum Einsatz kommen, und der Leichtbaurobotik, die in Zusammenarbeit mit Menschen agiert.“

(ID:46562045)

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 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin