Sicherheitsschalter So schützt Sicherheitstechnik vor Tiger-Attacken im Zoo

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Raubkatzen und allen voran Tiger und Löwen sind die Attraktion vieler Zoos. Erfahrene Pfleger kümmern sich um den artgerechten Umgang mit den Tieren und die Zoos sorgen für ihre sichere Unterbringung. Leider kommt es jedoch immer wieder zu Unfällen. Bessere Technik soll menschliches Versagen verhindern.

Firmen zum Thema

Sicherheitstechnik, wie sie in der Industrie längst eingeführt ist, könnte die Situation auch in Zoos verbessern. Das zeigt das Beispiel eines Sicherheitsschalters, der an einem Tigergehege im Allwetter-Zoo Münster installiert wurde.
Sicherheitstechnik, wie sie in der Industrie längst eingeführt ist, könnte die Situation auch in Zoos verbessern. Das zeigt das Beispiel eines Sicherheitsschalters, der an einem Tigergehege im Allwetter-Zoo Münster installiert wurde.
(Bild: Euchner)

Die Zahl tödlicher Unfälle in deutschen Zoos ist nicht hoch, die Auswirkungen sind jedoch katastrophal. Meist ist Unachtsamkeit des Personals die Ursache, wie sich auch in Münster zeigte, als vor einiger Zeit ein Sibirischer Tiger einen Pfleger tötete. Im Kölner Zoo hatte eine Pflegerin vergessen, einen Tiger vor der Reinigung des Geheges einzusperren. In einem Berliner Tierpark wurde eine Pflegerin von einem Moschusochsen erdrückt; auch sie hatte vergessen die Gehegetür zu schließen.

Der Allwetter-Zoo Münster hat daraus seine Konsequenzen gezogen und begonnen, die Gehege mit leistungsfähiger Sicherheitstechnik auszurüsten, so wie sie in der Industrie längst verbreitet ist. Der Einsatz des Systems könnte dabei Schule machen und ein Beispiel für andere Bereiche im Zoo sowie für andere Zoos sein. Deshalb initiierte der Zoo, die Bezirksregierung in Münster als zuständige Aufsichtsbehörde und die Berufsgenossenschaft ein Sicherheitssystem, das später auch an weiteren Gehegen zum Einsatz kommen soll.

Bildergalerie

Sicherheitsschalter: perfekt für den Personenschutz

Es basiert auf dem Sicherheitsschalter CET von Euchner, der in verschiedenen Ausführungen verfügbar ist und neben einem elektronisch codierten Betätiger auch eine mechanische Zuhaltung umfasst. Normalerweise findet der CET Anwendung bei der Absicherung von Schutztüren an Maschinen und Anlagen. Durch die Zuhaltefunktion mit Zuhaltungsüberwachung ist er perfekt im Personenschutz verwendbar. Sein äußerst robustes Metallgehäuse ermöglicht den Einsatz unter rauesten Umgebungsbedingungen. Er erreicht eine Zuhaltekraft von 6500 N; eine Eigenschaft, die besonders bei großen und schweren Türen von Vorteil ist.

Verriegelte Tiger-Türen für mehr Schutz

Im Allwetter-Zoo Münster kommt der Sicherheitsschalter nun zur Absicherung des Tigergeheges zum Einsatz. Eine elektrohydraulische Schließanlage zwingt den Tierpfleger zu einem systematischen Vorgehen, bevor er den Käfig oder das Außengehege betreten kann. Der Zugang zu den einzelnen Bereichen ist nur über eine Schleuse möglich, deren Zugänge gegeneinander verriegelt sind.

Die sichere Funktion dieser Verriegelungen wiederum wird von jeweils einem Sicherheitsschalter CET gewährleistet. Diese befinden sich in der Schleuse und vor der Tür, die in das Außengehege führt; die gesamte Anlage wird von einer SPS gesteuert. Mit dieser Sicherheitstechnik konnte der Schutz der Mitarbeiter auf ein deutlich höheres Niveau angehoben werden.

Um die Freianlage betreten zu können, locken die Mitarbeiter die Tiere in die Innengehege. Dann ist mit dem sogenannten Revierschlüssel die Betätigung der Sicherungsanlage möglich. In der Schleuse und vor der Tür, die in das Außengehege führt, befindet sich ein Schließriegel mit dem Sicherheitsschalter, der sich nur öffnen lässt, wenn alle anderen geschlossen sind. Durch das Schließen wird in einem Zylinder Druck aufgebaut. Ausreichender Druck erzeugt einen Impuls, der auch die optische Anzeige des Verriegelungszustandes anzeigt: Grün bedeutet Freigabe. Sind die Anzeigen für beide Schieber grün, kann die mit dem CET abgesicherte Tür nach draußen mit einem Schlüssel freigegeben und geöffnet werden.

Zusätzlich muss der Tierpfleger sich über einen Monitor versichern, dass beide Tiger tatsächlich in den Innenanlagen und die Schieber geschlossen sind.

Es gibt nur einen Revierschlüssel, damit nicht ein zweiter Pfleger versehentlich die Tür öffnen kann. Der Mitarbeiter, der die Anlage reinigt, trägt den Schlüssel bei sich. Im Notfall können mittels Schlüsselschalter die Sicherheitsfunktionen der Anlage außer Betrieb gesetzt werden.

(ID:43255624)