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Effizienzversicherung Vollkasko für das Blockheizkraftwerk

| Redakteur: Robert Weber

Die Energiewende macht es möglich. Nicht nur klassische Automatisierungsunternehmen entdecken eine neue Branche für sich und bieten Lösungen an, auch die Finanzwelt als Kapitalgeber und die Versicherungswirtschaft haben den Markt für sich entdeckt. Die Einsparversicherung ist der erste Schritt.

So funktioniert das Versicherungsprodukt Energie-Einsparversicherung.
So funktioniert das Versicherungsprodukt Energie-Einsparversicherung.
(Bild: Vogel Business Media)

Oliver Wieczorek hat viel zu tun. Die Energiewende und die Chancen für die Versicherungswirtschaft sind seine Themen. Die Anfragen von Versicherern und Kunden nehmen seit einigen Monaten stark zu – viele haben Gesprächsbedarf. Der Senior Underwriter für Technische Versicherungen bei der Hannover Rück, einem der größten Rückversicherer weltweit, und Spezialist für Energieeinsparungen arbeitet mit Partnern an neuen Versicherungslösungen.

Die Branche ist elektrisiert, denn ein Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro steckt in Energieeffizienzmaßnahmen in der Industrie. An diesem Markt wollen die Assekuranzen mitverdienen. Zusammen mit Malte Johannes vom Hildesheimer Beratungsunternehmen Klima Protect bietet Wieczorek als erstes Unternehmen eine Energieeinsparversicherung an. Die Hannover Rück hat das Produkt ursprünglich in den USA ins Leben gerufen und nun auch für die deutschen Kunden modifiziert und seit einigen Monaten am Markt platziert. „In den Vereinigten Staaten liegt der Fokus der Versicherung seit etwa zwei Jahren auf dem Wirkungsgrad einer Investition. Wir gehen noch einen Schritt weiter“, verspricht Wieczorek. Die Kunden von Wieczorek und Johannes sind die Erstversicherer, die über ihren Vertrieb nah an den Unternehmen sind. Profitieren von dem Produkt sollen der Verkäufer der Einspartechnik und sein Kunde.

Die Versicherung zahlt auch bei Installationsfehlern

Georg Franz ist von der Hannover Rück so ein definierter Versicherungsnehmer. Er verkauft Blockheizkraftwerke. Seine Kunden sind nicht die Großkonzerne, sondern stammen wie er aus dem Mittelstand. Die Bereitschaft zu Investitionen war in der Vergangenheit zwar da, doch Franz musste viel Überzeugungsarbeit leisten, bis der skeptische Geschäftsführer den Kaufvertrag unterzeichnete. Das kostete ihn oft viel Zeit und Geld. Mit der Einsparversicherung könnte sich das ändern, heißt es in Hannover.

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Die Versicherungsunternehmen versprechen ihren Kunden zukünftig finanzielle Entlastungen und sollte das Blockheizkraftwerk von Franz nicht zu den versprochenen Kostenreduktionen bei seinem Kunden führen, dann springt die Versicherung ein und erstattet dem Anwender den Fehlbetrag. In der Vergangenheit musste Franz darüber hinaus für seine Garantierklärung Rückstellungen bilden. Das entfällt mit der Versicherung und eröffnet ihm Investitionsspielräume für neue Produkte oder Services. Für Franz Kunden heißt das auch: Sollte der Blockheizkraftwerks-Bauer in einigen Jahren insolvent sein, greift ebenfalls die Versicherung. Dazu kommt: „Die Police sichert nicht nur den Wirkungsgrad ab, sondern leistet auch bei Installations- oder Planungsfehlern einen finanziellen Ausgleich, sofern das Energieeinsparziel nicht erreicht wird“, erklärt Wieczorek. Für Franz wäre die Police somit ein Siegel, mit dem er auch um neue Kunden werben könnte. „Mit der Versicherung schaffen wir zusätzliches Vertrauen zwischen Anbieter und Anwender“, ist Johannes sicher, der sich mit seinem Unternehmen Klima Protect nicht als Wettbewerber zu den klassischen Versicherungsvertrieben und Maklern versteht, sondern als ergänzender und spezialisierter Berater für diesen neuen Versicherungsbereich.

Internationalisierung des Produkts

Die Versicherung als Siegel – dafür muss Franz im Vorfeld aber auch Informationen liefern. Die Versicherungskonzerne unterziehen das Unternehmen einer Risikoanalyse, bewerten die projektierten Effizienzmaßnahmen durch eigene Sachverständige und berechnen die Prämie auch in Abhängigkeit von der Laufzeit eines Investments und dem Selbstbehalt durch den Unternehmer. „Wir nutzen auch externe Sachverständige, wenn wir beispielsweise Anwendungen versichern, die mit mehreren Dutzend Einzelmaßnahmen eine hohe Komplexität aufweisen – Stichwort Wechselwirkungen“, so Wieczorek.

Die Niedersachsen stehen in den Startlöchern und führen Gespräche mit den Erstversicherern. Doch in Hannover und Hildesheim sind die Verantwortlichen von dem Erfolg des Projekts überzeugt. Eine Internationalisierung des Produkts ist aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Ausland in Planung und es werden in diesem Zusammenhang noch exklusive Partner für angrenzende europäische Länder gesucht . „Wir analysieren zurzeit den italienischen, niederländischen, österreichischen und Schweizer Markt“, verrät Wieczorek. Vor allem der Schritt gen Italien, Schweiz und Österreich klingt vielversprechend, denn die Staaten planen ähnliche Gesetzgebungen wie Deutschland.

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