Erfindung

Mit Solarpanels gegen Aids

| Redakteur: Robert Weber

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Bild: kjdkdjf jdkjfd jjjfdkslkdjf ffdjsk (Bild: African Union Mission in Somalia)

Südlich der Sahara infizieren sich 60 Prozent der Patienten während der OP mit einer todbringenden Krankheit. Zwei Ingenieure und ein Betriebswirt kämpfen dagegen. Ein Rucksack zum Sterilisieren von OP-Besteck soll helfen. Die Energie kommt aus Solarpanels.

Vier Stunden sind sie im alten Jeep schon unterwegs. Über staubige Pisten rollt der Toyota durch die afrikanische Wildnis, aufgeregtes Affengeschrei aus dem Straßenrand übertönt das Röhren und Nageln des Land Cruisers. Bisher ließ er sie nie im Stich. Im Gepäck hat das Ärzteteam Medikamente, Verbandsmaterial und einen OP-Rucksack, eine Erfindung aus Deutschland. Raphael Schönweitz kennt Afrika, kennt die Probleme und träumt von einer Lösung. Der Ingenieur für erneuerbare Energien und seine zwei Partner Philipp Odernheimer und Martin Reh haben einen Rucksack entwickelt, der es Ärzten ermöglicht, auch ohne Elektrizität OP-Besteck nach EU-Standard zu sterilisieren. "Rund 70 Prozent der Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu Strom. Das erschwert Operationen auf dem Dorf", erklärt Schönweitz, der Tansania bereiste und schockiert war über die hygienischen Zustände bei medizinischen Eingriffen.

Einfache Operationen können das Todesurteil für viele Patienten sein, denn durch verunreinigtes OP-Besteck werden gefährliche Bakterien und Viren übertragen. Aids durch eine OP ist leider keine Seltenheit. Das Startup Rucksackspende aus Kassel will Leben schenken. Der Sterilisationsapparat kommt mit einem Tragesystem der Firma Deuter und lässt sich so in ländlichen Regionen schnell und einfach einsetzen. Die Entwickler verbauten eine Wasseraufbereitung mit Filter und Destillation, eine Vorrichtung zum Reinigen und Desinfizieren und eine Schublade zum Sterilisieren von Operationsbesteck.

Das kleine Kraftwerk erhitzt das Wasser auf über 123 Grad

Schönweitz denkt an Afrika. Endlich sind sie da. Der weiße Geländewagen biegt in das Dorf ein. Kinder jagen ihm hinterher und begrüßen die Docs, wie sie die Ärzte nennen. Der kleine Mamadou hat sich beim Spielen verletzt. Seine Wunde muss genäht werden. Kein schwieriger Eingriff für die erfahrenen Mediziner. Der Fahrer schleppt den Rucksack zum Brunnen und schließt das Sterilisationsgerät an die Wasserversorgung an und pumpt das Nass in den Rucksack.. Keimbelastetes Wasser aus Brunnen, Flüssen oder Seen ist kein Problem für die Entwicklung. Danach klappt er das Solar-Kraftwerk des Rucksacks runter und die thermischen Kollektoren laden sich in der Sonne auf. Eine kleine Solarzelle liefert die Energie für die Steuerungstechnik. Die zur Verfügung stehende Solarstrahlungsenergie unterliegt Schwankungen. Damit das vorgesehene Leistungsvermögen der einzelnen Aufbereitungsprozesse dennoch bei jedem Prozessdurchlauf erreicht werden kann, wird die benötigte Energie innerhalb des Geräts gespeichert – ohne Akkus, wie Schönweitz stolz verspricht.

Das Geheimnis der Speicherung will er aber nicht verraten. Man sei in der Patentanmeldung. Erst wenn der Rucksack genügend Energie aufgenommen hat, ist der Prozessstart möglich. Dies wird dem Nutzer visuell angezeigt. Das garantiert eine sichere Aufbereitung der Instrumente. An bewölkten Tagen oder während der Regenzeit ist auch eine gasunterstützte Betriebsführung möglich. An diesem Morgen ist es heiß und stickig, die Sonne strahlt mit voller Kraft, die Luft glüht förmlich. Durch die Filtration und Destillation ist das Wasser frei von Schwebstoffen größer 0,3 μm. Eine Keimreduktion auf 10-6 ist das Ergebnis. Mit dem gereinigten Wasser können jetzt Skalpelle, Scheren und Nadeln für Mamadous Operation vorbereitet und sterilisiert werden. Die feuchte Hitze von über 123 Grad reinigt das Besteck innerhalb von 15 Minuten, versprechen die Jungunternehmer. Bis zu 4 kg OP-Werkzeug können Ärzte damit täglich säubern. Das gebrauchte Wasser sammelt das System in einem Tank unter dem Rucksack und muss dann entsorgt werden. Es kann, wenn auch stark verdünnt, mit Keimen aus der Reinigung und Desinfektion belastet sein. Zurück in Kassel.

Noch müssen die Ärzte auf die Technik aus Deutschland warten. Mamadou muss mit einem mitgebrachten OP-Set genäht werden. Die Marktreife des Rucksacks ist für Mitte 2016 terminiert. Bis dahin arbeiten die drei Erfinder in ihrer Werkstatt an Verbesserungen und versuchen die Technik sehr einfach zu gestalten und wenig Elektronik zu verbauen. "Einfachheit ist der Schlüssel für die Akzeptanz des Produkts", ist Schönweitz überzeugt. Nur wenn die Technik keine Verzögerungen oder Probleme verursacht, würde sie eingesetzt. Nachvollziehbar, auch für Menschen, die täglich mit Technik zu tun haben. Zahlreiche Jurys haben die drei Hessen mit ihrem Rucksack, der Leben rettet, schon überzeugt. Startup-Preise häufen sich in dem kleinen Büro. Die Schecks lösen die Unternehmer sofort ein und investieren die Summen in Verbesserungen. Doch es mangelt an Kapital. Eine Crowdfunding-Aktion im Internet fordert die Netzgemeinde auf, das Geschäftsmodell Rucksackspende zu unterstützen. Unter www.startnext.de/rucksackspende können Sie das Projekt unterstützen.

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