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Energiemanagement für die Industrie

So identifizieren Sie ein geeignetes Energiemanagementsystem

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Energie automatisiert auswerten und überwachen

Energiemanagement lebt von Kennzahlen wie KPIs oder ENPIs. Mit dem Zugriff auf die Prozessinformationen können einfach Kennzahlen berechnet werden. Als Beispiel ein Vergleich: Der Tagesverbrauch eines Fahrzeugs ist als Auswertekriterium wenig hilfreich. Der spezifische Verbrauch auf 100 km dagegen schon. Verfeinerungen sind mit Einbeziehen der Durchschnittsgeschwindigkeit oder der Nutzlast möglich. Neben dem Verbrauch sind dazu Geschwindigkeit, Gewicht und der Produktbezug notwendig. Auf Basis der KPIs ist anschließend auch eine einfache automatisierte Überwachung auf Grenzwerte möglich. Diese sollte zeitabhängige Grenzwerte unterstützen und auch über eine Kalenderfunktion, abhängig vom Produktionsplan oder von Wartungsschichten, gemacht werden können. Um ein direktes Monitoring mit Feedback in die Prozessanlage zu ermöglichen, sollte das EnMS auch mit einer grafischen Oberfläche ausgestattet sein. Diese sollte als Website innerhalb der Produktion dargestellt werden können und erlaubt damit eine Rückkopplung der energetischen Fahrweise an die Anlagenfahrer. Alternativ können in Echtzeit vom EnMS berechnete KPIs in die Prozesssteuerungen rückgekoppelt werden. Automatisierte Reports sind Standard und dienen dem klassischen Reporting. Doch für die Analyse von Prozessen und deren Energieeffizienz wird weit mehr benötigt. Hierbei sollten folgende Möglichkeiten verfügbar sein:

Energiemanagementsystem mit Echtzeitanzeige

  • Kurvendiagramme mit der Möglichkeit, beliebig viele Messwerte und Zustandsinformationen mit mehreren Skalen und beliebigen Zeitbereichen. Dabei sollten in einem Diagramm auch Messwerte zweier verschiedener Zeitbereiche miteinander verglichen werden können. Die Kommentierung von auffälligen Kurvenverläufen sollte ebenfalls möglich sein.
  • Sankeys für die Darstellung der Energieverteilung. Dazu muss der Energiefluss modelliert und es sollten nicht gemessene Energieflüsse mit kalkulierten Werten angenähert werden können.
  • Heatmaps für die Darstellung der zeitlichen Verteilung von Leistungen. Damit können schnell Leistungsspitzen über Farbcodes erkannt werden.

Alle Arten der Darstellung sollten in individuellen Profilen speicherbar sein und zu Cockpits kombiniert werden können.

Die Zahl der am Markt verfügbaren EnMS-Systeme ist schwer überschaubar. Alleine die BaFa-Liste der relevanten Systeme lag zum 1. Januar 2018 bei 222. Die Freigabe für die Aufnahme in diese Liste wird auf Basis einer Selbstauskunft vorgenommen und stellt daher kein Qualitätsmerkmal dar. Schon aussagekräftiger ist die Zertifizierung durch eine anerkannte Gesellschaft, wie dem TÜV. Viele Systeme benötigen proprietäre Messtechnik und sind daher bedingt flexibel erweiterbar und für die Erfassung von Informationen aus Prozess- oder Maschinensteuerungen geeignet. Oft wird bei der Systemauswahl auf die Kosten für eine erste Ausbaustufe geachtet und damit ein kostengünstiges, aber wenig ausbaufähiges System gewählt. Die höheren Kosten für ein Energiemanagement entstehen während des Betriebs (TCO). Hier wirkt sich jede gesparte Stunde des Teams auf die Kosten aus.

* *Achim Schreck, Geschäftsführer, GTI-Control

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