Elektro- und Digitalindustrie ZVEI sieht Anzeichen für Job-Trendwende 

Von ZVEI 2 min Lesedauer

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Erstmals seit drei Jahren meldet die deutsche Elektro- und Digitalindustrie mehr Neueinstellungen als Abgänge. Das Stellenangebot wuchs seit Januar um ein Viertel. Um das Wachstumspotenzial der Branche zu heben, fordert der ZVEI nun mutige Arbeitsmarktreformen nach dänischem Vorbild.

Anzahl der offenen Stellen und Beschäftigten in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie in Tausend (orange/linke Achse: Beschäftigte, blau/rechte Achse: offene Stellen)(Bild:  ZVEI, Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Destatis und ZVEI-eigene Bereichnungen)
Anzahl der offenen Stellen und Beschäftigten in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie in Tausend (orange/linke Achse: Beschäftigte, blau/rechte Achse: offene Stellen)
(Bild: ZVEI, Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Destatis und ZVEI-eigene Bereichnungen)

Die Zahl der offen ausgeschriebenen Stellen in der Elektro- und Digitalindustrie ist seit Jahresanfang 2026 um ein Viertel auf zuletzt knapp 10.000 Stellen gestiegen und lag damit rund acht Prozent über dem Vorjahresniveau. Somit entfällt rund jede siebte offene Stelle im Verarbeitenden Gewerbe derzeit auf die Elektro- und Digitalindustrie. 

Auch die Kurzarbeit ging branchenweit deutlich zurück und lag im April 2026 bei unter 12.000 Personen. Gut ein Jahr zuvor war dieser Wert noch dreimal so hoch. „Die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie fragen seit Beginn des Jahres durchschnittlich wieder mehr Arbeitskräfte nach. Dadurch haben sich die Chancen auf eine Stabilisierung der Beschäftigung in der zweiten Jahreshälfte 2026 verbessert“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. 

Erstmals seit drei Jahren drehte der Saldo aus neu gemeldeten und abgegangenen offenen Stellen Ende des ersten Halbjahrs 2026 wieder ins Positive. Gleiches gilt für den Saldo aus Unternehmen, die in den kommenden drei Monaten einen Personalauf- beziehungsweise -abbau planen. Er stieg im August 2026 auf plus fünf Prozentpunkte. Damit wollen erstmals seit Juni 2023 wieder mehr Unternehmen der Branche ihre Beschäftigung ausweiten als abbauen. 

Die Elektro- und Digitalindustrie ist gemessen an der Personenzahl die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Die Beschäftigung in der Elektro- und Digitalindustrie blieb in den vergangenen Jahren bis zuletzt rückläufig. Ende des ersten Halbjahrs beschäftigte die Branche 865.000 Menschen. Das sind 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr und 4,5 Prozent weniger als im Jahr 2023, in dem ein zwischenzeitlicher Höchststand von über 910.000 erreicht wurde. 

ZVEI fordert Flexibilisierung am Arbeitsmarkt

„Die Elektro- und Digitalindustrie vereint die Zukunftsmärkte mit dem höchsten Wachstumspotenzial. Um es voll ausschöpfen zu können, braucht unsere Branche aber einen Arbeitsmarkt, der mit dem Tempo der Transformation und den Potenzialen der Tech-Branche Schritt halten kann“, argumentiert Weber und fordert: „Das heißt im Klartext: Wir benötigen hier mehr Flexibilität.“ 

Die angekündigten Reformen der Bundesregierung auf dem Arbeitsmarkt müssten ambitionierter ausfallen, findet der ZVEI-Vertreter. Die geplante Möglichkeit etwa, Arbeitsverhältnisse von Spitzenverdienerinnen und Spitzenverdienern gegen eine Abfindung aufzulösen, weist aus Sicht des Verbandes in die richtige Richtung. Um eine relevante Flexibilisierung am Arbeitsmarkt zu erreichen, sei die vorgesehene Einkommensgrenze von gut 177.000 Euro im Jahr jedoch zu hoch angesetzt. „Damit das Instrument eine Wirkung entfaltet, muss es für einen größeren Beschäftigtenkreis gelten“, schlussfolgert Weber. 

Dänemark könnte Vorbild sein

Der ZVEI spricht sich für die Einführung des Flexicurity-Modells nach dänischem Vorbild aus. Es verbindet mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz mit einer starken sozialen Absicherung sowie mit individuellen Weiterbildungs- und Vermittlungsangeboten. „Nur so kann der Strukturwandel erfolgreich gelingen. Der Blick nach Dänemark zeigt, dass dieses Konzept funktioniert.“

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