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Coronavirus Bei Lieferengpässen richtig reagieren

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Nicht nur Verbraucher fürchten das Coronavirus und neigen zu Hamsterkäufen, auch Unternehmen mit Zulieferern aus betroffenen Ländern versuchen nach Kräften, ihre Produktion am Laufen zu halten. Wie bei Lieferengpässen richtig reagiert werden kann, zeigt Prof. Lutz Kaufmann von der WHU.

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Was tun, wenn Zulieferer ausfallen?
Was tun, wenn Zulieferer ausfallen?
(Bild: © PRODUCTION PERIG - Perig MORISSE )

Stillstehende Maschinen bedeuten einen enormen finanziellen Schaden – so versuchen Unternehmen mit Zulieferern aus Asien, Italien und anderen betroffenen Ländern nach Kräften, ihre Produktion am Laufen zu halten.

Prof. Dr. Lutz Kaufmann, Lehrstuhlinhaber für Internationales Management und Beschaffung an der WHU – Otto Beisheim School of Management, zeigt am Beispiel der aus China stammenden Seltenen Erden verschiedene Möglichkeiten, auf Lieferprobleme zu reagieren.

Drei Ebenen, um Lieferengpässe zu bewältigen

Viele Unternehmen haben hocheffiziente Liefernetzwerke aufgebaut. Zulieferteile fließen in diesen Netzwerken mit ganz geringen Lagerbeständen, um so laufende Produkte kostengünstig anbieten zu können. In vielen Branchen liegt der Anteil der Einkaufskosten an den Gesamtkosten des Unternehmens bei zwei Dritteln und höher – beispielsweise in der Elektronik- und Automobilindustrie. Die engen Liefernetzwerke helfen allerdings auch, neue Produkte möglichst rasch in bester Qualität anbieten zu können.

Der Corona-Virus hat jedoch Löcher in viele dieser Liefernetzwerke geschnitten. Gerade Unternehmen, deren Produkte Teile enthalten, die in Ländern wie China hergestellt werden, sind aktuell massiv gefordert, diese Löcher zu stopfen. Und natürlich geht es dabei nicht nur um direkt von dort bezogene Waren, sondern auch um Vorprodukte, die wieder die eigenen Lieferanten benötigen – Es gilt also, ein durchaus mehrstufiges, Supply-Chain-weites Problem zu bewältigen.

Die WHU hat drei Ebenen definiert, in denen Unternehmen denken und handeln müssen:

  • Ebene 1 ist die Individualebene: Jedes Unternehmen, sei es Abnehmer oder Lieferant, muss versuchen, über seine eigenen Prozesse die Probleme zu bewältigen. So werden Lagerbestände genutzt oder Produkte per Luft- statt per Seefracht transportiert. Oder der Abnehmer sucht sich neue Lieferanten.
  • Ebene 2 ist die Teamebene: Wie können Unternehmen gemeinsam mit ihren aktuellen Lieferanten die Situation lösen? So können Produktionsmengen beim Lieferanten und beim Abnehmer in Werke in anderen Ländern verlagert werden, oder Teile bzw. Materialien werden substituiert.
  • Ebene 3 ist die Branchen- oder Länderebene: Hier versuchen Unternehmen beispielsweise über Branchenverbände gemeinsam Lösungen zu finden oder die Politik einzubeziehen.

„Im Fall der seltenen Erden hat letztlich nur das gewirkt, es wurden nämlich politische Kanäle genutzt und so Zölle reduziert und neue Quellen in anderen Ländern erschlossen“, sagt Prof. Dr. Kaufmann. Es hat sich gezeigt, dass jene Unternehmen, die am schnellsten begriffen haben auf welcher Ebene die Lieferprobleme anzugehen sind, am erfolgreichsten waren.

Letztlich ist es bei den Warenströmen also genau so wie bei der Bekämpfung der Virusverbreitung: Geschwindigkeit und damit Zeit ist Gold wert.

Prof. Dr. Lutz Kaufmann

Welche Anpassung sind danach erforderlich?

Prof. Kaufmann zufolge, gebe es kluge Unternehmen, die auch noch über den Tellerrand hinaus schauen. Tim Cook, CEO von Apple und Architekt der hocheffizienten Apple-Supply-Chains, fokussiert gleichermaßen auf die Resilienz der Apple-Supply-Chains: Wenn die aktuellen Herausforderungen operativ bewältigt sind, welche Anpassungen sind danach erforderlich, um für die nächsten Schocks gewappnet zu sein? Diese Fragen beantworten jene Unternehmen, die bei den nächsten Rissen in den Liefernetzwerken gut dastehen werden.

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