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Nachgefragt: 3 Experten zum Thema Industrielle Bildverarbeitung – Teil 1

Das Auge der Automatisierung

| Autor: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Industrielle Bildverarbeitung ist in der Produktion längst unverzichtbar und gilt nach wie vor als Schlüsseltechnologie für die Automatisierung und ebenso für die erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0. Denn wer vernetzt und automatisiert produzieren will, kommt um deren Einsatz nicht herum.

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Als ‚Auge der Produktion‘ muss die industrielle Bildverarbeitung heute die Anforderungen digital vernetzter, integrierter Produktionsabläufe flexibel und robust erfüllen.
Als ‚Auge der Produktion‘ muss die industrielle Bildverarbeitung heute die Anforderungen digital vernetzter, integrierter Produktionsabläufe flexibel und robust erfüllen.
(Bild: © Tatiana Shepeleva/Fotolia.com)

Wie soll Ihrer Meinung nach die Industrielle Bildverarbeitung fit für Industrie 4.0 und die Fabrik der Zukunft gemacht werden? Was sind die dringendsten Aufgaben? Wie stellt sich Ihr Unternehmen dafür auf?

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Dr. Simon Che’Rose (Framos): Bildverarbeitung wird sich in allen Industriebereichen und -anwendungen als integraler Teil der Robotik und Automatisierung in die Gesamtsysteme einbetten, Stichwort: Embedded Vision. Dementsprechend ist nicht allein die Funktionalität und Technologie der Bildverarbeitung an sich wichtig, sondern vor allem die Kollaboration und Konnektivität mit anderen Systemen wie Robotern, der SPS und verarbeitender Software. Das Potenzial liegt damit im Processing und der intelligenten Nutzung der Daten. Mit Deep-Learning-Algorithmen, Vernetzung in der Cloud und den enthaltenen Analysefunktionen kann Bildverarbeitung als Auge der Automatisierung zur qualitativen Selbststeuerung des Systems beitragen. Hier braucht es einheitliche Übertragungs- und Sicherheitsstandards sowie passende Schnittstellen. Framos als Systempartner vom Sensor bis zum System stellt dafür die passenden Komponenten und entwickelt Technologien, die sich individuell in den Anwendungskontext einbetten lassen. Unsere Kompetenz liegt dabei vor allem auf intelligenten Algorithmen sowie der Software und Usability. Vollintegrierbare Beispiele dafür sind unsere 3D-Tracking-Technologie für die Medizintechnik und die automatisierte Volumen- und Dimensionsmessung für die Logistik.

Oliver Senghaas (IDS): Wir sind überzeugt, dass die Bildverarbeitung eine Schlüsselrolle im Zusammenhang mit Industrie 4.0 spielen wird. Sie ermöglicht die digitale Abbildung der realen Produktionswelt und kann somit dabei helfen, alle Prozesse, auch die vor- und nachgelagerten, flexibel und effizient zu steuern. Wir beschäftigen uns daher intensiv damit, Anwendungen in ihrer Ganzheit zu erfassen und nicht nur in einzelnen Komponenten zu denken. Die Machine-Vision-Bausteine Kamera, Software und Embedded-PC oder Rechner verwachsen mehr und mehr zu einer einfach zu handhabenden Einheit. Hier bauen wir unser Fachwissen aus, gemeinsam mit Anwendern und Anbietern ergänzender Lösungen. Dabei gilt es zudem, die Technologien wie Schnittstellen, Sensorik usw. bestmöglich auszureizen. Datenmengen wachsen, Ansprüche an die Schnittstellenperformance steigen, entsprechend muss neue und leistungsstarke Technik frühzeitig integriert werden.

Dr. Olaf Munkelt (MVTec): Als ‚Auge der Produktion‘ muss die industrielle Bildverarbeitung, sprich IBV, heute die Anforderungen digital vernetzter, integrierter Produktionsabläufe flexibel und robust erfüllen. Geht es beispielsweise um die Interaktion mit einer neuen Generation von Robotern oder die Produktion mit kleinen Losgrößen, müssen sich entsprechende Applikationen schnell, flexibel und benutzerfreundlich erstellen, anpassen und ändern lassen. Ohne langes Training der einzelnen Aufgaben und ohne aufwändige Einrichtungsprozesse. Wir adressieren diese Anforderungen mit unserer Software Merlic. Damit lassen sich Komplettlösungen für Machine Vision, kurz MV, schnell zusammenstellen, ohne eine einzige Codezeile zu schreiben. Zudem müssen Bildverarbeitungslösungen heute sehr robust, zuverlässig und leistungsfähig sein, um den hohen Qualitätsanforderungen unterschiedlichster Branchen und Anwendungen zu entsprechen. Wir arbeiten deshalb stetig an einer Verbesserung der Robustheit unserer Produkte und Verfahren. Eine weitere wichtige Anforderung ist das immer stärkere Zusammenwachsen von IBV und SPS sowie die Etablierung zuverlässiger Standards. OPC UA etwa ist ein zukunftsweisender Standard zum Datenaustausch in M2M-Szenarien. Auch Bildverarbeiter können ihn relativ einfach nutzen. Deshalb unterstützen unsere Software-Produkte selbstverständlich OPC UA. Wir setzen uns auch dafür ein, dass die Standardisierung immer weiter vorangetrieben wird, sodass der Kunde flexibel standardisierte Komponenten nutzen kann. Wir arbeiten an wichtigen Standards für die industrielle Bildverarbeitung wie GigE Vision, GenICam und USB3 Vision mit, so engagieren wir uns beispielsweise als aktives Mitglied der GenICam Standard Group.

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Ist Chefredakteurin print/online bei elektrotechnik., elektrotechnik