Rittal

Schaltschranktechnik: Das Beste noch besser machen

| Autor / Redakteur: Hans-Robert Koch* / Ines Stotz

Mit „Rittal – Das System.“ entwickelte Rittal 2009 ein Systemprogramm aus aufeinander abgestimmten Gehäusen und Schaltschränken, Stromverteilungen, Klimatisierungstechnik, IT-Infrastrukturen sowie Software und Services. Heute ist der VX25 die Systemplattform.
Mit „Rittal – Das System.“ entwickelte Rittal 2009 ein Systemprogramm aus aufeinander abgestimmten Gehäusen und Schaltschränken, Stromverteilungen, Klimatisierungstechnik, IT-Infrastrukturen sowie Software und Services. Heute ist der VX25 die Systemplattform. (Bild: Rittal)

Noch vor einigen Jahrzehnten waren Schaltschränke nur einfache „Blechkästen“, die in Sonderanfertigung hergestellt wurden. Der erste Standard für die Serienfertigung wurde 1961 von Rittal-Gründer Rudolf Loh entwickelt.

Die Rudolf Loh KG, Elektrogerätebau – später Rittal – wurde am 1. April 1961 von Rudolf Loh gegründet. Neben dem damals schon bestehenden Unternehmen Hailo-Werk, das mit Haushaltsgeräten im Konsumgütermarkt etabliert war, sollte ein zweites Standbein in der Investitionsgüterindustrie geschaffen werden. Dabei rückte die Fertigung von Schalt-schränken in den Blick. Bis dahin hatte die elektrotechnische Industrie diese selbst gefertigt oder in externen „Blechwerkstätten“ herstellen lassen. Diese Einzelanfertigungen waren teuer, ihre Lieferzeiten lang und die Qualität schwankte. Die Idee des Vertreters eines nahegelegenen Elektrogroßhandels, Schaltschränke in Großserie zu bauen und als Standardprodukt anzubieten, schien Rudolf Loh deshalb aussichtsreich.

Der erste konkrete Bedarfsfall ließ auch nicht lange auf sich warten. Noch am gleichen Tag gab Loh die Serienfertigung von je zwei flachen Wand- und Standgehäusen frei: Dies war die Geburtsstunde des Schaltschranks als Serienprodukt. Weiterentwicklungen dieses „allerersten“ Typen, die Rittal in Großserie produzierte, hat das Unternehmen übrigens noch heute unter der Bezeichnung AE im Programm. Auch der Slogan von damals besitzt weiterhin Gültigkeit: „Den Schaltschrank, den Sie morgen brauchen, haben wir bereits gestern gebaut und heute schon abrufbereit am Lager stehen“. Die schnelle Verfügbarkeit von Produkten ist seit Beginn eines der Stärken von Rittal.

Reihenschaltschrank wird erfunden

Im Jahr 1969 vollzog Rittal wichtige Schritte auf dem Weg zum Weltunternehmen. Zum einen ist es das Jahr der Umfirmierung in die Rittal-Werke Rudolf Loh KG, nach dem Unternehmenssitz „Ritterhausen im Dietzhöltstal“. Zum anderen das einer weiteren signifikanten Erfindung: der des Reihenschaltschranks. Der erste modulare RS-Schaltschrank in Gerüstbauweise wurde vormontiert ausgeliefert. Als Zubehör gab es Verbindungsrahmen, Lochschienen, Trenn- und Seitenwände sowie gelochte Winkelprofile. Für den Anlagenbauer ergaben sich durch den RS enorme Vorteile beim individuellen Ausbau.

Das Jahr 1978 markiert einen weiteren Meilenstein in der Innovationsgeschichte von Rittal – diesmal ging es um die Oberflächenbehandlung von Schaltschränken. Stand der Technik war damals die Spritzlackierung, die den Nachteil hatte, dass Hohlräume häufig unlackiert blieben. Das neue Verfahren sah eine Eisenphosphatierung als Vorbehandlung und ein Ende der siebziger Jahre hochmodernes Elektrophorese-Tauchverfahren vor. So etwas gab es nur bei führenden Automobilherstellern. Und noch heute sind hochmoderne Oberflächenbehandlungen ein Alleinstellungsmerkmal von Rittal.

Mehr rund um den Schrank

Infolge der Industrieautomatisierung ergänzte Rittal in den folgenden Jahren sein Produktportfolio. Die Geschäftsbereiche Klima- und Stromverteilung kamen hinzu. Anfang der achtziger Jahre wurde eine eigene Geschäftseinheit aufgebaut, die mit Kompressorkühlgeräten und einem umfangreichen Zubehör neue Maßstäbe setzte. Die Entwicklung der ersten Stromverteilungs-Komponenten – kompatibel zu den jeweiligen Schaltschränken folgte bald.

Ein großer Meilenstein in der Schaltschranktechnik war die Erfindung des PS 4000 Anreihsystems im Jahr 1985. Bis heute millionenfach verkauft, wurde er zum Weltstandard. Konnte der RS schon mit Zubehör glänzen, so übertraf ihn der PS 4000 mit gut 60 Komponenten um ein Vielfaches. Es gab Mitte der achtziger Jahre nichts Vergleichbares im Markt.

Welche Möglichkeiten dieser Schaltschrank schon zur damaligen Zeit bot, beweist seine Variante als Datenverteiler, die nur vier Jahre später eingeführt wurde. Ein weiteres Mal kam die Anregung aus der Automobilindustrie. Das Schrankkonzept sollte für die Datentechnik mit entsprechendem Zubehör weiterentwickelt werden. Damit vollzog Rittal den ersten Schritt in ein völlig neues Marktsegment – die Informationstechnologie. Heute gilt Rittal als ein führender Anbieter für IT-Infrastrukturen. Dabei umfasst das Produktportfolio innovative IT-Lösungen vom IT-Rack über das modulare Rechenzentrum bis hin zu Edge und Hyperscale Computing Lösungen. Mit Partner wie ABB und HPE bietet Rittal heute schlüsselfertige, widerstandsfähige, mikro-modulare Datacenter – sogenante Edge Data Center –, die für raue Umgebungen entwickelt wurden und Kunden ermöglichen, Daten in Produktionsnähe in Echtzeit zu nutzen.

„Endlich unendlich Möglichkeiten“ mit dem Schaltschrank

In den neunziger Jahren wurde das marktführende System PS 4000 kontinuierlich weiter ausgebaut. 1999 löste das Rittal TS 8 Schaltschranksystem den PS 4000 aus der Pole Position ab und setzte erneut Maßstäbe. Der Slogan zur Markteinführung lautete: „Endlich unendliche Möglichkeiten“. Der Kern des Topschranks TS 8 ist das 16-fach profilierte, patentierte Vertikalprofil, das nicht nur eine hohe Stabilität, sondern zusätzlich eine zweite Montageebene bietet. Außerdem ist er symmetrisch in Bezug auf das Maßraster, was ein Anreihen in alle Richtungen und damit noch mehr Flexibilität ermöglicht.

Zu diesem Bestseller, der heute ein weltweiter Standard und millionenfach im Einsatz ist, gehört ein bis ins Detail durchdachter System- und Zubehörbaukasten. Das Programm „Rittal – Das System.’’ besteht aus auf einander abgestimmten Gehäusen und Schaltschränken, sicheren Stromverteilungen, energieeffizienter Klimatisierungstechnik, kompletten IT-Infrastrukturen sowie intelligenten Planungs- und Konfigurations-Tools und einem weltweiten Service. Damit lassen sich passgenaue Lösungen für die Energiehauptverteilung, industrielle Automatisierung, Gebäudeinstallation, Netzwerktechnik und Data Center erstellen.

Quantensprung für mehr Wirtschaftlichkeit

Innovationskraft beweist Rittal beispielsweise auch beim Thema Energieeffizienz. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre steht es ganz oben auf der Entwicklungsagenda. So stellte Rittal als erster Großserienhersteller alle Schaltschrank-Kühlgeräte auf FCKW-freie Kältemittel um, noch bevor es der Gesetzgeber forderte. Es folgte die Einführung einer innovativen Nanobeschichtung für die Wärmetauscherlamellen von Kühlgeräten, die leistungsmindernde Staubablagerungen dauerhaft vermeiden. Unter dem Namen Blue e+ brachte Rittal 2015 eine komplett neue Kühlgerätegeneration auf den Markt – ein Quantensprung in Sachen Wirtschaftlichkeit. Um die Energieeffizienz deutlich zu erhöhen, setzt Rittal erstmals auf ein innovatives, patentiertes Hybridverfahren. Neben der deutlich höheren Energieeffizienz von durchschnittlich bis zu 75 % gegenüber bisherigen Kühllösungen punkten die Geräte auch bei Flexibilität, Sicherheit und Handling.

Wartung und Service cloudbasiert

IoT in der Schaltschrank-Klimatisierung

Wartung und Service cloudbasiert

20.09.17 - Kühlgeräte und Chiller für die Schaltschrank-Klimatisierung sind heute mehr als nur Kühlaggregate. Sie können auch intelligent kommunizieren. Damit werden cloudbasierte IoT-Anwendungen für Monitoring und Service möglich. Das spart sowohl bei den Energiekosten als auch bei der Wartung. lesen

Daten, Software und Prozesse für Industrie 4.0

Auch bei der Diskussion um die Zukunft der industriellen Fertigung setzt Rittal Maßstäbe. Gemeinsam mit seinem Schwesterunternehmen Eplan, führender Software-Spezialist für mechatronisches Engineering, investiert das Familienunternehmen immens in die Bereitstellung von hochwertigen Produktdaten, die eine zentrale Rolle bei Wertschöpfungsprozessen nach Industrie 4.0 spielen – und genauso wichtig sind wie das reale Produkt selbst. Sie sind entscheidend für Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Inbetriebnahme. So müssen Produktdaten in den unterschiedlichsten Formaten zur Verfügung stehen. Dazu gehören etwa Planungsdaten für M-CAD und E-CAD-Systeme, aber auch kaufmännische Daten, die für Einkauf und Logistik von großer Bedeutung sind. Entscheidend ist eine möglichst hohe Durchgängigkeit der Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Planung bis zur Inbetriebnahme. Nur so ist es möglich, die Daten für alle Schritte nahtlos zu verwenden.

So bietet Rittal gemeinsam mit den Schwesterunternehmen Cideon und Eplan heute zukunftsweisende Lösungen für integrierte Wertschöpfungsketten im Steuerungs- und Schaltanlagenbau. Im Fokus stehen durchgängige Engineering-Tools, standardisierte Systemtechnik sowie automatisierte Bearbeitungsmaschinen, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Wertschöpfungsketten zukünftig noch effizienter zu realisieren. Mit dem neuen Geschäftsbereich Rittal Automation Systems erweitert Rittal seit 2015 sein umfangreiches Lösungsprogramm für den Steuerungs- und Schaltanlagenbau. Damit steht ein umfassendes Ausrüstungsprogramm für den professionellen Werkstatt-Betrieb zur Verfügung – von manuellen Werkzeugen bis zur vollautomatisierten Maschinentechnik.

Meilenstein der Automation: Vorgezeichnetes Fundament dank Eplan

E-CAD

Meilenstein der Automation: Vorgezeichnetes Fundament dank Eplan

30.05.18 - Seit gut 30 Jahren gibt es für Eplan eine Devise: Effizientes Engineering – vom gezeichneten Schaltplan über mechatronisches Konfigurieren und vernetzten Engineering-Welten hin zu künftig 100 % digitalisierten Projekten. Ob Schaltpläne, Fluidpläne oder die Kopplung zur Mechanik: Die Eplan Plattform schafft die Basis für die Integration. lesen

Weltneuheit: Großschranksystem VX25

Und die Entwicklungen gehen weiter: Nach fünf Jahren Entwicklungszeit feierte Rittal auf der Hannover Messe 2018 die Premiere seines neuen Großschranksystems VX25. Es ist das erste Schaltschranksystem, welches vollständig entlang den Anforderungen nach erhöhter Produktivität im Steuerungs- und Schaltanlagenbau und denen von Industrie 4.0-Wertschöpfungsketten entwickelt wurde. Mit dem Slogan „Perfektion mit System.“ verspricht Rittal einen deutlichen Innovationssprung, der durch breites Erfahrungswissen und intensiven Kundendialog möglich war. Der VX25 bietet maximale Datenqualität und Durchgängigkeit der Daten, reduzierte Komplexität sowie Zeitersparnis und Sicherheit in der Montage. Über 25 angemeldete Schutzrechte belegen den hohen Innovationsgrad.

Der Name VX25 ist Programm und steht für die Vielfalt an Möglichkeiten, das Erfüllen X-facher Kundenanforderungen und für eine perfekte Symmetrie durch ein übergreifendes, durchgängiges 25mm-Maßraster. Neu ist, dass nie zuvor ein Schaltschranksystem so konsequent und systematisch für den maximalen Kundennutzen entwickelt wurde. Der VX25 „tickt“, wie der Steuerungs- und Schaltanlagenbauer denkt und handelt: in Funktionen und Prozessen“.

Rittal zeigt neues Großschranksystem mit Kundennutzen

Schaltschrank

Rittal zeigt neues Großschranksystem mit Kundennutzen

24.04.18 - Rittal präsentierte auf der Hannover Messe 2018 nach fünf Jahren Entwicklungszeit das neue Großschranksystem VX 25. Der Schaltschrank soll sich wie kein System zuvor am Kundennutzen orientieren. lesen

Investition in Industrie 4.0-Fertigungen

Neben der permanenten Weiterentwicklung des Produktportfolios investiert Rittal als größtes Unternehmen der inhabergeführten Friedhelm Loh Group aktuell im großen Stil am Produktionsstandort in Haiger, Hessen. Bis 2018 soll dort auf einem „Green Field“ das weltweit modernste Produktionswerk für Kompaktgehäuse entstehen und die Edelstahl- und Schwarzblechproduktion auf neuen Maschinen starten – mit Industrie 4.0-Strukturen als Basis für hocheffiziente Produktions-, Logistik- und Kommunikationsprozesse. Mit der Großinvestition in den neuen Produktionsverbund bekennt sich Rittal klar zum Standort Deutschland – und zur Region.

Parallel dazu entsteht aktuell auf einem „Brown Field“ im Werk Rittershausen eine hoch-moderne Großschrankfertigung – ebenso nach den Prinzipien von Industrie 4.0. Im laufenden Betrieb installiert Rittal dort neue Hightech-Fertigungsstraßen für den neuen Großschrank VX25. Mit durchgängiger Digitalisierung von Prozessen und vollautomatisier-ten Profilier-, Schweiß- und Flachteilefertigungsanlagen richtet das Unternehmen seine Produktion auf Industrie 4.0 aus – ein Modell für alle Rittal Produktionswerke weltweit.

Die Friedhelm Loh Group ist mit 18 Produktionsstätten und 80 Tochtergesellschaften international erfolgreich. Die Unternehmensgruppe beschäftigt über 11.300 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Zum neunten Mal in Folge wurde das Familienunternehmen 2017 als Top Arbeitgeber Deutschland ausgezeichnet. In einer bundesweiten Studie stellten die Zeitschrift Focus Money und die Stiftung Deutschland Test fest, dass die Friedhelm Loh Group 2017 bereits zum zweiten Mal zu den bundesweit besten Ausbildungsbetrieben gehört.

Die Friedhelm Loh Group ist mit 18 Produktionsstätten und 80 Tochtergesellschaften international erfolgreich. Die Unternehmensgruppe beschäftigt über 11.300 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Zum neunten Mal in Folge wurde das Familienunternehmen 2017 als Top Arbeitgeber Deutschland ausgezeichnet. In einer bundesweiten Studie stellten die Zeitschrift Focus Money und die Stiftung Deutschland Test fest, dass die Friedhelm Loh Group 2017 bereits zum zweiten Mal zu den bundesweit besten Ausbildungsbetrieben gehört.

* Hans-Robert Koch, Gruppenleiter Produktkommunikation, Rittal, Herborn

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