Automatisierungstechnik

Wege aus der Krise

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Sind die Auftragsrückgänge in allen Ländern gleich?

Sondermann: In Ländern wie Holland oder auch Schweden, wo das Business sehr stark von OEM abhängig ist, haben wir natürlich deutlich größere Rückgänge in den Auftragseingängen als in Ländern wie beispielsweise Großbritannien, wo der Markt sehr Endkunden-betrieben ist. Dort haben wir deutlich geringere Umsatzrückgänge. Damit gibt es Länder in der SEW-Gruppe, die im Moment einen stabilen Markt haben. Die Krise ist nicht nur ein lokales Problem in Deutschland, es ist eine globale Krise, die sich allerdings unterschiedlich ausprägt. Sehr stark betroffen ist Europa, und das ist schon ein Sorgenkind für mich. Deutschland und die benachbarten europäischen Länder haben als Export-Länder einen ganz großen Anteil an den negativen Auswirkungen dieser globalen Krise zu tragen.

Wie nehmen Sie die Krise in Asien oder anderen Märkten wahr?

Sondermann: In Asien merkt man in gewissen Bereichen, ich denke da an den Bergbau und die Stahlindustrie, deutliche Rückgänge. Viele dieser großen Stahlwerke haben im Moment Liquiditätsprobleme. Wir haben das in dieser Branche im Dezember und Januar insbesondere in Indien und China auch deutlich gemerkt. Lagen in China seit 2000 die jährlichen Wachstumsraten bei größer 30%, so rechnen wir für die SEW-Gruppe für das laufende Geschäftsjahr zwar mit einem Wachstum, allerdings im einstelligen Prozentbereich.

Gibt es noch einen amerikanischen Markt?

Sondermann: Der amerikanische Markt ist natürlich insgesamt sehr schwierig, auch für SEW, weil wir als ein deutsches Unternehmen, wenn auch mit lokaler Präsenz, ja einen ganz anderen Marktanteil vor Ort haben, als wir es von anderen Ländern gewohnt sind. Wir gehen dort von deutlichen Umsatzrückgängen aus.

Wollen Sie an allen Ihren Standorten festhalten?

Sondermann: Selbstverständlich. Wir haben diese Jahre der Krisen immer wieder mal gehabt. Ich denke an die Asienkrise, an die Russlandkrise oder an die Südamerikakrise, wo wir auch damals überlegt haben, uns aus dem Markt zurückzuziehen, bei Auftragseingangseinbrüchen von größer 50%, aber schon verhältnismäßig gut etablierten Strukturen. Alle Wettbewerber haben sich zurückgezogen. Nach einer Durststrecke von anderthalb bis zwei Jahren haben wir heute eine dominante Marktstellung. Wir sind die einzigen, die in den lateinamerikanischen Ländern geblieben sind, die den Markt und den Kunden vor Ort die Möglichkeit gegeben haben, selbst wieder Aufbauarbeit zu leisten, und das ist etwas, das vergisst ein Markt nicht. Es hat sich bestätigt, wir haben jetzt in diesen Ländern eine viel größere Basis geschaffen und somit eine Eintrittsbarriere für unseren Wettbewerb.

Wie sieht die Auftragslage in den südamerikanischen Ländern jetzt aus?

Sondermann: Wir merken im Moment auch einen Auftragseingangsrückgang in den großen Märkten, also Brasilien, Argentinien und Chile, aber bei weitem nicht so hoch wie in West- und Osteuropa oder Nordamerika. Auch wenn diese Länder nicht ganz frei von den Auswirkungen der globalen Krise bleiben werden, rechne ich für SEW in diesem Jahr und diesen Märkten mit Wachstum. Dieses leite ich auch aus unserem Engagement in dortigen Schlüsselbranchen und -industrien ab, wie zum Beispiel der Zuckerindustrie und der abgeleiteten Herstellung von Ethanol.

Wie versuchen Sie, die Krise zu bewältigen?

Sondermann: Zunächst einmal bin ich davon überzeugt, dass wir an das was SEW groß gemacht hat, diesen Blick auf das Ganze beibehalten müssen. Das heißt zum einen: klare Rationalisierungsprogramme mit dem Ziel der Liquiditätssicherung fahren. Hieran orientieren sich all unsere weltweiten Ergebnissicherungsprogramme. Zum anderen müssen neben diesen defensiven Maßnahmen strategische Aufbauarbeiten für die Phase nach der Krise stattfinden. Wir treiben Innovation weiter voran und dank der guten finanziellen Basis und der Eigenkapitalstruktur von SEW können wir trotz der Ergebnissicherungsmaßnahmen, wozu auch ein Einstellungsstopp gehört, weiterhin in strategierelevante Schlüsselpositionen investieren.

Werden Sie neue Geschäftsfelder betreten?

Sondermann: Die Krise wird einen Paradigmenwechsel liefern, nichts mehr wird so sein wie vor der Krise. Produkte werden sich ändern, Entscheidungswege werden sich ändern, die Volumina der unterschiedlichen Märkte und Branchen werden sich ändern – und hier passt sich die SEW bereits frühzeitig an. Hier untersuchen wir natürlich auch weitere Geschäftsfelder, die nach der Krise eine ganz neue Aufmerksamkeit erzielen werden, hier ist das Thema „Elektromobilität“ zu nennen.

(ID:295518)