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Solarenergie Über den Dächern von Barcelona

| Redakteur: Robert Weber

Die meisten Photovoltaikanlagen sind fest installiert. Die Solarkraftwerke können der Sonnenwanderung kaum folgen. Ein deutscher Jungunternehmer löst sich vom flachen Quadrat und setzt auf eine Kugel auf dem Dach oder in der Fassade.

Sogar aus Mondlicht kann die Kugel Energie gewinnen.
Sogar aus Mondlicht kann die Kugel Energie gewinnen.
(Bild: Rawlemon)

André Brößel lernte viel, experimentierte und forschte in einem Fraunhofer Spinoff zur Haustechnik und solaren Anwendungen. Seine Tochter spielte daheim mit Murmeln. Eines Tages legte das Kind eine Glasmurmel in einen Eierbecher und Brößel kam eine Idee. Der Diplom-Ingenieur nahm die Glasmurmel und entwickelte daraus ein neuartiges Solarkraftwerk eben in Kugelform. Die "raw lemon", rohe Zitrone, wird gehalten durch eine Stahlkonstruktion und die Kugel ist mit Wasser gefüllt. Der Clou: Eine zweiachsige Nachführung richtet die Plexiglaskugel immer optimal zur Sonne aus und die Strahlung trifft direkt auf ein Panel. Vorteil: Die Erfindung bündelt die Sonnenstrahlung – eine Riesenlinse sorgt für Energie. "Durch die Nachführung können wir immer im Brennpunkt der Linse den Strom gewinnen", erklärt Brößel im Telefongespräch. Der Hybridkollektor ermöglicht die Strom- als auch Wärmegewinnung. Die Linsen sind skalierbar von 50 mm bis 4250 mm Durchmesser, so der Wahlspanier, der in Barcelona an einer Industrieanwendung arbeitet und Partner für sein Projekt sucht. Brößel will vor allem mit dem Wirkungsgrad seiner Erfindung punkten, denn flache Photovoltaikanlagen können nur mit großem technischen Aufwand der Sonne nachgeführt werden.

Stolz ist er, denn selbst bei Mondlicht erzeugt das Kugelkraftwerk noch Strom. Über den Dächern von Barcelona hat Brößel ein Kugelkraftwerk mit einen Durchmesser von einem Meter und 524 l Wasser aufgestellt. Rund 700 kg wiegt die Anlage und ist ein Prototyp, der in der ganze Nachbarschaft bekannt ist. Durch die Sonnenkraft gewinnt der Techniker 1 kWh pro Tag. Dazu kommt die Wärme, die in einem Kreislauf mit konventionellen Speicher halten lässt. Brößel behauptet: Auch bei diffusem Licht bündelt die Linse noch genug Energie. Mit der Leistung kann der Ingenieur 15 Hemden bügeln oder 70 Tassen Kaffee kochen. Den Koffein-Schub braucht Brößel allerdings nur selten, denn immer neue Ideen kommen dem Erfinder. Er will die Kugeln für den heimischen Elektroflitzer, als Handyladestation oder in Fassaden von Bürohochhäusern oder Industriebauten installieren. "Das Fassadenpotential für solar nutzbare Flächen beträgt in Deutschland für uns 700 Mio. m²", erklärt der Entwickler. In den kommenden fünf Jahren soll ein Prozent der Fläche mit seinen Produkten ausgestattet sein. Der Vorteil: Im Gegensatz zu großen Solarparks, braucht die raw lemon nur wenige Solarzellen. Auch das Plexiglas und die Stahlkonstruktion sind wohl weniger aufwendig, wie bei klassischen Dachmodulen. Allein es fehlt der Industriepartner, sein Patent hat er schon angemeldet.