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Leitfaden Künstliche Intelligenz in kleinen Schritten einführen

| Redakteur: Katharina Juschkat

Ein Standpunktpapier der Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik soll gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei helfen, Künstliche Intelligenz in die Produktion einzuführen. Der Leitfaden ist online kostenlos verfügbar.

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Prozesse statt Daten in den Vordergrund stellen – mit diesem neuen Ansatz will die WGP einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil für die deutsche Industrie schaffen.
Prozesse statt Daten in den Vordergrund stellen – mit diesem neuen Ansatz will die WGP einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil für die deutsche Industrie schaffen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik e.V. (WGP) – ein Zusammenschluss deutscher Professoren der Produktionstechnik – hat in Zusammenarbeit mit der Industrie einen Handlungsleitfaden für Unternehmen entwickelt, die sich für Künstliche Intelligenz (KI) interessieren. Der Leitfaden zeigt, wie sie in kleinen und beherrschbaren Schritten ihre Produktion smarter machen.

Prozesse statt Daten in den Vordergrund rücken

Publikationen zur KI gibt es bereits viele – das Standpunktpapier von WGP soll sich aber in einem wichtigen Punkt unterscheiden: „Wir verfolgen erstmals einen nicht datengetriebenen, sondern einen prozessgetriebenen Ansatz“, erklärt Prof. Jörg Krüger, Hauptautor des Standpunktpapiers. Das ist ein großer Unterschied. Unternehmen schauten in der Regel nach den Daten, die sie gesammelt haben und versuchen daraus, neue Erkenntnisse zu ziehen. Die Professoren aber schauen sich die Prozesse an, die sie gut kennen.

„Und daraus leiten wir ab, wo wir gezielt Daten erfassen müssen und wo KI gezielt eingesetzt werden kann, um Prozesse zu optimieren. Damit wird die Integration von KI in die Produktion deutlich effizienter“, so Krüger weiter. Nicht zuletzt berge der neue Ansatz einen spezifisch deutschen Wettbewerbsvorteil, denn genau mit diesem Prozesswissen hebt sich die deutsche Industrie von der internationalen Konkurrenz ab.

KI in der Bildverarbeitung bereits im Einsatz

So werden schon heute frappierende Leistungssteigerungen etwa in der Bilderkennung mittels neuronaler Netze erzielt. Mithilfe von KI-Technologien können Maschinen mitunter Bilder schneller erkennen als das menschliche Auge. „In der Bilderkennung können die neuen Methoden schon heute die Wertschöpfung deutlich erhöhen“, erklärt der Professor. Durch Prozesswissen gelingt es beispielsweise, gezielt Potenziale zur Assistenz des Menschen zu identifizieren, bei denen die rein datengetriebene Perspektive aufgrund geringer Datenmengen keine Lösungsoptionen aufzeigt.

Ein Beispiel ist die automatisierte Bauteilerkennung in der Intralogistik, bei der große Bilddatenmengen häufig erst über Jahre entstehen und dennoch bei sorgfältiger Analyse der Prozesse und darauf aufbauender gezielter Datengewinnung schon nach kurzer Zeit leistungsfähige Assistenzfunktionen bereitgestellt werden können.

Künstliche Intelligenz in kleinen Schritten einführen

Ein sehr häufig genanntes Anwendungsbeispiel von Künstlicher Intelligenz bzw. von maschinellem Lernen – einem Teilbereich der KI – ist dabei die vorausschauende Wartung und Instandhaltung von Maschinen und Anlagen. „Diese sogenannte Predictive Maintenance allein birgt schon enormes Einsparungspotenzial. Doch sie macht nur einen kleinen Teil des gesamten Spektrums möglicher Anwendungen aus“, weiß Krüger. Das zeigen nicht zuletzt 20 Projekte aus der WGP-Forschung. „Die im Standpunktpapier präsentierten Beispiele helfen Unternehmen dabei, eine ganze Bandbreite von KI-Technologien zielgerichtet einzuführen, um ihre Prozesse, Maschinen und Anlagen effizienter zu machen.“

Dass Künstliche Intelligenz ein riesiges Wertschöpfungspotenzial für das produzierende Gewerbe birgt, zeigen mehrere Untersuchungen. Eine 2018 veröffentlichte Studie im Auftrag des BMWi etwa sagt für diesen Sektor bis zum Jahr 2023 ein zusätzliches KI-induziertes Wachstum von 31,4 Milliarden Euro voraus. Mit dem WGP-Standpunktpapier „KI in der Produktion“ sollen auch kleine und mittelständische Unternehmen konsequent und gleichzeitig in beherrschbaren Schritten diese Potenziale für sich heben.

Das Standpunktpapier ist online kostenlos einsehbar.

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