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Alexander Lewinsky, Produktmanager bei IDS Imaging Development Systems: Bei IDS beantworten wir diese Frage mit einem klaren Ja. Wir beobachten schon länger die Entwicklung hin zur allgemeinen Bildverarbeitung. Der Anteil nicht-industrieller Anwendungen an unserem Umsatz wächst stark. Die technischen Weiterentwicklungen bei Sensoren, im PC-Bereich, bei Embedded-Systemen, in der Bildverarbeitungs-Algorithmik oder auch in der Software-Usability vereinfachen und begünstigen den Einsatz außerhalb klassischer Industrie-Anwendungen. Letztlich geht es bei jeder Anwendung darum, Abläufe zu vereinfachen und Prozesse zu automatisieren: höherer Durchsatz, einfache Handhabung, geringere Kosten, etc. Das betrifft so gut wie jede Branche. Denken Sie mal an die Lebensmittel- und an die Verpackungsindustrie oder an verschiedene Kiosk- und Transportsysteme.
Durch die Erschließung neuer, nicht-industrieller Anwendungen und Märkte steigen die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit bzw. Flexibilität von Bildverarbeitungssystemen. Die Frage für uns als Hersteller lautet: Entwickeln wir dezidierte Systeme – spezialisiert auf bestimmte Applikationen – oder „Allround“-Systeme, die unterschiedlichste Anforderungen abdecken?

Torsten Freiling, Leiter Produktmanagement bei Allied Vision Technologies (AVT): Als Kamerahersteller liefern wir Kameralösungen für eine große Vielfalt an Applikationen – innerhalb und außerhalb des Fertigungsprozesses. Die industrielle Bildverarbeitung ist weiterhin unser Hauptabsatzmarkt, andere Märkte wachsen jedoch kontinuierlich: Medizintechnik, Wissenschaft und Verkehrsüberwachung sind hier nur einige Beispiele.
Allied Vision Technologies wird sein Produktangebot kontinuierlich auch für diese Märkte erweitern. So bieten wir neben konventionellen Machine Vision Kameras auch Infrarotkameras, Wärmebildkameras oder Kameras mit aktiver Sensorkühlung an, die auch für wissenschaftliche Anwendungen besonders attraktiv sind. Oder auch Kameras, die mit erweiterten Betriebstemperaturen und Objektivsteuerung für den Einsatz im Außenbereich optimiert sind. Gerade bei der Verkehrsüberwachung sehen wir das größte Marktpotential - sowohl in den Industrienationen als auch in Schwellenländern: Es wird erheblich in die Infrastruktur investiert und meist moderne Bildverarbeitungssysteme mit eingeplant.

Horst A. Mattfeldt, Director Standard Products bei Matrix Vision: Wir sehen ebenfalls zunehmend Anwendungen für Bildverarbeitung in nicht industriellen Feldern. Hierzu zählen beispielsweise Applikationen im medizinischen Bereich wie Augenheilkunde, allgemeine Mikroskopie und Krankheits-Diagnostik sowie Anwendungen im Life Science-Segment. Im Kommen sind aber auch Einsätze in der Sicherheitstechnik und in der Verkehrsüberwachung, um nur einige zu nennen.
In alle Bereiche liefert Matrix Vision maßgeschneiderte Kameralösungen mit den unterschiedlichsten Sensoren, Schnittstellen und Feature-Ausstattungen.

Christian Jeske, Marketing Leiter bei Pyramid Computer: In der Tat erobert die Bildverarbeitung zunehmend auch den nicht industriellen Bereich. Dies erklärt sich aufgrund mehrerer Faktoren. Zum einen werden die Hardware-Systeme immer leistungsfähiger. Außerdem wachsen die Anforderungen in der Industrie erheblich. So werden speziell in der Qualitätssicherung umfangreiche Daten benötigt um Standards zu überwachen und dokumentieren. Zuletzt ermöglichen innovative Technologien außerdem laufend neue Anwendungsmöglichkeiten.
So findet die Bildverarbeitung beispielsweise auch zunehmend Einsatz im Lebensmittelsektor, in der Medizintechnik, bei intelligenten Verkehrssystemen, in der Logistik oder auch im Life Science-Bereich. Hier gelten aber spezielle Anforderungen, die Speziallösungen erfordern. So sind gerade im Lebensmittelbereich Lüfter und Filter für IPCs unverzichtbar– denn selbst wenn die PC-Systeme in Schaltschränken eingebaut sind, zeigt die Erfahrung, dass abzufüllende Lebensmittel wie Säfte oder Marmelade im Dauerbetrieb tatsächlich ihren Weg bis ins Innere der PCs finden. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung eines gut durchdachten Lüftungskonzeptes inklusive bestgeeignetem Filtermaterial und bedarfsgerechter Lüftersteuerung für die jeweilige Anwendung. Denn die Folgekosten und ein damit einhergehender Produktionsausfall führen zu enormen Kosten und außerdem zu Verlust von Betriebsdaten.
Nach VDMA Informationen und dies wird auch von unseren IBV-Kunden bestätigt, entwickelt sich zurzeit der asiatische Markt am schnellsten. Circa 20 Prozent vom europäischen IBV Gesamtumsatz wird in Asien erzielt. Es wird davon ausgegangen dass trotz etwas ‚schwächerem‘ Wachstum in China die Dynamik anhalten wird. So wird auch der Markt für nicht industrielle Anwendungen in Asien weiter sehr stark wachsen. Traditionell haben die europäischen und darunter sehr viele deutsche Bildverarbeitungsunternehmen noch die Nase vorn. Wie lange dieser Vorsprung anhält ist fraglich und davon abhängig wie schnell Innovationen umgesetzt und in marktreife und vom Markt angenommene Produkte umgesetzt werden können. Wichtig dabei ist für europäische Hersteller, immer vorne mit dabei zu sein und neue Technologien wie Interfaces, Boardchipsets und Prozessoren schnell und preisgünstig zu integrieren.
Sollten sich im Zuge von Industrie 4.0 Teile der Produktion wieder verstärkt in USA und Europa ansiedeln so ist auch ein stärkeres Wachstum im Fertigungssektor zu erwarten. Dafür gibt es erste Anzeichen, da die mehrmonatigen Transportzeiten aus Asien ein hinderlicher Faktor für eine kundennahe und flexible individualisierte Fertigung sind.
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