Nachgefragt: 3 Experten zu I4.0 – Teil 1

Die vernetzte Produktion braucht Zeit für gute Strategien

| Autor: Ines Stotz

Unternehmen und Länder müssen alle an einem Strang ziehen, gemeinsame Standards und Architekturen entwickeln.
Unternehmen und Länder müssen alle an einem Strang ziehen, gemeinsame Standards und Architekturen entwickeln. (Bild: © elenabsl - Fotolia)

Die Schlagworte Internet of Things und Industrie 4.0 sind allerorten präsent und begleiten uns weiter. Ziel ist die global vernetzte Produktion, über alle Grenzen hinweg. Die Entstehung neuer digitaler Plattformen für Fabriken führt zu der Frage, auf was sich die Unternehmen denn nun einstellen müssen?

Wie ist das allgemeine Stimmungsbild in der Automatisierungsbranche zum Thema Industrie 4.0? Wo sehen Sie die besten Chancen und die größten Hürden bei der Umsetzung?

Dr. Christopher Ganz, IoTSP Program Manager ABB, Zürich: „Nicht immer mehr zu digitalisieren, sondern aus dem Gelernten Aktionen abzuleiten – macht den Unterschied.“
Dr. Christopher Ganz, IoTSP Program Manager ABB, Zürich: „Nicht immer mehr zu digitalisieren, sondern aus dem Gelernten Aktionen abzuleiten – macht den Unterschied.“ (Bild: ABB)

Dr. Christopher Ganz: ABB hat auf dem Gebiet der Digitalisierung in technischen Unternehmen jahrzehntelange Erfahrungswerte und bringt mit seinem Konzept des Internet of Things, Services and People – kurz nennen wir das IoTSP – diese Erfahrungen in allen von uns adressierten Industrien zum Einsatz. Das heißt: angefangen von der Prozessindustrie über die Infrastrukturlösungen bis hin zur diskreten Fertigung. Ihre Frage nach dem Stimmungsbild kann man derzeit nur mit ‚unterschiedlich‘ beantworten. Die Stimmung hängt auch ab von der Größe des Unternehmens und von der Art der zu automatisierenden Vorgänge. Wir sind über die letzten Jahre technisch gesehen von einem Intranet der Dinge fließend in ein Internet der Dinge übergegangen. Für uns stellt das Internet der Dinge allerdings auch nur ein Mittel zum Zweck dar – der eigentliche Zweck ist, aus den gesammelten Daten sinnvolle Handlungen abzuleiten und auszuführen, die sich signifikant auf die Leistung eines Unternehmens auswirken. Mit dem Konzept des IoTSP haben wir alle Komponenten integriert, die es dafür braucht. Chancen zum sinnvollen Einsatz der Technik sehen wir entlang der Wertschöpfungsketten vieler Industrien. Eine der größten Hürden – die Frage nach dem richtigen Anfang – nehmen wir mit der kommenden Hannover Messe. Dort stellen wir einen smarten Sensor vor, der von beliebigen Elektromotoren Daten ermittelt und zur Auswertung in eine cloud-basierte Umgebung lädt. Damit lassen sich zu einem sehr niedrigen Einstiegspreis Erkenntnisse schaffen, die zur Steigerung der Profitabilität und Effizienz eingesetzt werden können.

Dr.-Ing. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer it’s OWL Clustermanagement und Direktor Fraunhofer Einrichtung Entwurfstechnik Mechatronik: „Das Thema Sensibilisierung des Mittelstands steht oben auf der Agenda.“
Dr.-Ing. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer it’s OWL Clustermanagement und Direktor Fraunhofer Einrichtung Entwurfstechnik Mechatronik: „Das Thema Sensibilisierung des Mittelstands steht oben auf der Agenda.“ (Bild: it´s OWL)

Dr. Roman Dumitrescu: Die Automatisierungsbranche ist nach wie vor bei dem Thema Industrie 4.0 ganz vorne dabei. Die Dynamik, die seit vier Jahren besteht, ist nochmals verstärkt worden, da das Thema zunehmend den MuA, also den Kunden, beschäftigt. Hierdurch kann insbesondere bei den IT-getriebenen Lösungen ein Anstieg des Geschäfts wahrgenommen werden. Dennoch darf das Thema jetzt nicht ins Stocken oder gar ins Stoppen kommen wie die CIM-Euphorie in den 80er Jahren. Auch wenn heute im Gegensatz zu damals die Technologien deutlich weiter sind, müssen nach wie vor Standards bis zu einem gewissen Grad eingeführt und Sicherheitsbedenken der Anwender glaubwürdig berücksichtigt werden. Insbesondere ist es wichtig, Anwendungswissen und Automatisierungstechnologien zu einer geschäftsträchtigen Lösung zu integrieren. Hier fehlen nach wie vor Beispiele für den letztlichen nachhaltigen Markterfolg durch Industrie 4.0.

Oliver Winzenried, Vorstand von Wibu-Systems und Vorsitzender des Vorstands der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz: „Die fertigende Industrie braucht eine Strategie, wie Sie ihren Kunden nutzen bringen kann.“
Oliver Winzenried, Vorstand von Wibu-Systems und Vorsitzender des Vorstands der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz: „Die fertigende Industrie braucht eine Strategie, wie Sie ihren Kunden nutzen bringen kann.“ (Bild: Wibu-Systems)

Oliver Winzenried: Das Stimmungsbild ist ausgezeichnet. Die gestiegenen Anforderungen an die Qualität von Produkten lassen sich nur noch durch automatisierte Fertigung erreichen. Dadurch wird auch in Niedriglohnländern mehr und mehr automatisiert. Dies ist eine hervorragende Chance für die deutsche exportorientierte Industrie. Hersteller aus Maschinen- und Anlagenbau, Robotik sowie Steuerungstechnik und Sensorik profitieren. Bestehende Maschinen und Anlagen in Fabriken, die eine lange Nutzungszeit haben, sind in neue flexible Fertigungsprozesse zu integrieren. Mit intelligenten Konzentratoren und Gateways soll diese Herausforderung gelöst werden. Die nächste Herausforderung ist Security, was zwingend notwendig für den Erfolg von Industrie 4.0 ist. Auf der einen Seite bietet Industrie 4.0 Chancen wie die kostengünstige Produktion von Einzelstücken auch hier in Deutschland. Andererseits besteht die Gefahr, dass Angreifer ins Produktionsnetzwerk eindringen und an wertvolles Know-how herankommen oder die Produktion manipulieren. Mit der zunehmenden Vernetzung benötigt jeder Sensor oder Aktor, jede Steuerung oder die Gegenstellen in der Cloud, ihre fälschungssichere Identität. Mittels kryptografischer Verfahren wie Verschlüsselung und digitaler Signatur müssen sowohl Daten und Prozess-Know-how als auch jedes Glied der Kommunikationskette vor Spionage und Manipulation geschützt sein.

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