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Automatisierungsindustrie Marktchancen USA - wichtigste Kriterien der Standortwahl

| Redakteur: Ines Stotz

Die USA sind das wichtigste Zielland für deutsche Direktinvestitionen im Ausland, mit derzeit etwa 260 Mrd. Dollar Investitionen jährlich. In der jüngsten Umfrage im World Business Outlook der Außenhandelskammern beschreiben deutsche Unternehmen in Nordamerika ihre Geschäftslage und -koordinaten besser als ein halbes Jahr zuvor.

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Strategisch günstige Lage: Im Umkreis einer Lkw-Tagesreise liegen 60 Prozent aller US-Fertigungsstätten und 50 Prozent aller Konsumenten der USA, also etwa 160 Mio. Verbraucher.
Strategisch günstige Lage: Im Umkreis einer Lkw-Tagesreise liegen 60 Prozent aller US-Fertigungsstätten und 50 Prozent aller Konsumenten der USA, also etwa 160 Mio. Verbraucher.
(Bild: Wirtschaftsförderung JobsOhio)

Ein Blick auf den Bundesstaat Ohio, wo sich die Fertigungsindustrie seit Jahren deutlich besser entwickelt als der US-Durchschnitt: In Ohio, sind die Fertigungsindustrien deckungsgleich mit jenen, für die Deutschland weltbekannt ist – wie Maschinenbau, fortschrittliche Fertigung, Automobilzulieferung oder Chemie. Deshalb sind hier fast 600 deutsche Unternehmen beheimatet, etwa Voith, Bosch, Ecoroll, Forcam, Festo Didactic, Steiner Optik oder Borgers. „Moderne Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, niedrige Steuern und der schnelle Zugang zu einem Großteil des nordamerikanischen Markts, sind Vorteile, die der Bundesstaat Ohio Unternehmen in der Fertigungsindustrie bietet“, sagt Glenn Richardson, Geschäftsführer Fortschrittliche Fertigung bei der Non-Profit-Wirtschaftsförderung „JobsOhio“, die Unternehmen beim Markteintritt unterstützt.

Richtiger Standort im wirtschaftlichen Umfeld

Da die USA 26 mal größer sind als Deutschland, ist die Wahl des richtigen Standorts hier besonders wichtig. Kunden, Märkte und Zulieferer müssen für Vertrieb und Distribution effizient zu erreichen sein. So sind im Radius einer Lkw-Tagesreise um Ohio 60 Prozent aller US-Fertigungsstätten und 50 Prozent aller Konsumenten erreichbar, also etwa 160 Mio. Verbraucher.

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Das Ravensburger Unternehmen Forcam hat den Sprung auf den US-Markt vor einigen Jahren gemacht und sich als Standort für die Großstadt Cincinnati entschieden; dort fand es spezifische personelle Expertise und das passende wirtschaftliche Umfeld mit schnellem Zugang zu seinen Zielmärkten. Forcam ist spezialisiert auf Industrial Internet-Lösungen zur Integration und Steuerung von horizontalen und vertikalen Wertschöpfungsketten. Für seine Erfolge in den USA wurde das Unternehmen 2016 von den Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK) mit dem renommierten German American Business Award ausgezeichnet: in der Kategorie „Excellence in Innovation“ für die beste Lösung in der digitalen Fertigung. „Die ‚the sky is the limit‘ Atmosphäre in den USA ist ansteckend“, erläutert CEO Franz Gruber. „Wir bei Forcam versuchen, diesen spirit aufzunehmen und mit unseren deutschen Tugenden wie Technologie-Kompetenz, Zuverlässigkeit und Termintreue zu kombinieren.“

Human Resources und duale Ausbildung aus Deutschland

Qualifizierte Fachkräfte kommen aus den über 200 Universitäten des Bundesstaats: jährlich bereichern 11.700 junge Ingenieure den Arbeitsmarkt mit seinen 5,5 Mio. Beschäftigten. Ohio ist zudem Vorreiter, das deutsche Ausbildungssystem für den amerikanischen Markt zu adaptieren: Festo Didactic aus Esslingen mit Niederlassung im Süden Ohios hat als ein weltweit führender Bildungsdienstleister in der industriellen Automation das von der Wirtschaftsförderung Jobs Ohio unterstützte Festo Dual Education Program gestartet. In Ohio ansässige Unternehmen wie Clippard Instruments, die ART Metals Group, MQ Automation und Nestlé lassen bei Festo Didactic Mechatroniker nach deutschen Standards ausbilden. Der erste Mechatroniker-Jahrgang schließt momentan das zweite Semester ab.

Wissenschaftliches Umfeld, Forschung und Entwicklung

Unternehmen, Hochschulen und Institute befinden sich in Ohio in einem Umfeld, um Design und Engineering neu zu definieren, etwa durch vier Manufacturing USA Institute: das auf 3D-Druck spezialisierte Amerika Makes, die Leichtbau-Experten Lightweight Innovations for Tomorrow, das auf Fortschrittliche Fertigung von Verbundstoffen spezialisierte IACMI, sowie Netflex, ein Institut für flexible Elektronik. „Initiativen wie America Makes helfen, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Unternehmen in Ohio stetig weiter voranzutreiben“, erläutert Glenn Richardson. Professor Jay Lee, Universität Cincinnati, gilt als Pionier im Forschungsgebiet der intelligenten Wartungssysteme und vorausschauenden Analytik. Er entwickelt ein Managementsystem für den Produktlebenszyklus mit einem digitalen Doppelgänger, der als vorausschauende Technologie abfallende Produktionsleistungen vorhersagen kann. Die Universität Cincinnati und die Manufacturing USA Institute sind Beispiele für das starke F&E-Umfeld Ohios und ergeben für Unternehmen Chancen, Kooperationspartner zu finden, um das eigene Geschäft zu entwickeln oder Innovationen voran zu treiben.

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