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Kabel Wasserbatterie für die Energiewende

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Ende Dezember ging im schwäbischen Gaildorf eine bahnbrechende Anlage zur Energiegewinnung in Betrieb: Windräder in Kombination mit Pumpspeichertechnik. Mit dieser Wasserbatterie will der Baukonzern Max Bögl Maßstäbe für die Energiewende setzen. Für die Verkabelung sorgt die Lapp Gruppe.

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Die höchste Windkraftanlage der Welt speist seit Dezember 2017 grünen Strom ins deutsche Stromnetz ein.
Die höchste Windkraftanlage der Welt speist seit Dezember 2017 grünen Strom ins deutsche Stromnetz ein.
(Bild: Lapp)

Schon der Anblick des Projekts in den Limpurger Bergen ist spektakulär. Eines der insgesamt vier Windräder ist derzeit das höchste der Welt. Seine Nabe liegt auf 178 m, die Spitze des Rotors reicht bis in 246,5 m Höhe, dank des Hybridturms aus Beton (unten) und Stahl (oben). Schließlich zählt jeder Meter, denn das steigert den Energieertrag. Das Windrad wandelt die Kraft des Windes in 3,4 MW elektrische Leistung um. Es soll mehr als 10 GWh Energie pro Jahr erzeugen und so etwa 2500 Vier-Personen-Haushalte versorgen. Die anderen drei Windräder, die in Abständen von wenigen hundert Metern wie Spaliere auf dem Berg stehen und nur wenige Meter niedriger sind, sind baugleich und liefern die gleiche Leistung und Energie.

Auch optisch sehen die riesigen Türme anders aus, als herkömmliche Windkraftanlagen. Der untere Teil hat einen deutlich größeren Durchmesser als der obere Teil des Turmes und steht in einem gigantischen runden Becken. Bei überschüssigem Windstrom oder Strom im Netz wird mit dieser elektrischen Energie Wasser in die Höhe und in diese beiden Behälter gepumpt. Wird Strom im Netz knapp, fällt das Wasser 200 m tief ins Tal und treibt drei Turbinen von Voith an. Wie bei einem Pumpspeicherkraftwerk, allerdings sind hier Pumpspeicher und Windkraftanlage in einem Bauwerk vereint. In den Sockel des Windrads – das Aktivbecken – passen jeweils 7.100 m3 Wasser, und mit seinen 40 m liefert er willkommene Extrahöhenmeter. In das große Außenbecken, Passivbecken genannt, passen noch einmal 43.000 m3. Beim Betonbau kommen Materialien und Montagetechniken zum Einsatz, die in dieser Kombination weltweit noch nie verwendet wurden. „Die Montage halten wir geheim“, sagt Bauleiter Markus Meyer.