Automatisierungstechnik

Wege aus der Krise

16.04.2009 | Redakteur: Reinhold Schäfer

SEW-Geschäftsführer Hans Sondermann: „Ich erwarte in diesem Jahr – auch für SEW – kein Wachstum. Wir gehen davon aus, dass wir das für das vergangene Jahr angepeilte Umsatzniveau von zwei Mrd. Euro auch im nächsten Jahr nicht schaffen werden. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 rechne ich vielmehr mit einem Umsatzrückgang.“ Bilder: Schäfer
SEW-Geschäftsführer Hans Sondermann: „Ich erwarte in diesem Jahr – auch für SEW – kein Wachstum. Wir gehen davon aus, dass wir das für das vergangene Jahr angepeilte Umsatzniveau von zwei Mrd. Euro auch im nächsten Jahr nicht schaffen werden. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 rechne ich vielmehr mit einem Umsatzrückgang.“ Bilder: Schäfer

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Die derzeitige Wirtschaftskrise macht sich auch bei erfolgreichen Antriebstechnikherstellern bemerkbar. Wir sprachen mit Hans Sondermann, Geschäftsführer bei der SEW Eurodrive GmbH & Co. KG in Bruchsal, über mögliche Auswege aus der Krise und damit verbunden über neue Geschäftsmodelle.

Herr Sondermann, SEW ist ja als erfolgreiches Unternehmen bekannt. Wie war denn die Entwicklung im vergangenen Jahr?

Sondermann: Die Entwicklung im letzten Jahr war analog den fünf, sechs Jahren zuvor von Wachstum gezeichnet. Trotz der Krise, die im Laufe des Geschäftsjahres – bei uns beginnt das Geschäftsjahr im März und geht bis Februar – auch bei SEW deutlich zu spüren war, hatten wir im ersten Halbjahr ein so enormes, überproportionales Wachstum, dass wir das Geschäftsjahr 2008/2009 wieder erfolgreich abschließen konnten. Wir haben unser Ziel von zwei Mrd. Euro leicht verfehlt, konnten aber dennoch ein Wachstum von knapp acht Prozent hinlegen, was im Rahmen der Abschwächung, die sich schon im September 2008 abzeichnete, ein sehr gutes Ergebnis darstellt.

Wie sieht es denn mit Ihrem derzeitigen Auftragseingang aus?

Sondermann: Der Auftragseingang ist überproportional eingebrochen im Vergleich zum Umsatz. Er ist momentan deutlich zweistellig im Minus.

Wie hoch war der Auftragseingang im vergangenen Jahr?

Sondermann: Der Auftragseingang war im ersten Halbjahr des letzten Geschäftsjahres bei nahezu plus 16 Prozent und ist bis Ende Februar 2009 auf plus 0,2 Prozent gegenüber Vorjahresniveau gesunken. Daraus kann man ableiten, dass wir jetzt im März, mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs mit einem deutlichen Minus starten. Die Vergleichsmonate im Vorjahr, der März und der April 2008, waren allerdings auch Rekordmonate.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Sondermann: Ich erwarte in diesem Jahr – auch für SEW – kein Wachstum. Wir gehen davon aus, dass wir das für das vergangene Jahr angepeilte Umsatzniveau von zwei Mrd. Euro auch im nächsten Jahr nicht schaffen werden. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 rechne ich vielmehr mit einem Umsatzrückgang. Ich hoffe, dass der Rückgang nur im einstelligen Prozentbereich liegen wird, wobei für das erste Halbjahr ein deutlich höherer Rückgang erwartet wird. Der Tiefpunkt wird um die Sommerzeit kommen. Ich gehe davon aus, dass viele Unternehmen, somit auch unsere Kunden, die Sommermonate nutzen werden, um zu schließen. Das werden dann die Monate mit den Tiefstwerten an Auftragseingang sein.

Was wollen Sie tun, um das auszugleichen?

Sondermann: Man kann ganz pauschal sagen, es wird Einschnitte für alle geben, und zwar in unserem globalen Netzwerk. Das heißt auch, dass wir uns, auch im Ausland, zeitweise von unseren Leiharbeitern trennen müssen. Zur Sicherung der Beschäftigung unseres Stammpersonals werden wir weiterhin mit höchster Priorität die gesamte Prozesslandschaft optimieren. Denn wir haben sehr viele Synergien in unserem Netzwerk. Zum Beispiel: Wenn wir heute in fast jedem unserer weit über 50 Montagewerke zwei bis drei Disponenten haben, die eigenverantwortlich die Teile disponieren, die aus unseren zentralen Produktionsstätten kommen, werden wird dies zukünftig clustern. Denn wir brauchen nicht mehr in jedem Land diese Funktionen. Wir beginnen in diesen unterstützenden Funktionen einen Prozess der Rezentralisierung.

Es ist also nicht angedacht, das Konzept der dezentralen Montage aufzugeben?

Sondermann: Nein, wir werden nie überlegen, ob wir das Konzept der dezentralen Montage aufgeben denn dieses Konzept hat eine unschlagbare Markt- und Kundenbedienungsfunktion. Dienstleistung und Betreuung müssen auf der ganzen Welt lokal erfolgen, deshalb heißt unser Slogan „SEW is the most local global drive supplier“. Im Bereich von Unterstützungsprozessen kann das anders aussehen. Wir haben zum Beispiel entschieden, dass wir ein Kompetenzcenter in Skandinavien für die Anwendungstechnik in unserem schwedischen Werk gründen und reduzieren auf der anderen Seite damit Overheads in Finnland, in Dänemark und in Norwegen. Darüber hinaus werden wir unsere Montageprozesse ständig weiter optimieren, um die Kosten weiter zu senken.

Wann rechnen Sie mit einer Besserung der wirtschaftlichen Lage?

Sondermann: Ich stelle mich mit allen planerischen Aktivitäten darauf ein, dass wir im Kalenderjahr 2009 keine Wende der Krise erleben werden. Die Krise mag vielleicht in den Sommermonaten Juli bis September, Oktober ihren Tiefpunkt erreichen, aber eine Geschäftsbelebung, die als ein Krisenende gedeutet werden könnte, erwarte ich nicht.

In welchen Werken haben Sie Kurzarbeit geplant?

Sondermann: Wir haben ein europäisches Ergebnissicherungsprogramm definiert, das nach der Implementierung in Deutschland als Headquarter nun, auf alle europäischen Werke ausgerollt wird. Allerdings differenziert, denn beispielsweise ist das Thema Kurzarbeit in Deutschland festgeschrieben; auf ganz Europa ausrollen können sie es nicht, weil die lokalen gesetzlichen Vorschriften unterschiedlich sind. Aber jeder lokale Geschäftsführer der SEW-Gruppe hat den Auftrag, zu prüfen, inwieweit es ein Instrument gibt, das dem der Kurzarbeit hier in Deutschland entspricht.

 

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