Steuerung

So sorgt ein Multifunktionscontroller für die richtige Putz-Mischung

| Autor / Redakteur: Uwe Glockmann* / Ines Stotz

Stucco Pompeji bietet Putze in verschiedensten Farben und Körnungen an.
Stucco Pompeji bietet Putze in verschiedensten Farben und Körnungen an. (Bild: Hesch)

Individuelle Ablaufsteuerungen für industrielle Prozesse ließen sich bisher nur mithilfe einer teuren SPS erstellen. Ein Deko-Putz-Hersteller verwendet eine kostengünstige Alternative.

Für die Gestaltung von Wänden begeistert sich Unternehmensgründer Lothar Hechler schon seit seiner Kindheit. Sein Opa und Uropa waren Maurer und nahmen ihn mit auf Baustellen, um ihm den Umgang mit ihrem Handwerkszeug beizubringen. Das Interesse war schnell geweckt und Hechler absolvierte eine klassische Malerausbildung. Während einer Tätigkeit als Restaurator entdeckt er dann seine Liebe zu antiken Maltechniken und macht sich 1995 selbständig, um die Wände von Privathäusern, Schwimmbädern und Gaststätten zu veredeln.

Hechler entwickelt eigene Putze und Farben

Damals arbeitet Hechler noch mit Fremdmaterialien, hat aber bereits die Idee, Putze und Farben selbst herzustellen. In siebenjähriger mühsamer Detailarbeit entwickelt er einen mit Pigmenten durchgefärbten polierbaren Marmor-Putz, den er sich patentieren lässt.

2002 läuft die Fertigung an – damals noch in erster Linie für seine eigenen Aufträge. Da sich die hohe Qualität seiner Produkte herumspricht, verkauft Hechler aber schon bald immer größere Mengen über Vertriebspartner an Endkunden. Das hat viele Vorteile, aber auch einen großen Nachteil: „Unsere Kunden wussten gar nicht, wer eigentlich hinter den Waren steht, die sie beziehen.“ Hechler und seine Familie wollen das ändern und gründen deshalb 2008 das Unternehmen Stucco Pompeji, das neben der Produktion auch den Vertrieb der Produkte übernimmt. Der Name leitet sich vom antiken Pompeji ab, in dem wohlhabenden Römer ihre Villen und Paläste mit einem glatten, marmorähnlichen Putz schmückten. Dieses mediterrane Lebensgefühl möchte Lothar Hechler auch seinen Kunden bieten.

Automatisierung stellt das Unternehmen vor eine Herausforderung

Anfangs reichen für die Herstellung der Putze und Farben kleine Kübel-Mischer aus, die mit der Hand bedient werden. In ihnen werden die verschiedenen Komponenten in genau definierten Gewichtsanteilen zusammengerührt. Durch die steigende Nachfrage wächst allerdings die Produktionsmenge stark an und es müssen größere Mischanlagen her. Damit kommt auf das Unternehmen auch eine grundsätzliche Entscheidung zu: Wenn die neuen Mischer effizient laufen sollen, geht das nur über eine Automatisierung. „Ich habe zusammen mit einem Elektriker eine Steuerung gebastelt, die aber ziemlich kompliziert ist und sich auch nur schwer erweitern lässt“, berichtet der umtriebige Unternehmer. Der Eigenbau ist zwar heute noch im Einsatz – aber nur an einem kleinen Mischer.

MFC von Hesch ist die passende Lösung

Als ihm klar wird, dass dies nicht die optimale Lösung ist, recherchiert Hechler im Internet. Zunächst mit wenig Erfolg: „Da gab es leider nur Geräte, die mehrere tausend Euro kosten.“ Durch Zufall entdeckt er dann den Multifunktionscontroller HE 5697 MFC von Hesch, der preislich attraktiver ist und einen großen Funktionsumfang bietet. „Ich dachte mir, das könnte was sein, das könnte für meine Anwendung passen“, erinnert sich Hechler. Er bestellt den MFC und lässt ihn vom Hesch-Techniker Jens Hackmann installieren.

Der Multifunktionscontroller ist eine moderne Steuerung, die sich nicht nur für die Temperaturregelung, sondern auch für die Steuerung komplexer Abläufe in der Prozessindustrie eignet. Die Ingenieure und Elektroniker von Hesch haben sie so aufgebaut, wie Verfahrenstechniker denken: In Funktionsblöcken. Per Drag & Drop kann der Anwender vorgefertigte Funktionsbausteine am PC mit der mitgelieferten Software EasyTool MFC zum gewünschten Prozessablauf zusammenstellen und verdrahten. Er braucht dabei keinerlei Programmierkenntnisse und ist deshalb nicht auf teure externe Programmierer angewiesen. Ergeben sich Änderungen im Prozess, lässt sich die Steuerung kostenneutral anpassen und weiterentwickeln.

Einfache Bedienung, schnelle Erweiterung

„Das Erstellen einer Ablaufsteuerung ist mit dem MFC so einfach wie das Zusammenstecken von Spielzeugbausteinen“, sagt Hesch-Geschäftsführer Werner Brandis. Der MFC ist für fast alle Prozesse und Anforderungen mit den passenden Funktionsbibliotheken ausgestattet und deshalb für den Einsatz in Kesselregelungen und Öfen ebenso erste Wahl wie für die Verwendung als Dosier-, Pumpen- oder Anlagensteuerung.

Herzstück ist eine sparsame und dennoch leistungsfähige CPU (ARM Cortex A8), außerdem verfügt der Controller über eine netzausfallgepufferte Echtzeituhr sowie über einen internen Speicher für Logdaten mit einer Kapazität von 2 GB. Er kann über Profinet-, Profibus-, Modbus-, CAN-Bus- und HPR-Bus-Schnittstellen kommunizieren, auf Anfrage ist auch die Bedienung weiterer Protokolle möglich.

Lothar Hechler überzeugte neben dem großen Funktionsumfang und dem günstigen Preis vor allem die intuitive Handhabung des Controllers und die einfache Erweiterung. Die Bedienung erfolgt über ein resistives 3,5"-Display mit einer Auflösung von 320 x 240 QVGA, an dessen Frontseite sich vier frei programmierbare Funktionstasten und zwei LEDs für Zustandsanzeigen befinden. Für den sicheren Datentransfer steht ein galvanisch getrennter Mikro-USB-Port zur Verfügung.

Service: Extra-Steuerkasten plus Waage

Der MFC steuert bei Stucco Pompeji nicht nur die Mischzeit, er misst mithilfe einer Waage auch die Mengen der einzelnen Komponenten ab. Nach dem Wiegen startet der Controller automatisch den Abfüllvorgang und sorgt dafür, dass die Rotation der Förderschnecke langsam ausläuft, wenn der Sack voll ist.

Mit dem Service von Hesch ist der Unternehmer zufrieden: „Sie haben mir nicht nur die Bestandteile der Waage besorgt, sondern auch einen großen Schaltschrank gebaut“, berichtet Hechler. Das war nötig, weil der MFC Mischer-Motoren mit einer Leistung von 320 V steuern können muss, ein Standard-Schaltschrank aber nur 12 V Leistung hat. „Mein Elektriker und ich hätten sonst Relais und Schrank selber bauen müssen, das war schon eine große Erleichterung.“

Flexibel und schnell zur Stelle ist Hesch auch, wenn Lothar Hechler eine neue Funktion für seinen MFC braucht. „Ich nenne den Mitarbeitern mein Problem und sie schicken mir den passenden Funktionsbaustein per E-Mail, zusammen mit einem Software-Sicherheitsschlüssel. Dann brauche ich nur in die Produktionshalle zu gehen, meinen Laptop an die Steuerung anzuschließen und schon ist der neue Baustein funktionsfähig.“ Wenn Hechler ihn vor der Live-Schaltung erst testen möchte, ist das dank der Simulationsfunktion des MFC ganz einfach möglich.

Produktionsprozesse laufen optimal

Leicht zu erweitern sind auch die I/O-Karten des MFC mit ihren jeweils zwei Universal- und Normsignaleingängen, Analogausgängen sowie sechs Digitalanschlüssen. Mit den HIMOD-Modulen können sie lokal oder zentral um verschiedene Funktionen oder Sensoren ergänzt werden. Bei Stucco Pompeji ist das allerdings erst einmal nicht nötig. Die letzte Erweiterung, die man sich von Hesch hat „einbauen“ lassen, war ein individuell einstellbares Zeitfenster für die Mischzeit. „Jetzt läuft erst einmal alles“, sagt Lothar Hechler und wirkt dabei sehr zufrieden.

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23.01.18 - Die Magnetventilsteuerung HE 5712 von Hesch ist jetzt auch in einer modularen Ausführung erhältlich. Das Bedienpanel kann bei dieser Variante bis zu 100 m von der Steuereinheit entfernt montiert werden, so dass es im Sichtbereich des Anwenders ist. Die Steuereinheit mit ihren Anschlüssen bleibt nah an den Ventilen, wodurch sich der Verkabelungsaufwand reduziert. Zudem wurde das Gehäuse der bisherigen "kompakten" Version verändert: Es lässt sich nun schraubenlos öffnen und damit schneller montieren. lesen

* Uwe Glockmann, Vertriebsleiter, Hesch Industrie-Elektronik

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