Konjunktur aktuell Deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs

Quelle: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung 3 min Lesedauer

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Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr trotz höherer Energiepreise erholt. Vor allem die steigende Auslandsnachfrage gab der Konjunktur Rückenwind. In den kommenden Quartalen dürften zudem höhere staatliche Investitionen die wirtschaftliche Entwicklung stützen.

Auszug aus den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2025 bis 2028.(Bild:  IWH)
Auszug aus den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2025 bis 2028.
(Bild: IWH)

Nach der Herbstprognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird das Bruttoinlandsprodukt 2026 voraussichtlich um 1,4 % und 2027 um 0,8 % wachsen. In Ostdeutschland dürfte die Erholung etwas schwächer ausfallen. Noch im Juni hatten die IWH-Konjunkturforscher für Deutschland in beiden Jahren ein Wachstum von jeweils 0,9 % erwartet. 

Weltwirtschaft bleibt auf Expansionskurs

Gesamtwirtschaftliche Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2025 bis 2028.(Bild:  IWH)
Gesamtwirtschaftliche Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2025 bis 2028.
(Bild: IWH)

Im Spätsommer 2026 befindet sich die internationale Konjunktur auf Expansionskurs. Ein wesentlicher Treiber sind die Investitionen im Zusammenhang mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz. Sie konzentrieren sich vor allem auf die USA. Davon profitieren insbesondere Länder und Unternehmen, die wichtige Investitionsgüter für diese Entwicklung produzieren.
Der Erdölpreis ist infolge des Golfkonflikts gestiegen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt er jedoch – auch dank der geringeren Nachfrage aus China – niedriger als während früherer Energiekrisen. Die gestiegenen Energiepreise treiben die Inflation. Daher ist damit zu rechnen, dass die Leitzinsen in den USA und im Euroraum in den kommenden Quartalen angehoben werden.
Die Finanzpolitik ist in beiden Wirtschaftsräumen 2026 leicht expansiv ausgerichtet. 2027 dürfte sie restriktiver werden. Insgesamt sind die Aussichten für eine stabile Weltkonjunktur dennoch gut, da sich der Boom rund um die Künstliche Intelligenz voraussichtlich fortsetzen wird. Eine stärkere Beschleunigung ist allerdings nicht zu erwarten. In den besonders stark wachsenden Industrien sind die Produktionskapazitäten bereits weitgehend ausgelastet.

Exporte treiben deutsche Konjunktur

„Die deutsche Konjunktur befindet sich auf Erholungskurs“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH.Im zweiten Quartal 2026 ist das Bruttoinlandsprodukt zum dritten Mal in Folge merklich gestiegen. Wie bereits im Vorquartal war dafür vor allem die Entwicklung der Exporte ausschlaggebend. Diese waren seit Anfang 2023 zunächst über längere Zeit rückläufig.

Die Zahl der Erwerbstätigen geht jedoch weiterhin zurück – besonders deutlich im Verarbeitenden Gewerbe. Der Wirtschaftszweig befindet sich damit nach wie vor in einer Krise. Wertschöpfungs- und Exportzahlen zeigen allerdings, dass einige Unternehmen von der derzeit starken internationalen Nachfrage profitieren.

Bei den übrigen Komponenten der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist im ersten Halbjahr noch kaum eine Erholung erkennbar. Der private Konsum wird durch die Kaufkraftverluste infolge der gestiegenen Energiepreise belastet. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen lagen im zweiten Quartal zudem weiterhin kaum über ihrem Niveau von vor zweieinhalb Jahren.Auch das Niedrigwasser des Rheins beeinträchtigt die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Seit Mitte August sind die Pegelstände jedoch wieder gestiegen. In den kommenden Quartalen dürfte sich die expansive Finanzpolitik zunehmend in höheren staatlichen Investitionen niederschlagen. Für eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung sprechen zudem die zuletzt deutlich verbesserten Stimmungsindikatoren, darunter die ifo Geschäftserwartungen.

Energieversorgung bleibt zentrales Risiko

„Ein Konjunkturrisiko speziell für Deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise“, so Oliver Holtemöller. Das weltweite Angebot an Flüssiggas ist durch den weitgehenden Ausfall katarischer Lieferungen stärker verknappt als das Angebot an Erdöl. Gleichzeitig ist Europa auf Erdgasimporte angewiesen, während die Lagerbestände im Vergleich zu den langjährigen Durchschnittswerten niedrig sind.Darüber hinaus bleibt die Erholung in Deutschland fragil, weil sie bislang weitgehend von der Auslandsnachfrage getragen wird. Diese könnte rasch wieder nachlassen – etwa, wenn der Boom rund um die Künstliche Intelligenz abflacht oder deutsche Anbieter weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

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