Anbieter zum Thema
Also auch Elektromotoren für Fahrzeuge?
Sondermann: Ja, auch Elektromotoren für Fahrzeuge ist definitiv für uns im Moment ein strategisches Untersuchungsfeld für die Zukunft, wo wir entsprechende Ressourcen bereitgestellt haben und auch weiterhin bereitstellen werden. Schließlich liegen diese Untersuchungsfelder sehr nahe an unserer Kernkompetenz.
Stellen Sie hier auch Ingenieure ein?
Sondermann: Der Bereich der Elektromobilität ist sehr komplex, deshalb bedarf es zusätzlicher Ressourcen, die wir als strategierelevante Schlüsselpositionen besetzen, was somit kein Widerspruch zu der Einstellungsstopp-Aussage ist.
Ist die Akkumulatorentechnik auch ein Thema für SEW?
Sondermann: Nein, wir forschen nicht im Bereich der Batteriesysteme. Dies ist zu weit weg von unserer Kernkompetenz.
Ist da eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen angedacht?
Sondermann: Wenn Sie im Bereich der Elektromobilität erfolgreich sein wollen, wenn Sie dem Druck aus der Automobilbranche schnelle Resultate zu liefern, gerecht werden wollen, kommen Sie um eine Zusammenarbeit mit den Automobilisten gar nicht drum herum. Deshalb stellen in dieser Geschäftsfeld- und Machbarkeitsanalyse Themen wie Partnerschaften und Joint Ventures keine Tabus dar.
Was ist für Sie eines der zukunftsträchtigen Technikthemen?
Sondermann: Anlehnend an das Thema Elektromobilität haben wir auf der Hannover-Messe auf dem Robocup-Stand einen mobilen Roboter, bei dem die Energieversorgung über eine Bodenmatte geregelt ist. Das Thema berührungslose Energieübertragung ist eins der Highlights von SEW auf der diesjährigen Hannover-Messe. Wenn man letztes Jahr den Robocup gesehen hat, wie genial das auf der einen Seite ausgesehen hat, konnte man auch verfolgen, dass auf der anderen Seite häufig das Problem aufkam, dass die Roboter nicht mehr wollten, weil die Batterien leer waren, also ein Energieversorgungs-Thema. Wenn Sie heute sagen, Sie brauchen den Roboter nicht mehr an Kabel setzen, keine Batterien oder Speicher mehr einsetzen, sondern die laufen auf einem Energieteppich, was einem Fußballfeld gleicht, dann sind das typische Ausprägungsformen von den Dingen, die wir in Zukunft mitgestalten wollen. Ausprägungen von Elektromobilität.
Mit wem arbeiten Sie hier zusammen?
Sondermann: Das ist eine hundertprozentige Kernkompetenz von SEW, die in ein strategisches Geschäftsfeld von morgen aufgeht. Im Bereich applikationsbezogener Systeme sind bereits in der Vergangenheit Lösungen auf der Basis unseres Movitrans-Konzeptes in Entwicklungspartnerschaften entstanden, so zum Beispiel im Bereich der Flughafenlogistik mit der Firma Beumer.
In welchen Branchen ist der Rückgang jetzt am stärksten? Ist die Automatisierung weniger stark betroffen?
Sondermann: Also die Tatsache, dass die Automatisierung nicht von der Krise betroffen ist, sehe ich gar nicht. Sie mag vielleicht nicht so hart getroffen werden, aber wir sind quasi mittendrin. Alleine deshalb, weil die Automation am Gesamtexport von Deutschland einen dominanten Anteil hat. Und der Exportmarkt bricht wegen der globalen Krise in Deutschland dramatisch ein.
Ich glaube aber auch daran, dass es nicht so dramatisch sein wird wie im Standardkomponentengeschäft, alleine auch deshalb, weil die Unternehmen, die natürlich das Kapital und die liquiden Mittel haben, die Krise nutzen werden, um Automatisierungskonzepte und Optimierungspotenzial zu identifizieren, um sich besser aufzustellen. Das ist es auch, wofür ich bei unseren Kunden werbe, denn es darf nicht sein, dass in einer Krise die Unternehmen diese Aufgabe vernachlässigen.
Das heißt also, Sie haben auch für Ihre Kunden einen Ausweg gefunden aus der Krise oder können sie unterstützen?
Sondermann: Wir haben sicherlich neue Produkt-, Applikations- und Systemlösungen, die dem Kunden heute im Sinne von Total-Cost-of-Ownership eine deutlich optimierte, bessere Lösung geben.
Können Sie da ein Beispiel nennen?
Sondermann: Zum Beispiel im Rahmen mechatronischer Lösungen, wo sie letztendlich eine weitaus intelligentere Optimierung aller Systeme bieten. Genau das gleiche gilt, wenn Sie von der Komponenten-Ebene in das Lösungs- oder System-Geschäft blicken. Hier bieten wir ja bereits seit letztem Jahr unter der Marke Maxolution offene Ansätze für Komplettlösungen. In diesem Jahr stellen wir unter Variolution Pakete für gelöste Applikationen vor. Im Rahmen dieser Pakete bündeln wir nicht nur gezielt Komponenten, auch der Anwender kann damit seine Logistik- und Bestellprozesse optimieren.
Herr Sondermann, SEW hat aktuell am Standort Bruchsal in ein neues Montagewerk investiert – wie weit ist denn der Stand der Dinge und was versprechen Sie sich davon, jetzt wo die Krise da ist?
Sondermann: Das ist kein normales Fertigungs- und Montagewerk, wie wir es aus dem SEW-Netzwerk kennen. Es ist ein ganz anderes Werk, es ist ein Großgetriebewerk, also für unser strategisches Produktportfolio der Industriegetriebe. Das heißt, hier werden die größeren Dimensionen der Getriebe produziert und montiert. Baugrößen ab 127 oder, wenn man vom Drehmomentbereich ausgeht, von 18 000 bis weit über 500 000 Nm, also das sind dann nicht mehr die Getriebemotoren, sondern Einheiten, die mehrere Tonnen wiegen und bewegen.
Sie haben aber nach dem Status gefragt: Das Gebäude steht, und zwar auf einem speziell für die Produktion von tonnenschweren Industriegetrieben ausgelegten Fundament, der Bau des Hochregallagers wurde gerade abgeschlossen, jetzt beginnen wir mit den Installationsarbeiten. Wir haben leider ein bisschen Zeit durch den kalten Januar verloren, aber Fakt ist es, dass im Juni die ersten Großgetriebe dort montiert werden.
Gilt der Rückgang auch für diesen Bereich?
Sondermann: Wenn ich von einem schrumpfenden Umsatz ausgehe, dann nicht auf dem Feld der Industriegetriebe. Die Industriegetriebe sind nach wie vor bei uns der Produktbereich, der deutlich wächst. Der größte Markt ist Asien-Pazifik und deshalb ist auch dort unser größtes Produktionswerk, aber selbst hier in Europa merken wir auch, nachdem wir die IGX-Reihe letztes Jahr vorgestellt haben, was für eine enorme Nachfrage da ist, und wir werden auch dieses Jahr, in diesem Krisenjahr auch für Deutschland, im Industriegetriebebereich in Deutschland-Europa wachsen, nicht zuletzt durch eine Lieferperformance aus unserem neuen Werk in Bruchsal, mit einem Alleinstellungsmerkmal.
Worauf führen Sie das zurück, dass es gerade auf dem Markt für SEW noch weiter geht?
Sondermann: Ein Punkt ist sicherlich, dass wir am Industriegetriebemarkt als ein quasi Nachfolger mit einem sehr attraktiven Produkt- und Dienstleistungsportfolio sowie einem leistungsstarken globalen Netzwerk erfolgreich Wettbewerbsverdrängung realisieren können. Zum anderen sehe ich die für Groß- und Industriegetriebe spezifischen Applikationen und Branchen gerade in den Schwellenländern nicht in einem Schrumpfungsprozess. Hier partizipieren wir sowohl in Europa durch unsere global aufgestellte OEM-Kundschaft als auch in Ländern wie China oder Südafrika (Minengeschäft), wo wir eine hohe Reputation und Marktdurchdringung haben.
(ID:295518)