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Robotik Audi sucht neue Wege der Mensch-Roboter-Kollaboration

| Redakteur: Sariana Kunze

Roboter und Menschen müssen in den Fabriken der Zukunft noch enger zusammenarbeiten, um eine maximale Effizienz in der Montage zu erreichen. In Ingolstadt haben sich Audi und Ingenics der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) angenommen und wollen in Pilotprojekten neue Lösungen entwickeln.

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Ingenics und Audi arbeiten gemeinsam an Lösungen für eine neue Qualität der Mensch-Roboter-Kollaboration.
Ingenics und Audi arbeiten gemeinsam an Lösungen für eine neue Qualität der Mensch-Roboter-Kollaboration.
(Bild: Ingenics)

Die Weiterentwicklung der Fertigung im Zeichen von Industrie 4.0 muss den Einsatz von Robotern in enger Zusammenarbeit mit Menschen ohne aufwändige Schutzeinrichtungen ermöglichen, sodass sich Menschen und Roboter optimal und gefahrlos ergänzen. Bisher wurde, aus Sicherheitsgründen, strikt an einer Trennung der Arbeitsplätze von Mensch und Roboter festgehalten. Die Arbeitsbereiche waren in der Regel durch Sicherheitszäune abgegrenzt, um zu vermeiden, dass die Mensch-Roboter-Kollaboration zur Mensch-Roboter-Kollision werden konnte. Damit hat man aber auch darauf verzichtet, wesentliche Potenziale einer effizienten und reibungslosen Produktion auszuschöpfen. Im Zuge von Industrie 4.0 wird nun vielerorts über die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit neu nachgedacht. „Die MRK wird über weite Strecken neu organisiert werden müssen“, sagt Ingenics Project Manager Thomas Kleinbeck.

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Ohne neue Schutzkonzepte geht es nicht

Wo sich Mensch und Roboter heute „in die Quere“ kommen können, ist es üblich, dass die Maschine stoppt, sobald eine potenziell gefährliche Situation erkannt wird. In der Folge stockt die Produktion bzw. sie kommt vorübergehend ganz zum Erliegen. Während man über Industrie 4.0 diskutiert, mutet das geradezu anachronistisch an. „Damit können wir uns nicht länger zufrieden geben“, sagt Thomas Kleinbeck. „Wir brauchen dringend neue Schutzkonzepte, die eine enge Zusammenarbeit erlauben, ohne den produktiven Betrieb auszubremsen.“ Das System, so Thomas Kleinbeck, müsse aktuelle Tätigkeiten registrieren und anhand des Gesamtkontextes sowie der aktuellen Situation das Gefährdungspotenzial exakt beurteilen. „Die Standardisierung kontextorientierter Schutzsysteme und ihre Integration in intelligente Produktionsumgebungen sind die Voraussetzungen dafür, dass Roboter in gemischten Arbeitsumgebungen wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden können.“

Wenn sich Arbeitsbereiche von Mensch und Maschine überlappen, sind und bleiben verlässliche Schutzsysteme unverzichtbar. „Daran wollen und werden wir natürlich nicht rütteln“, sagt Thomas Kleinbeck. „Um die Produktion so effizient wie möglich zu gestalten und die Vorteile von Mensch und Roboter optimal zu verbinden, streben wir an, dass der Roboter zu keiner Zeit stillgelegt oder in seiner Tätigkeit zu sehr eingeschränkt werden muss.“ Durch das intelligente Zusammenspiel von Sensoren, Software und Leichtbaurobotern kann das Gesamtsystem alle Risiken berechnen und Schutzmaßnahmen – wie Ausweichen, Anpassen von Geschwindigkeiten und Bewegungsabläufen etc. – veranlassen.

Kein Stillstand mehr für den Roboter

Dr. Veit Rückel arbeitet als Fachprojektleiter MRK-Systeme bei Audi eng mit Ingenics zusammen.
Dr. Veit Rückel arbeitet als Fachprojektleiter MRK-Systeme bei Audi eng mit Ingenics zusammen.
(Bild: Audi)

Weil für so genannte cyber-physische Arbeitsumgebungen Konzepte nicht nur entwickelt, sondern auch implementiert werden und ihre Praxistauglichkeit beweisen müssen, hat man bei Ingenics einen umfassenden Kriterienkatalog erarbeitet, um MRK-Anwendungsfälle systematisch identifizieren, analysieren und bewerten zu können. Durch die Anwendung des Kriterienkatalogs auf die Montage werden aus einem Pool von möglichen Einsatzfeldern die potenziell realistischen Anwendungsfälle identifiziert und klassifiziert. Im ersten Schritt wurde eine Montagelinie bei Audi am Standort Ingolstadt mit dem von Ingenics entwickelten Tool bewertet. Die hohe Anzahl geeigneter Anwendungsfälle wurde in einem Ranking sortiert. Die bestgeeigneten wurden detaillierter untersucht und den Verantwortlichen bei Audi zur Entscheidung präsentiert sowie mehrere dieser Anwendungen, auf Basis einer übergreifenden Roadmap, in Pilotprojekten umgesetzt. „Audi möchte gerne zügig Anwendungen umsetzen“, sagt Key Account Manager Tobias Katai. „Mit der definierten Roadmap stellen wir sicher, dass einer schnellen Umsetzung nichts im Wege steht.“ Dr. Veit Rückel, Fachprojektleiter MRK-Systeme bei Audi, erklärt: „Die Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Ingenics war wegen der hohen Fachkompetenz der Berater sehr konstruktiv und zielführend. Sie hat dazu beigetragen, dass Audi in der Lage ist, bei MRK-Applikationen den ‚Vorsprung durch Technik‘ zu wahren, den sich das Management auf die Fahnen geschrieben hat.“

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