Bildung Wissenschaften aufs Spielbrett bringen

Quelle: Klaus Tschira Stiftung 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Ob „Robo Rally“ oder „Terraforming Mars“ – Forscher der Unis Bonn und Berlin untersuchen, wie moderne Brettspiele helfen, komplexes MINT-Wissen spielerisch zu vermitteln. Ein neues Projekt erprobt das ungeahnte Potenzial am Spieltisch.

Wissenschaft über Brettspiele vermitteln, beispielsweise hier mit „Pandemic“ auf der MS Wissenschaftsjahr 2026 zum Thema Medizin.(Bild:  Philipp Schrögel)
Wissenschaft über Brettspiele vermitteln, beispielsweise hier mit „Pandemic“ auf der MS Wissenschaftsjahr 2026 zum Thema Medizin.
(Bild: Philipp Schrögel)

Menschen spielen, um Stress abzubauen, soziale Kontakte zu pflegen und Neues auszuprobieren. Das Gehirn belohnt sie dafür mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Doch gilt das auch für Brettspiele mit handfesten Themen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT)?

Davon ist Philipp Schrögel überzeugt. Der Forscher am „Bonn Lab for Analog Games and Imaginative Play“ an der Universität Bonn hat gemeinsam mit Kollegen, unter anderem von der Freien Universität Berlin, ein neues Projekt gestartet. Gefördert wird das Vorhaben in der Linie „Innovative Wissenschaftskommunikation“ der Klaus Tschira Stiftung. Gemeinsam mit Praxispartnern wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich moderne Brettspiele effektiv nutzen lassen, um technisches und wissenschaftliches Wissen zu vermitteln. „Das Thema liegt in der Luft“, sagt der Projektleiter. Nicht zuletzt, da die Brettspielkultur in Deutschland jüngst in das internationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

Von „Robo Rally“ bis „Terraforming Mars“

Geplant ist eine Reihe von Veranstaltungen an öffentlich zugänglichen Orten wie Bibliotheken oder Museen. Dort sollen bekannte Spiele mit Vorträgen, Führungen und Diskussionen über MINT-Themen verknüpft werden. Auf dem Programm stehen unter anderem:   

  • „Robo Rally“ zur Informatik,
  • „E-Mission“ zum Klimawandel,
  • „Pandemic“ zu Viren und Epidemien,
  • „Flügelschlag“ zur Biodiversität oder
  • „Terraforming Mars“ als alternative Perspektive auf das Anthropozän.

MINT-Wissen ganz nebenbei erwerben

Der Physiker, Sozialwissenschaftler und Wissenschaftskommunikator Schrögel liebt Brettspiele selbst seit vielen Jahren. Dabei interessiert ihn weniger der Einsatz von speziell entwickelten Lernspielen. Er möchte vielmehr erforschen, wie Menschen beim gemeinsamen Spielen ganz nebenbei Wissen erwerben und schätzt die partizipativen Formen des Austauschs, die analoge Spiele ermöglichen. „Wir wollen Menschen erreichen, die gern spielen, mit Naturwissenschaften aber bisher wenig Berührung hatten“, betont Schrögel. Ziel ist ein ungezwungener Austausch zwischen Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Interessen.

Wissenschaftliche Evaluation startet im Herbst

Neu an dem Ansatz ist die begleitende wissenschaftliche Evaluation. Untersucht werden die Wirkung der Veranstaltungen, die Gelingensbedingungen und weitere Einsatzmöglichkeiten. Langfristig soll so eine Gemeinschaft entstehen, die Brettspiele als innovatives Medium der Wissenschaftskommunikation dauerhaft etabliert.

Wie setzen sich Menschen mit wissenschaftlichen Themen im Spiel auseinander und wie reagieren sie auf neue Formate?

Philipp Schrögel Projektleitung Science Gaming

Beim ersten Testlauf im Herbst am Karlsruher Institut für Technologie sind bereits drei Formate geplant: eine Abendveranstaltung, ein Angebot für Familien sowie eines für Studierende und Forschende. Was die Initiatoren dabei genau herausfinden wollen? „Wie setzen sich Menschen mit wissenschaftlichen Themen im Spiel auseinander und wie reagieren sie auf neue Formate? Darum geht es“, erklärt Schrögel. Wenn das auf zwei Jahre angelegte Projekt 2028 endet, wollen die Forscher den Möglichkeiten und Grenzen von Brettspielen in der Wissenschaftskommunikation über MINT-Themen ein gutes Stück nähergekommen sein.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung