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E-Mobility Elektroautos fahren künftig mit Siemens-Motoren

Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Beim Motor des Elektroautos ist es nicht einfach getan, den Verbrennungsmotor gegen den Elektromotor auszutauschen. Andere Anforderungen erfordern fast ganz neue Konzepte. Der E-Maschinenbauer und der Autobauer, beide müssen künftig eng zusammen arbeiten.

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Siemens und Volvo Car Corporation wollen bei der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. Für den Typ Volvo C 30 Electric werden elektrische Antriebstechnik, Leistungselektronik und Ladetechnik gemeinsam weiterentwickelt. Schon Ende 2011 sollen die ersten Fahrzeuge mit Siemens-Motoren Tests absolvieren, ab Ende 2012 wird Volvo eine Testserie von bis zu 200 Autos für die Siemens-interne Testflotte zur Verfügung stellen. <em id="ForP_A2208CC0-99D3-D21B-E98544C04989072B">Bilder: Siemens</em>
Siemens und Volvo Car Corporation wollen bei der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. Für den Typ Volvo C 30 Electric werden elektrische Antriebstechnik, Leistungselektronik und Ladetechnik gemeinsam weiterentwickelt. Schon Ende 2011 sollen die ersten Fahrzeuge mit Siemens-Motoren Tests absolvieren, ab Ende 2012 wird Volvo eine Testserie von bis zu 200 Autos für die Siemens-interne Testflotte zur Verfügung stellen. <em id="ForP_A2208CC0-99D3-D21B-E98544C04989072B">Bilder: Siemens</em>
( Archiv: Vogel Business Media )

Es gibt ihn seit über 100 Jahren, man hat ihn millionenfach gebaut und einer seiner Urahnen trieb 1905 ein erstes Auto ohne Verbrennungsmotor an: Der Elektromotor hat eine lange Tradition. Dennoch muss man ihn für die globale Herausforderung Elektromobilität gänzlich anders bauen, soll er bis 2020 eine Million PKWs in Deutschland voranbringen. Einfach den Benziner gegen einen ausgereiften Elektromotor auszutauschen, das geht so einfach nicht. „Man sollte nicht gerade mit dem weißen Blatt, aber doch mit einem wenig beschriebenen Blatt Papier anfangen, und zusammen mit den OEMs und Automobilherstellern die Anforderungen definieren, um den besten Elektroantrieb zu entwickeln“, erklärt Michael Valentine-Urbschat. Als CEO der Siemens-Geschäftseinheit „Inside e-Car“ verantwortet der Diplom-Ingenieur die Entwicklung des elektrischen Antriebsstrangs der Siemens Division Drives Technologies.

Bei Siemens gab es schon Vorarbeiten

Der Elektrokonzern hat erst jüngst eine Entwicklungspartnerschaft mit dem schwedischen Autobauer Volvo bekanntgegeben. Ziel ist es, den Volvo C30 Electric zu entwickeln und als wegweisendes Automobil in Großserie zu fertigen. Wichtig ist eine solche Zusammenarbeit, weil beim Auto der Antriebsstrang mehr ist als nur der Motor, er gilt als Schlüsselkomponente. „Der Antriebsstrang fängt bei der Batterie und der dazugehörigen On-board Ladetechnologie an und geht über die Leistungselektronik, den Umrichter bis zur E-Maschine. Zur E-Maschine gehören das Getriebe und die Abtriebswellen“, beschreibt Michael Valentine-Urbschat die Zusammenhänge. Einen Antriebsstrang im Auto serienreif zu bekommen, das dauert durchaus drei bis vier Jahre. Beim Volvo C30E ist man da schon weiter. Siemens hat schon Vorarbeiten in Sachen Antriebsstrang in petto. „Im Entwicklungszentrum in Erlangen können wir auf vorhandene Entwicklungen für den Antriebsstrang zurückgreifen“, sagt der Siemens-CEO. Die Entwicklungsmannschaften sitzen nicht nur am Hauptsitz der Geschäftseinheit in Erlangen, sondern sind über ganz Deutschland verteilt. Erste Entwickler gibt es auch an Standorten in China.

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Zentraler Elektromotor steht im Fokus

Den genauen Zeitpunkt, wann ein Elektroauto auf den Markt kommt, legt allein der Automobilbauer fest. Das werde nicht allein durch den Reifegrad der E-Maschine bestimmt, sagt Valentine-Urbschat: „Sie müssen das Gesamtfahrzeug entwickeln, die jeweilige Zulassung erhalten und dann mit der Serie punktgenau starten. Das heißt: Sie müssen zum richtigen Zeitpunkt in der Prototypenphase bzw. der Integrationsphase einsteigen und sich genau mit dem Automobilbauer abstimmen. Wir orientieren uns an den Entwicklungsstufen der Fahrzeugbauer, die über die Serienreife des Autos entscheiden.“ Das definiere jeder Autobauer für sich, Volvo anders als BMW und dieser wiederum anders als Daimler. Für die derzeit schon serienreifen Elektro-PKWs begann die Entwicklung vor etwa drei, vier Jahren.

Für den Elektromotor im Auto gelten andere Anforderungen, als an seinen industriellen Bruder. Muss man im Auto für den kleinsten Bauraum, den zuverlässigsten Antrieb mit dem geringsten Gewicht herstellen. Über die Details gibt Siemens wenig Auskünfte. Das sei etwa genauso wie bei den Verbrennungsmotoren, meint Michael Valentine-Urbschat. So informiere BMW auch erst dann über seinen Direkteinspritzungs-12-Zylindermotor, wenn dieser fertig entwickelt sei, und es ihn zu kaufen gebe. Müsse man doch befürchten, dass ein anderer Autobauer Anregungen in seine Entwicklung einfließen lassen könnte. Auch bei den elektrischen Motoren gebe es einen Konkurrenzkampf der stärksten Spieler für diesen kommenden großen Markt. „Wir werden nicht unsere Detailkonzepte auf den Tisch legen“, wehrt er gezielte Anfragen ab.

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