Strukturumbau bei Sick Mehr Kundennutzen mit intelligenten Sensoren

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Veränderungen schaffen neue Herausforderungen – genau das hat sich Sensorhersteller SICK auf die Fahne geschrieben und sein größtes Ressort, die Fabrikautomation, in zwei neue Segmente

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Markus Paschmann, Vorstand Ressort Fabrikautomation bei SICK
Markus Paschmann, Vorstand Ressort Fabrikautomation bei SICK
( Archiv: Vogel Business Media )

Veränderungen schaffen neue Herausforderungen – genau das hat sich Sensorhersteller SICK auf die Fahne geschrieben und sein größtes Ressort, die Fabrikautomation, in zwei neue Segmente aufgeteilt: In Zukunft sollen die Logistik- und die Fabrikautomation zusätzliche Wachstumspotenziale durch eine jeweils fokussierte, flexible und schlagkräftige Organisation erschließen. Schlüssel zum Erfolg ist dabei für den neuen Vorstand des Ressorts Fabrikautomation, Markus Paschmann, Lösungen gemeinsam mit Kunden zu entwickeln.

Warum, Herr Paschmann, haben der Vorstand und Aufsichtsrat der SICK AG eine neue Vorstandsstruktur verabschiedet?

Nach dem enormen Wachstum der vergangenen Jahre hat SICK mit knapp 600 Mio. Euro Umsatz eine neue Größenordnung erreicht. Die neue Vorstandsstruktur soll Basis für die weitere, langfristig profitable Entwicklung sein. Gleichzeitig können die aktuellen und zukünftigen Märkte zielgenauer abgebildet werden.

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Sie selbst haben seit Juli die Verantwortung für das neugegliederte Segment Fabrikautomation übernommen. Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesteckt?

Ziel kann es nur sein, das Wachstum und die technische Führungsposition von SICK zu halten und auszubauen. Ich freue mich, ein solch erfolgreiches Unternehmen mitgestalten zu können und möchte mich natürlich daran messen lassen, dass dieser Erfolg auch unter all den technischen Chancen und Veränderungen der Zukunft eine Konstante bleibt.

Die Fabrikautomation - rund 85 Prozent des Umsatzes von SICK - wird in die zwei neuen Segmente Logistik und Fabrikautomation aufgeteilt. Warum?

Die Teilung erfolgt vor dem Hintergrund, dass die Logistikautomation ein für SICK besonders interessanter Wachstumsmarkt mit einem abgrenzbaren, unterschiedlichen Kundenkreis ist. Außerdem wird die Logistik zunehmend als Projektgeschäft mit teils internationalen Großkunden betrieben und weist damit vom Hauptgeschäft der Fabrikautomation abweichende Geschäftsprozesse auf. So wollen wir in beiden Segmenten neue Wachstumspotenziale durch eine jeweils fokussierte, flexible und schlagkräftige Organisation erschließen.

Welche internen Vorteile erwarten Sie da?

Die Schaffung von insgesamt drei produkt- und marktorientierten Segmenten macht eine übergreifende Verbindung notwendig. Das neue Ressort Technology bildet deshalb eine Klammer um die Fabrik-, Logistik- und Prozessautomation. Es trägt der zunehmend komplexeren Automatisierung Rechnung und ist verantwortlich, Basistechnologien und Zukunftsstrategien bereitzustellen.

Welcher konkrete Nutzen entsteht daraus am Markt für Ihre Partner bzw. Kunden?

Der größte Vorteil für den Kunden ist die noch tiefere Beratungs-Kompetenz innerhalb jedes Segments. Bereits jetzt bieten wir als unabhängiger Sensorik-Experte ein breites Portfolio an Technologien und Produkten sowie ein langjähriges Applikationswissen. Die Aufteilung schafft den Rahmen für noch umfangreicheres Spezialwissen, um damit noch bessere Lösungen anzubieten. Auch unsere Lieferanten partizipieren am zusätzlichen Wachstum und dem tieferen Know-how.

Wie würden Sie Ihre aktuelle Position in der Automatisierung beschreiben, wo sehen Sie Ihre Kernkompetenzen und worin unterscheiden Sie sich vom Wettbewerb?

Unsere intelligenten Sensoren bringen dem Kunden Mehrwert und reduzieren die Komplexität seiner Lösung. In der Sensorik bzw. Automatisierungstechnik sind wir in Europa führend und wachsen dort auch weiterhin stärker als der Markt. Aber die großen Wachstumsschübe kommen jetzt aus Nordamerika und Asien. Bei den Sicherheits-Lichtschranken und -Laserscannern ist SICK weltweit Marktführer – insbesondere in der Automobilindustrie, Werkzeugmaschinen-Fertigung, Robotik und beim Material-Handling. Zusätzlich haben wir uns hier in den letzten Jahren in den Branchen Logistik Warehousing, Lager- und Transport oder auch Druck- und Papier verstärkt. Gleichzeitig sind wir auf der Angebotsseite mit Sicherheits-Kleinsteuerungen und -Netzwerklösungen weiter gewachsen und können somit alle Komponenten für die komplette Sicherheits-Automatisierung anbieten. Bei der automatischen Identifikation hat sich, wie in der Automatisierung, die Kameratechnik etabliert, die zunehmend die laser-basierten Scanner ersetzt. Beispielsweise haben wir bereits im vergangenen Jahr, insbesondere für die Post-Automation, eine Hochgeschwindigkeits-Kamera vorgestellt. Die stärke Fokussierung auf die Logistikautomation zeigt, dass wir hier weiterhin überdurchschnittliches Wachstum erwarten. Die Gründe für unseren Erfolg liegen neben der Technologie, Liefertreue und Zuverlässigkeit vor allem darin, dass wir unserem Kunden zuhören und viele Lösungen gemeinsam entwickeln. Nicht zu unterschätzen ist auch die Unabhängigkeit unserer intelligenten Sensorlösungen von großen Automatisierungs-Systemen. SICK will seinen Kunden Investitionssicherheit bieten. Dazu braucht man größtmögliche Interconnectivity zu den verschiedenen Feldbussen. Um wirklich unabhängig bleiben zu können, müssen wir innovativ sein und unsere Position halten.

Können Sie dies mit einem kurzen Praxisbeispiel erläutern?

In der neuesten Generation Lichtschranken kaufen unsere Kunden bereits heute softwaregesteuerte Funktionalität. Über eine abwärts kompatible Schnittstelle lassen sich Konfigurationsdaten preisgünstig in den Sensor übertragen, der erkennt, ob er in einer konventionellen Umgebung ohne Parametrierung oder in moderner Umgebung arbeitet. Es ist also auch möglich, älteste Maschinen mit neuesten Sensoren nachzurüsten, ohne ein Schnittstellenproblem zu erzeugen. Dazu muss das Einzel-Sensorsignal über einen intelligenten Konzentrator so gelenkt werden, dass nur wichtige, mit echter Information besetzte Signale an die Steuerung gemeldet werden. Dieser Konzentrator, der gleichzeitig die Umsetzung zu standardisierten Bus-Systemen ermöglicht, ist derzeit als I/O-Link in aller Munde. SICK ist es auch gelungen, viele Konkurrenten und Automatisierungs-Hersteller von diesem Standard zu überzeugen.

Nun feiert SICK dieses Jahr auch sein 60-jähriges Firmenjubiläum. Was waren die wesentlichen Meilensteine?

1946 erhielt Erwin Sick in München die Lizenz für ein selbständiges Ingenieurbüro. Um sich und seine Familie zu ernähren, musste er sich neben seinen Erfindungen mit dem Bau und der Reparatur von Radios befassen. Zehn Jahr später, beim Umzug nach Waldkirch, hatte er bereits ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern aufgebaut sowie mit dem Lichtvorhang nach Patent Sick eine bahnbrechende und marktreife Innovation im Programm. Weitere vierzig Jahre später schloss SICK das erste Jahr als Aktiengesellschaft 1996 mit einem Umsatz von 199,1 Mio. Euro ab. Vergleichen wir diese Zahlen mit denen des Geschäftsjahrs 2005 – Umsatz 593,2 Mio. Euro, so wird das Ausmaß der Entwicklung deutlich. Eine solche Entwicklung bedeutet Veränderung, denn der Erfolg muss stets neu erarbeitet werden. Um weiter wachsen zu können, muss SICK alle Unternehmensprozesse ständig hinterfragen und den neuen Gegebenheiten anpassen.

Der Sick-Konzern gehörte 2005 außerdem zu den zehn attraktivsten Arbeitgebern in Deutschland. Was hat dazu beigetragen?

Das wichtigste Element zur Kundenzufriedenheit ist und bleibt die motivierte und erfolgreiche Arbeit unserer über 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn wir in unserem Leitbild von Leadership sprechen, dann meinen wir damit vor allem, dass unsere Mitarbeiter genau diese Kundenorientierung und diesen Unternehmergeist nach innen und außen vorleben. Wir verlangen Leadership auch in Bezug auf Führungskultur und optimale Beherrschung von Methoden und Prozessen. Denn das frühzeitige Erkennen von Veränderungen ist nicht nur in Entwicklung und Vertrieb wichtig, sondern auch im Personalwesen, in der Produktion, dem Finanzwesen und Controlling, in der Informationstechnologie und im Qualitätswesen..

Wie wird sich Ihr Markt- bzw. Wettbewerbsumfeld in den nächsten Jahren verändern?

Innerhalb der Automatisierungstechnik wird das Feld neu verteilt zwischen Sensor, Steuerung und Antrieb. Ein einfacher, unintelligenter Sensor und eine hochkomplexe Steuerung – das ist die alte Automatisierungswelt. Da ist es physikalisch besser, die Datenverarbeitung sehr nahe an den Sensor zu bringen und damit applikationsorientiert zu nutzen. Automatisierungssysteme von heute bieten einen hohen Standard, Antriebe für jede Bewegungsart, hochintelligente Steuerungen und ein hohes Maß an Kommunikation innerhalb der Maschine, aber auch Schnittstellen mit der Softwareumgebung des gesamten Geschäftsprozesses sind Standards und können weiter optimiert werden. Viele Fachleute und -gremien sehen, darauf aufbauend, einen weiteren wichtigen Innovationszyklus, nämlich das sensorische Bewusstsein für die Maschine. Und hier ist nicht die künstliche Intelligenz gemeint, sondern ganz einfach die Selbstwahrnehmung der Umgebung und damit das selbstständige Ableiten von Aktionen. Es geht also um höhere Sensorintelligenz.

Sick nimmt am Stammsitz in Waldkirch jetzt einen neuen Bürokomplex in Betrieb, gleichzeitig ist geplant, den Standort Dresden erneut zu erweitern. Welche generelle Bedeutung – als Standort wie auch als Markt – hat Deutschland für das Unternehmen?

In dem neuen Gebäude in Waldkirch sind tatsächlich nur Büros und keine Arbeitsplätze in der Fertigung. Aber als wir vor einem Jahr ein neues Produktionsgebäude eingeweiht haben, wurde uns natürlich auch die Standort-Deutschland-Frage gestellt. Eine wichtige Voraussetzung, warum wir in Deutschland produzieren, liegt im Anteil der Herstellkosten an den Gesamtkosten. Dadurch liegt Waldkirch gleichauf mit dem Werk in Ungarn und nur wenig über dem in China.

Zudem realisieren wir durch unsere Fertigung in Deutschland Vorteile durch die räumliche Nähe zwischen Entwicklung, Vertrieb und Produktion und können hier an einem integrierten Standort arbeiten, der die Voraussetzung für kurze Wege, schnelle Reaktionen und unbürokratische Abstimmungen und Verbesserungsprozesse bietet. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir nicht auch in Zukunft zusätzliche Produkte im Ausland herstellen und unsere Fertigungsstätten in den USA, in Asien und auch in Osteuropa ausbauen – im Gegenteil. Es bedeutet schlicht, dass wir immer dort produzieren, wo wir es für unsere Kunden müssen und wo eine Nähe der Produktion zum Kunden dem Vertriebserfolg förderlich ist.

SICK AG, Tel. +49(0)7681 2020

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