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10 Experten zum Thema industrielle Bildverarbeitung – Teil 1

Nachgefragt: Wandelt sich die Bildverarbeitungsbranche?

| Autor/ Redakteur: Ines Näther / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Die deutsche Bildverarbeitungsbranche wächst nach wie vor und erschließt immer neue, vor allem nicht-industrielle, Anwendungen. elektrotechnik-Redakteurin Ines Näther hat sich umgehört, ob sich die bisher vor allem auf die Fabrik fokussierte Branche vom industriellen Bildverarbeiter zum allgemeinen Bildverarbeiter wandelt.

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elektotechnik hat sich bei 10 Bildverarbeitungs-Experten umgehört
elektotechnik hat sich bei 10 Bildverarbeitungs-Experten umgehört
(Mikrotron)

Dr. Ronald Rösch, Leiter strategische Forschung Bildverarbeitung am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern: „Bis zu wirklich universell einsetzbaren IBV-Systemen für ein großes Produktspektrum ist es noch ein weiter Weg.“
Dr. Ronald Rösch, Leiter strategische Forschung Bildverarbeitung am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern: „Bis zu wirklich universell einsetzbaren IBV-Systemen für ein großes Produktspektrum ist es noch ein weiter Weg.“
(Fraunhofer ITWM)

Dr. Ronald Rösch, Leiter strategische Forschung Bildverarbeitung am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern: Ja und nein. Einerseits glaube ich, dass die Branche der IBV noch recht lange Bestand haben wird – hierfür sind die industriellen Anforderungen einfach zu speziell. Stichworte: hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit, Inline-Fähigkeit in schwierigen Fertigungsumgebungen, geringer Pseudoausschuss, Vernetzbarkeit und Autonomie in der vernetzten Produktion der Zukunft - Industrie 4.0.

Dennoch können die industriellen Bildverarbeiter von anderen Einsatzgebieten viel lernen. Beispielsweise kommen bei Bildverarbeitungssystemen im Überwachungsbereich, im Internet oder in der Medizin deutlich komplexere Methoden zum Einsatz – dort kann allerdings auch der Mensch noch korrigierend eingreifen. Das wird für die mehr und mehr individualisierte Produktion und bei der Prüfung der individuellen Produkte ein Thema sein. Denn bis zu wirklich universell einsetzbaren IBV-Systemen für ein großes Produktspektrum ist es noch ein weiter Weg. In allen Hochlohnländern ist die Situation ähnlich. Ich hoffe, dass die deutsche Bildverarbeitungsbranche ihre gute Position behaupten kann.

Manuel Hofmann, Product Manager bei National Instruments: „Die Smart Factory wird die IBV vor neue Aufgaben stellen, mit der sich unsere Branche auch noch in den kommenden Jahren beschäftigen muss.“
Manuel Hofmann, Product Manager bei National Instruments: „Die Smart Factory wird die IBV vor neue Aufgaben stellen, mit der sich unsere Branche auch noch in den kommenden Jahren beschäftigen muss.“
(National Instruments)

Manuel Hofmann, Product Manager bei National Instruments: Gerade in Hinblick auf Industrie 4.0 sollten wir die Rolle der industriellen Bildverarbeitung auch in der Fabrik nicht aus den Augen verlieren. Die Smart Factory wird die IBV vor neue Aufgaben stellen, mit der sich unsere Branche auch noch in den kommenden Jahren beschäftigen muss. Doch auch abseits der klassischen industriellen Wege sehen wir den vermehrten Einsatz von Bildverarbeitungssystemen.

Da neuere Bildsensoren mit höheren Auflösungen und Bildraten existieren, entwickelt sich derzeit zum Beispiel in der medizinischen Bildgebung die passive Bildgebung zu einer brauchbaren Alternative und ermöglicht kleinere, kostengünstigere Geräte, die in Großserien eingesetzbar sind. Ein Beispiel ist das von Dr. Jairaj Kumar und Kollegen an der Manipal University in Indien entwickelte Nebula-System. Mit ihm wird die Entstehung von Fußgeschwüren bei Patienten mit diabetischer Neuropathie erkannt. Dabei wird die Embedded-Bildverarbeitung genutzt, um die Füße des Patienten mittels passiver Bildgebung darzustellen, während er barfuß auf der Glasbasis des Systems steht.

Rainer Schönhaar, Produktmanager bei Balluff: „Nicht nur die Herstellungs- und Förderprozesse müssen optimiert, sondern auch die Produktqualität möglichst vollständig geprüft und dokumentiert werden. Dies ist eine der klassischen Aufgaben der industriellen Bildverarbeitung.“
Rainer Schönhaar, Produktmanager bei Balluff: „Nicht nur die Herstellungs- und Förderprozesse müssen optimiert, sondern auch die Produktqualität möglichst vollständig geprüft und dokumentiert werden. Dies ist eine der klassischen Aufgaben der industriellen Bildverarbeitung.“
(Balluff)

Rainer Schönhaar, Produktmanager bei Balluff: Die Industrie wird mehr und mehr durch gestiegene Qualitätsforderungen und den Zwang zur Kostenminimierung getrieben. Hinzu kommt, dass die Kunden eine optimale Produktqualität unabhängig vom Herstellungsort erwarten. Dies führt dazu, dass nicht nur die Herstellungs- und Förderprozesse optimiert, sondern auch die Produktqualität möglichst vollständig geprüft und dokumentiert werden muss. Dies ist eine der klassischen Aufgaben der industriellen Bildverarbeitung. Tendenziell werden dabei immer mehr Überwachungspunkte in den Gesamtprozess integriert und die Ergebnisse im Kundensystem dokumentiert.

Hinzukommt, dass die Unternehmen ihre Produktion auf immer mehr internationale Standorte verteilen und somit die Bildverarbeitungs-Testsysteme international integriert, bedient und gewartet werden müssen. Eine einfache Anpassung an die regionalen Gegebenheiten wie Bediensprache, Fernbedienung und -wartung ist hierfür Grundvoraussetzung.

Deshalb sind dann auch internationale Expertenteams bereitzuhalten. Sie sind gefragt, wenn zum Beispiel Überprüfungsroutinen in der Firmenzentrale zu erstellen sind und diese dann in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort in die jeweilige Produktion zu integrieren sind. Dies erfordert einfache Kommunikationswege zwischen allen Beteiligten und eine Vernetzung der Testsysteme / Kameras. Eine ständige lokale Vorortpräsenz von Bildverarbeitungsexperten ist nicht mehr vorgesehen.

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