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Technik Damals Der Rechenschieber kam von Aristo

Redakteur: Reinhard Kluger

Rechenschieber gelten als typisch für Ingenieure. Das Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Hamburg widmete diesem rechnerischen Hilfsmittel von Aristo eine eigene Ausstellung. Doch Dennert & Pape Aristo fertigte auch andere Messmittel und den ersten deutschen elektronischen Taschenrechner.

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Werbung der frühen Jahre: Stolz trägt der kleine König seinen Aristo-Rechenschieber. <em id="ForP_D55602C1-96CE-09F9-7A236CDF246F8913">Bild: Altonaer Museum </em>
Werbung der frühen Jahre: Stolz trägt der kleine König seinen Aristo-Rechenschieber. <em id="ForP_D55602C1-96CE-09F9-7A236CDF246F8913">Bild: Altonaer Museum </em>
( Archiv: Vogel Business Media )

Welche wegweisende Rolle die selbstständige Stadt Altona für die Vermessungsgeschichte des Nordens einst spielte, wissen nur wenige. So legte Altona neben Greenwich und Paris im 19. Jahrhundert eine eigene Nullmeridianlinie an, von der aus die Vermessung der Längengrade nach Osten und Westen erfolgte und moderne Chausseen sowie die erste Eisenbahn durch Schleswig und Holstein ermöglicht wurden. Dafür benötigte man Messinstrumente, wie sie Altonaer Firma Dennert & Pape seit 1862 herstellte: Maßstäbe, Wasserpegelmesser, Landvermessungsgeräte, Geodreiecke und eben auch Rechenschieber.

Skalen verschieben hilft berechnen

Der Rechenschieber war das berühmteste Produkt der Firma Dennert & Pape Aristo, der über 100 Jahre lang produziert und in alle Welt vertrieben wurde. Die Geschichte der praktischen Hilfe zum Rechnen ist schnell erzählt: Erfunden wurde der Rechenschieber im 17. Jahrhundert, der schottische Mathematiker John Napier und der Schweizer Uhrenmacher Jost Bürgi gelten als Wegbereiter. Durch das Verschieben von Skalen werden Berechnungen ganz unterschiedlicher Art erleichtert. Die Vielfalt der Anwendungen zeigte die Ausstellung anhand der Elemente „Feuer – Wasser – Erde – Luft“, mit Rechenschiebern, die den Heizkohlenverbrauch (Feuer), die Wasserdurchflussgeschwindigkeit durch ein Rohr (Wasser), die den Düngemittelbedarf (Erde) und die den Verbrauch von Kerosin für eine Flugstrecke (Luft) berechnen.

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Maßbeständiger Kunststoff war die Voraussetzung

Seit 1886 stellt Dennert & Pape patentierte Rechenschieber mit Furnier aus dem besonders maßbeständigen Kunststoff Celluloid her, ab 1935 wurde daraus ein Vollkörper aus Astralon, den man sich als Gebrauchsmuster schützen ließ. Mit dem charakteristischen gelben Streifen und dem Slogan „Aristo verleiht Überlegenheit“ wurde eine Kampagne entwickelt, die begleitet wurde von ausführlichen Anleitungen, Demonstrationsrechenschiebern für die Schultafel und einem fundierten Beratungssystem.

Taschenrechner brachten das Aus

Als schließlich die Elektronik in Form von Mikrochips den Taschenrechner möglich machte, konnte die Firma, die die Chips für ihre Aristo-Rechner nicht selbst herstellte, mit den Modellen aus Fernost und den USA nicht Schritt halten. Dieser technische Fortschritt bedeutete auch das Aus für den Rechenschieber. Die Taschenrechnerproduktion bei Dennert & Pape wurde durch die niedrigeren Produktionskosten in Fernost beendet.

Den Namen Aristo gibt es noch

Nach dem Ende der Rechenschieberfertigung wurden 1979 die übrigen Produktionsbereiche an die Firma rotring übergeben. Heute gibt es noch zwei Firmen, die mit dem Namen Aristo die Tradition weiter führen: die auf Schneid- und Stiftung Historische Museen Hamburg Stanzmaschinen spezialisierte Firma Aristo Graphic Systeme GmbH & Co. KG in Hamburg und in Wörgl/Österreich die aus einem Zweigwerk hervorgegangene Firma geotec, die Aristo Zeichengeräte sowie Werbetechnik und eine große Bandbreite an Gegenständen aus Kunststoff herstellt.

Forschungsvorhaben, Ausstellung und Begleitbuch wurden ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Familie Dennert. Die Ausstellung wurde unterstützt durch die Kulturbehörde Hamburg. Zum 150jährigen Firmenjubiläum gibt es einen Katalog (ca. 200 Seiten mit ca. 200 Farbabb., 29,90 Euro).

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