Steuerungs- und überwachungsanlagen Spezialschiffe brauchen individuelle Automatisierungskonzepte mit ausgereiften Komponenten

Autor / Redakteur: Renate Klebe-Klingemann, technische Redakteurin, Wago / Wolfgang Leppert

Öl- und Gastanker müssen als Transporteur von Gefahrgut neben den üblichen Schiffszulassungen vielfältige Vorschriften einhalten, speziell zum Explosionsschutz. Daraus erwachsen auch besondere Anforderungen an die Antriebssteuerung und Alarmüberwachung. Marine Technik aus Schwentinental bei Kiel rüstet Schiffsneubauten mit individuellen Steuerungen und Überwachungsanlagen aus. Dabei setzen die Spezialisten für Schiffsautomation auf das modulare Wago-I/O-System sowie erprobte Eigenentwicklungen.

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Marine Technik rüstet Spezialschiffe wie LPG-Carrier mit Steuerungs- und Überwachungstechnik aus
Marine Technik rüstet Spezialschiffe wie LPG-Carrier mit Steuerungs- und Überwachungstechnik aus
( Archiv: Vogel Business Media )

Um Spezialschiffe wie Öl-, Chemikalien- und Gastanker mit Automations- und Schaltanlagen ausrüsten zu können, braucht es viel Know-how. So müssen, neben den einschlägigen Schiffszulassungen, internationale Standards zur Konstruktion und Ausrüstung sowie zum Umweltschutz eingehalten werden. Eberhard Hoffmann war lange Zeit bei der HDW-Werfttochter HDW/Salzgitter-Elektronik für den Vertrieb und Export von Schiffsautomationsanlagen zuständig. Vor mehr als 30 Jahren knüpfte er erste Kontakte nach Asien und erhielt daraufhin Aufträge aus China und Korea sowie jüngst aus Brasilien.

1992 gründete der erfahrene Geschäftsmann die Firmen Marine Technik und EH-Trading in Raisdorf bei Kiel, die sich auf die Planung und Herstellung von Schiffsautomations- und Schaltanlagen spezialisiert haben. Später übernahm man den Bereich Schiffsautomation der HDW/Salzgitter-Elektronik und führte das Produkt „Abgastemperaturmessanlage Deguscan“ der Degussa-Sensycon weiter. Heute projektieren und bauen dort erfahrene Ingenieure Hauptantriebssteuerungen, Alarmüberwachungsanlagen, Anti-Heeling-Systeme sowie Tankmess- und Ventilsteuerungsanlagen, basierend auf Komponenten wie dem Wago-I/O-System, Marine-PCs sowie eigenen Entwicklungen.

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Wartungsfreie Automatisierungslösungen für ein ganzes Schiffsleben

Die meisten Schiffstypen haben eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Während dieser Zeit sollen die Automationsanlagen wartungsfrei funktionieren. Für Marine Technik macht es kaum einen Unterschied, ob Antriebe wie Dieselmotoren, Verstellpropeller, Wendegetriebe oder Wasserjets gesteuert und überwacht werden müssen. Die meisten Anlagen werden auf Basis von speicherprogrammierbaren Steuerungen und einer Vielzahl an Profibus-DP-Kopplern mit I/O-Modulen individuell realisiert. „Der Einsatz des Wago-I/O-Systems hat für uns viele Vorteile“, erläutert Eberhard Hoffmann. „Zum einen ist das System für den Schiffsbetrieb zertifiziert, etwa vom GL (Germanischer Lloyd), LRS (Lloyds Register of Shipping), KR (Koerean Register of Shipping), NKK (Nippon Kaiji Kyokai) und anderen Klassifikationsgesellschaften. Zum anderen können wir alle Signale — auch die aus den explosionsgefährdeten Bereichen — über normale und eigensichere I/O-Module direkt anschließen. Zusatzeinrichtungen wie Zener-Barrieren sind nicht erforderlich.“

Der LPG-Tanker (Liquified-Petroleum-Gas-Tanker) ist ein gängiger Schiffstyp unter den Gastransportern. Je nach Bauart wird das flüssige Petroleumgas (LPG) in reinen Drucktanks, reinen Kühltanks, in einer Kombination daraus oder in einer Kombination mit höherer Kühlleistung für Äthylen gelagert. Damit das Gas bei 20°C verflüssigt, muss es sehr hohem Druck ausgesetzt werden — die Wände dieser Tanks haben eine Stärke zwischen 8 und 20 cm. Für die Schiffsautomatisierung spielen daher neben der Antriebssteuerung auch die Überwachung der Betriebszustände und die Alarmierung eine wichtige Rolle.

Große Vielfalt unterschiedlichster Signale wird auf engstem Raum gemanagt

Ein Projekt, das Marine Technik für Hyundai Mipo realisierte, war die Automation von vier neuen LPG/NH³-Tankern mit einem Ladevolumen von je 35.000 m³. Die Experten projektierten und entwickelten umfangreiche Anlagen zur Überwachung des Lade- und Entladevorgangs. Wago-Knoten mit rund 2.000 I/O-Modulen am Profibus-Koppler sammeln hierfür die Signale von Temperaturfühlern, Druckmessern und anderen Sensoren im Ex- und Non-Ex-Bereich ein. Der I/O-Knoten übergibt die Messwerte an die SPS des Alarm-Monitoring-Systems. Einige Signale werden über Kleinschaltrelais im Stecksockel mit einer Breite von 6 mm aus der Produktgruppe Jumpflex galvanisch getrennt. „Da auf so einem Schiff sehr viele Signale auf kleinstem Raum verarbeitet werden müssen, macht sich die kompakte Bauweise der Komponenten schnell bezahlt. Zudem sind sie leicht zu montieren und zu verdrahten“, erklärt der Firmengründer.

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