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Energiemanagement Wärme doppelt nutzen

| Redakteur: Carina Schipper

Zement gehört innerhalb der Baustoffe zu den Bindemitteln. Vermischt mit Kies, Sand und Wasser wird daraus einer der häufigsten Baustoffe: Beton. Die Herstellung von Zement erfordert hohe Temperaturen und kostet viel Energie. Die Zement- und Kalkwerke Otterbein verwenden die Wärme zweifach.

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Mit der Neukonzeption der Klinker-Kühleranlage werden laut Otterbein etwa 200° C mehr Abwärme zurückgewonnen.
Mit der Neukonzeption der Klinker-Kühleranlage werden laut Otterbein etwa 200° C mehr Abwärme zurückgewonnen.
(Bild: Otterbein)

Durch verschiedene Maßnahmen und die Verbesserung der Produktionsprozesse spart das Vogelsberger Unternehmen jährlich insgesamt 5.027.746 kWh Energie, mehr als 800 t Braunkohle und senkt den CO2-Ausstoß um etwa 2.000 t im Jahr. Für die Umsetzung der Ziele investieren die Zement- und Kalkwerke rund 500.000 Euro. Ein Ansatzpunkt liegt in der Klinkerkühlanlage, die bei der Zementproduktion zum Einsatz kommt. Diese baute ein weltweit führender Anlagenbauer im Bereich Klinkerkühlung um. Durch die neue Technologie „Smart Clinker Cooling“ zählt Otterbein zu den Vorreitern in der deutschen Zementindustrie, heißt es in einer Pressemitteilung. Dr. Christian W. Müller, Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für den Bereich Unternehmensentwicklung, erklärt, was hinter dem neuen Konzept steht: „Klinker ist ein Hauptbestandteil des Zements und wird bei einer Temperatur von 1.450° C gebrannt. Danach muss er schnellstmöglich abgekühlt werden. Bei diesem Kühlprozess nutzen wir die entstehende Abwärme, um sie in den Drehofen zu leiten und dort als Energiequelle für das Brennen des Klinkers einzusetzen.“ Die Temperatur spielt dabei eine wichtige Rolle. Je höher die Grad-Zahl der Wärme, die in den Ofen geleitet wird, desto mehr Energie lässt sich einsparen. Durch die Änderungen an der Kühleranlage gewinnen die Zement- und Kalkwerke Otterbein bei der Klinkerkühlung ab sofort etwa 200° C mehr Abwärme zurück. „Um diese Energievorteile optimal ausnutzen zu können, wurde auch der Drehofenbrenner erneuert.“, heißt es aus Großenlüder-Müs. Durch diese Maßnahme sinkt der Wärmebedarf in der Drehofenanlage. Die Verbesserung der Klinkerkühlung zieht eine Ersparnis von 3.721.600 kWh pro Jahr nach sich.

Seinen Kalk ins Trockene bringen

Ein weiteres Projekt, das der Betrieb in diesem Jahr verwirklichen will, beinhaltet die Optimierung der Kalksteintrocknung: „Vor der Weiterverarbeitung wird der Kalkstein in Silos zwischengelagert, die bislang unter freiem Himmel stehen. In den nächsten Monaten werden wir die Silos komplett überdachen und die Kalksteine damit vor Niederschlag schützen. Dadurch senken wir den Feuchtegehalt der Kalksteine um rund 50 % – pro Jahr müssen dadurch rund 1.800 t weniger Wasser in den Kalköfen verdampft werden“, weiß Klaus Kulozik, Leiter Produktion und Technik. Das Energiesparpotential in diesem Bereich beläuft sich auf 1.306.146 KWh innerhalb eines Jahres. „Beide Maßnahmen sind das Ergebnis des Energiemanagementsystems, das wir seit 2012 gemäß ISO 50001 umsetzen. Dabei prüfen wir kontinuierlich mögliche Verbesserungspotentiale im Energiebereich und setzen diese in die Tat um, wenn immer es möglich ist“, berichtet Dr. Müller.

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