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GuD-Kraftwerk Siemens bricht seine eigenen Rekorde

| Redakteur: Carina Schipper

In Düsseldorf errichtet Siemens gerade nach eigenen Angaben das effizienteste Gaskraftwerk. 2016 soll es in Betrieb gehen und übertrifft drei der vom Hersteller selbst aufgestellten Weltrekorde. Die 595 MW-Anlage soll sich an Schwankungen im Netz der erneuerbaren Energien anpassen können.

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(Bild: Siemens)

Ab nächstem Jahr soll „Block Fortuna“ in einer Kombination aus Gasturbine, Dampfturbine und zusätzlicher Wärmenutzung elektrische und thermische Energie für die Düsseldorfer Stadtwerke liefern. Herzstück der Anlage ist eine Gasturbine (SGT5-8000H), die Siemens in seiner Berliner Niederlassung fertigte. Sie habe die gleiche Leistung wie 22 Jumbojet-Triebwerke und wiege so viel wie ein vollgetankter Airbus A380, heißt es in einer Pressemitteilung. Zusammen mit einer nachgeschalteten Siemens-Dampfturbine (SST5-5000) wird das Kraftwerk in Düsseldorf eine elektrische Leistung von rund 595 MW in einem Block erreichen. Damit leistet es mehr als jede bestehende Anlage seiner Art. Der elektrische Wirkungsgrad des Kraftwerks wird erstmals über 61 % betragen – der bisherige Rekord des ebenfalls von Siemens gebauten GuD-Kraftwerks „Ulrich Hartmann“ im bayerischen Irsching liegt bei 60,75 %. Die Abwärmeenergie soll in einem weiteren Prozess für die Fernwärmeversorgung der Stadt Düsseldorf zur Verfügung stehen. Die dafür entnommene thermische Energie von 300 MW konnte ebenfalls nie zuvor von einem einzigen Gasturbinen-Kraftwerksblock erzeugt werden.

Von Null auf Volllast in 30 Minuten

Insgesamt besitzt das Düsseldorfer Kraftwerk mit seiner Inbetriebnahme einen Gesamtnutzungsgrad des Brennstoffs Erdgas von 85 %. Bezogen auf den Emissionsdurchschnitt der weltweiten Stromerzeugung wird das Kraftwerk jährlich rund 700.000 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht etwa dem Ausstoß von 350.000 Pkw mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern. Um aber wirtschaftlich arbeiten zu können, braucht es laut Siemens mehr als diese technischen Highlights. Nur wenn Block Fortuna unter Volllast arbeitet, erzeugt es rentabel Energie. Der fränkische Konzern erklärt: „Technisch betrachtet sind effiziente Gaskraftwerke wie dieses zwar die ideale Technologie für eine Volkswirtschaft mit stetig wachsendem Anteil erneuerbarer Energien, wie sie Deutschland im Rahmen der Energiewende plant. Denn Stromschwankungen bei Wind und Sonne müssen schnell ausgeglichen werden – und darin wird Block Fortuna ein wahrer Meister sein. Innerhalb von 30 Minuten nach dem Start kann es bereits unter Volllast gefahren werden.“

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Allerdings rechnet sich Strom aus GuD-Kraftwerken in Deutschland wegen der momentanen Marktbedingungen kaum. Denn im Energiewendeland nutzen derzeit viele wegen niedriger Rohstoffkosten und wegen der extrem niedrigen Preise für CO2-Emissionszertifikate vornehmlich Kohle – statt dem wesentlich umweltfreundlicheren Erdgas – zur Verstromung. „Viele Gaskraftwerke produzieren hierzulande deshalb im Jahr nur 1.000 bis 2.000 Stunden lang Strom. Für einen wirtschaftlichen Betrieb sind im Normalfall jedoch mindestens 3.000 Stunden notwendig“, weiß Olaf Kreyenberg, bei Siemens Energy Leiter des Kraftwerksvertriebs für Europa und verantwortlich für die Vertriebsaktivitäten beim Projekt Lausward.

„Um ein GuD-Kraftwerk in Deutschland rentabel laufen zu lassen, brauchen Sie derzeit mehr als eine reine Stromproduktion.“ Kreyenberg erklärt, wie Siemens bei Block Fortuna diesem Problem aus dem Weg geht. „Um ein GuD-Kraftwerk in Deutschland rentabel laufen zu lassen, brauchen Sie derzeit mehr als eine reine Stromproduktion. Sie benötigen eine gesicherte Abnahme der Prozesswärme, um die Betriebsstunden in einen wirtschaftlichen Bereich führen zu können. Genau das wird in Düsseldorf der Fall sein, dank eines der größten Fernwärmenetze Deutschlands. Damit kommt das Kraftwerk auf eine Auslastung von etwa 5.000 Stunden im Jahr.“

Mit Fernwärme die Trumpfkarte ausspielen

„Bei uns passen die Rahmenbedingungen optimal“, bestätigt SWD-Gesamtprojektleiter Rainer Tröger. „Das Kraftwerk wird auf einem seit den 1950er-Jahren bestehenden Kraftwerksstandort errichtet – ein Großteil der notwendigen Infrastruktur ist also bereits vorhanden, wie zum Beispiel das Fernwärmenetz oder der direkte Anschluss an das 110-Kilovolt-Netz der Stadtwerke. Insbesondere die Wärmeversorgung wird hier in Zukunft auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen.“ Trotz der Wirtschaftlichkeit, die Block Fortuna auszeichnet: Als Blaupause für den GuD-Markt in Deutschland dient die Anlage nicht. „Ein derartiges Kraftwerk, das neben Strom auch eine gesicherte Abnahme der Wärme hat, etwa dank eines großen Fernwärmenetzes oder einer großen Industrieanlage, ist nur an ganz wenigen Standorten in Deutschland möglich“, erläutert Kreyenberg. Um die Leistungen des Kraftwerks in Düsseldorf auch möglichst lange auf Weltrekordniveau halten zu können, haben Siemens und die Stadtwerke Düsseldorf sich auf die Fortsetzung ihrer Partnerschaft auch nach der Übergabe beschlossen: „Wir möchten die Düsseldorfer auch zukünftig dabei unterstützen, stets das Beste aus ihrer Anlage zu machen. Etwa indem wir mit neuen Innovationen auch weiterhin die Effizienz steigern“, sagt Kreyenberg. Das System kann auf die zukünftigen Anforderungen des Energiemarktes reagieren.

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