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Profinet-basierte Steuerungstechnik

Baukasten macht Bohranlagenbau effizienter

| Autor/ Redakteur: Carsten Schmidt, Armin Döberl, Andreas Meindl / Ines Stotz

Ein mittelständisches Unternehmen aus Niederbayern beweist mit einem neuartigen Konzept, dass sich Bohranlagen für Off-Shore-Plattformen einfach aus einzelnen Modulen zusammenstellen lassen – gewissermaßen nach dem Baukastenprinzip. Ein Vorteil ist, dass sie schnell aufgebaut und einsatzfähig sind. Aber ebenso viel versprechend sind die „inaktiven“ Plattformen, die aus ökologischen Gründen in den kommenden Jahrzehnten rückgebaut werden müssen – und die auch von einem solchen Bohranlagen-Baukasten profitieren können.

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Keines der Module der Bohranlage von Max Streicher (hier Pumpen-, Tank- und Reinigungsmodul übereinander) wiegt mehr als 11 Tonnen. Deshalb kann die gesamte Anlage mithilfe des Plattformkrans vom Transportschiff abgeladen und aufgebaut werden. Das spart Zeit und Geld. Bilder: Siemens
Keines der Module der Bohranlage von Max Streicher (hier Pumpen-, Tank- und Reinigungsmodul übereinander) wiegt mehr als 11 Tonnen. Deshalb kann die gesamte Anlage mithilfe des Plattformkrans vom Transportschiff abgeladen und aufgebaut werden. Das spart Zeit und Geld. Bilder: Siemens
( Archiv: Vogel Business Media )

Als mittelständisch geprägte Firma bietet die Streicher-Gruppe im niederbayrischen Deggendorf seit hundert Jahren ein breites Portfolio an innovativen Lösungen im Tiefbau, Maschinenbau und Anlagenbau. Vom Straßenbau bis zur Entwicklung und dem Bau kompletter Bohrtürme erstreckt sich die Vielseitigkeit des 2700 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Rupert Köckeis, Abteilungsleiter bei der Firma Max Streicher, erklärt: „Wir sehen neue Geschäftsfelder stets als Chance, unser Know-how in neuen Märkten zu etablieren.“

Rupert Köckeis (l.), Abteilungsleiter bei Max Streicher und sein Kollege Hans-Peter Murr (r.) aus der Automatisierungstechnik, vor der Drillerkabine: „Mit dem Steuerungs-Systembaukasten von Siemens war es für uns einfach, die Komplexität einer Bohranlage auf ein vernünftiges Maß zu bringen und damit unsere Modularisierung durchzuführen.“ (Archiv: Vogel Business Media)

Im Zuge einer Firmenübernahme stieg das Unternehmen im Jahr 2003 in das Geschäft mit Bohranlagen ein – zuerst horizontal, später dann auch vertikal. So entstand die Grundlage für die jüngste Entwicklung von Streicher, nämlich ein modular aufgebauter Bohrturm für Off-Shore-Bohrinseln. Der große Vorteil dabei ist, dass die komplette Bohranlage in kurzer Zeit auf- und wieder abgebaut werden kann. Außerdem besitzt sie ein automatisches Pipe-Handling für das Zuführen, Verschrauben und Einbringen der Rohre, das die Arbeit auf See schneller, sicherer und effizienter macht. Das schont Ressourcen und erfüllt den Trend zu Green Automation, nämlich möglichst energieeffizienter Automatisierungslösungen.

Für Bohrgesellschaften sind die modularen Off-Shore-Bohranlagen in zweifacher Hinsicht interessant: Neben der Ausrüstung bei neuen Off-Shore-Bohrplattformen können sie auch bei Off-Shore-Anlagen zum Einsatz kommen, die sich nicht mehr in Betrieb befinden. Solche müssen rückgebaut werden, da sie im Laufe der Zeit durch ihren Verfall die Gewässer und die Schifffahrt negativ beeinträchtigen können. Dazu muss die Bohranlage funktionsfähig sein, was nach langem Stillstand nicht immer gegeben ist. In diesem Fall kann der Streicher-Bohrturm nach dem Entfernen der nicht mehr funktionsfähigen Bohranlagen als Ersatz aufgebaut und aufgrund seiner Modularität sehr schnell von Plattform zu Plattform „umgezogen“ werden. Rupert Köckeis betont: „In beiden Fällen genügt der Plattformkran, um die maximal elf Tonnen schweren Module an die richtige Position zu hieven.“ Das spart Zeit, Geld und dient dem Umweltschutz.

Standard- und Sicherheitstechnik auf der gleichen Plattform

Entscheidend für den Erfolg dieses Konzepts ist unter anderem auch das modular aufgebaute Steuerungssystem. Die Anlagenspezialisten entschieden sich für die fehlersicheren Simatic-Steuerungen von Siemens und rüsteten jedes Modul so mit einer eigenen Steuerung aus, dass sich die lokalen Steuerungen ohne großen Aufwand zur funktionsfähigen Gesamtsteuerung – inklusive Sicherheitstechnik – zusammenfügen lassen.

Die Kommunikation über Profinet plus Profisafe-Protokoll verbindet die insgesamt etwa 15 Simatic-Steuerungen schnell und sicher zum „Gehirn“ der Bohranlage. „Will man ein komplexes Gebilde wie eine Bohranlage vollkommen modular aufbauen, muss vor allem die Steuerungstechnik höchsten Ansprüchen genügen. Ein wichtiges Entscheidungskriterium war in diesem Zusammenhang, dass mit den S7-Steuerungen gleichzeitig Standard- und Sicherheitstechnik in derselben Hardware möglich ist“, erklärt Rupert Köckeis. Hier spart man sich die zusätzliche Installation und den Betrieb einer separat aufgebauten Sicherheitstechnik.

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