Interview eks Engel

Ein Unternehmer erzählt vom Anker wickeln und der Lichtwellenleitertechnik

| Autor: Sariana Kunze

1986 stieg eks Engel in die Lichtwellenleitertechnik ein.
1986 stieg eks Engel in die Lichtwellenleitertechnik ein. (Bild: gemeinfrei / CC0)

eks Engel ist ein traditionsreiches und wandlungsfähiges Unternehmen. Was einst vor über 80 Jahren mit Motor- und Ankerwickelei begann, ist heute ein Unternehmen, das sich auf Lichtwellenleitertechnik spezialisiert hat. Ralph Engel, Unternehmer in der dritten Generation, hat mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG in einem Interview über Meilensteine, Unternehmertum und Zukunft gesprochen.

elektrotechnik: Herr Engel, Sie sind Geschäftsführer in der dritten Generation des Familienunternehmens eks Engel und mit dem Unternehmen groß geworden. Welche Entwicklungen haben den Markt besonders geprägt?

Ralph Engel ist Unternehmer in der dritten Generation. Er übernahm bei eks Engel die operative Führung als das Unternehmen in die Lichtwellenleitertechnik einstieg.
Ralph Engel ist Unternehmer in der dritten Generation. Er übernahm bei eks Engel die operative Führung als das Unternehmen in die Lichtwellenleitertechnik einstieg. (Bild: eks Engel)

Ralph Engel: In der Zeit meines Großvaters, der das Unternehmen 1931 gegründet und dann bis 1962 geführt hat, haben wir vor allem Elektromotoren repariert, sprich Anker gewickelt. Unter der Leitung meines Vaters drehte sich zunächst alles um elektrische Installationen, von Steckdosen über Schalter bis hin zu Zählern. Anfang der 1970er-Jahre haben wir uns dann auf Türsprechanlagen konzentriert und dazu auch ein Produktprogramm entwickelt und in eigener Regie hergestellt, und zwar bis hin zu den Leiterplatten. Außerdem wurden bei uns später auch Schaltschränke verdrahtet, Steuerungen zusammengebaut und elektronische Baugruppen für verschiedene Automatisierungsanwendungen gefertigt. Das war sozusagen die Brücke für den Einstieg in die Lichtwellenleitertechnik, den wir 1986 vollzogen haben.

elektrotechnik: Heute ist das Unternehmen vor allem für Lichtwellenleiter-Systeme bekannt. Wie kam es zu dieser Richtungsänderung?

Ralph Engel: Das war mehr oder weniger Zufall. Ein Kunde aus dem Schaltschrankbau fragte uns, ob wir für ihn ein maßgeschneidertes System entwickeln könnten, um Daten via Kunststoff-Lichtwellenleiter zu übertragen. Nun ist mein Vater niemand, der von vornherein nein sagt, was sich schon häufig ausgezahlt hatte. Deshalb stellte er einen Entwickler ein. 1987 konnten wir dann das erste LWL-System ausliefern, einen Medienkonverter für die RS232-Schnittstelle. Um diesen neuen Geschäftsbereich auszubauen, haben wir unser System in Kennziffer-Zeitschriften beworben und sind 1994 als Aussteller auf die Interkama in Düsseldorf gegangen. Obwohl unsere Marketingaktivitäten auf große Resonanz stießen und in lukrative Aufträge mündeten, hat es jedoch noch rund zehn Jahre gedauert, bis wir uns ganz auf die optische Datenübertragung konzentriert haben.

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elektrotechnik: Was waren Ihrer Meinung nach die großen Meilensteine?

Ralph Engel: Der erste war sicherlich der Umbau unseres Unternehmens von einem reinen Dienstleister hin zu einem Hersteller mit eigener Entwicklung, was sich in dem eingangs erwähnten Türsprechanlagen-Programm ausdrückte. Damit waren rückblickend die Grundlagen für die Zukunft gelegt worden. Zu den weiteren Meilensteinen gehören neben unserem ersten Lichtwellenleiter-System beispielsweise Feldbuskonverter mit Zulassung für den Ex-Bereich, robuste Spleißboxen und das Lichtwellenleiter-Monitoring-System Fiberview. Außerdem zählen dazu sicherlich auch die modulare Software-Plattform für unsere Ethernet-Switches und ein industriegerechter optischer Bypass, mit dem Netzwerke auch beim Ausfall von mehr als einem Teilnehmer funktionstüchtig bleiben. Unser jüngster Meilenstein ist ein System für die Video-Kollaboration, mit dem Livestreams aus Bild und Ton in hoher Qualität via Internet übertragen werden können.

elektrotechnik: Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Ralph Engel: Eigentlich auf alle. Denn um kundenspezifische Entwicklungen erfolgreich durchzuführen, sind nicht nur technisches Know-how erforderlich, sondern auch eine Menge Herzblut. Einen besonderen Stellenwert hat sicherlich ein Projekt, das wir kurz nach unserem Einstieg in die Lichtwellenleitertechnik umgesetzt haben. Dabei handelte es sich um ein LWL-System für Modnet-1/SFB, das einen schnellen Umschaltmechanismus zwischen Senden und Empfangen unterstützt. Als 1999 ein Auffahrunfall im Tauerntunnel eine Brandkatastrophe auslöste, haben wir eine redundante, stromsparende Lösung für die optische Datenübertragung via Profibus realisiert, mit der alle Entlüftungsklappen einzeln gesteuert und so Rauch gezielt abgesaugt werden kann. Und für ein Unternehmen aus dem Braunkohletagebau konnten wir für die Steuerung der Pumpenanlagen im Feldbereich für HCS-Fasern optimierte Ethernet-Switches entwickeln, von denen mittlerweile mehrere tausend ausgeliefert wurden.

elektrotechnik: War Ihnen eigentlich schon immer klar, dass Sie das Familienunternehmen weiterführen werden?

Ralph Engel: Dass ich die Nachfolge meines Vaters antrete, stand für mich nicht von Anfang an fest. Denn ich habe von klein auf hautnah miterlebt, was es heißt, Unternehmer zu sein. Mein Vater hat sechs Tage die Woche gearbeitet und am Sonntagvormittag wurden Rechnungen geschrieben. Dennoch lag mir unser Unternehmen immer am Herzen. Deshalb wollte ich nach Abschluss meines Informatikstudiums dort die Softwareentwicklung vorantreiben. Aber es zeigte sich schnell, dass ich aufgrund des Einstiegs in die Lichtwellenleitertechnik die operative Führung übernehmen muss. Dieser Aufgabe habe ich mich ohne Wenn und Aber gestellt und den Schritt bis heute nicht bereut. Denn trotz aller Verantwortung bietet das Unternehmertum großen Gestaltungsspielraum, um eigene Ideen umzusetzen.

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elektrotechnik: Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf Ihr Unternehmen aus?

Ralph Engel: Durchweg positiv. Denn im Zuge dieser Entwicklung müssen immer größere Datenmengen schnell und zuverlässig übertragen werden, was ohne Lichtwellenleitertechnik nicht möglich sein wird. Beispielsweise arbeiten wir gerade an einem Projekt, mit dem ein Energieversorger sein Stromnetz intelligent machen möchte, wozu er mehrere tausend Ethernet-Switches benötigt.

elektrotechnik: Im vergangenen Jahr haben Sie das Unternehmen umstrukturiert. Warum?

Weil wir dadurch unsere Marktposition nachhaltig stärken können. Früher waren sowohl unser Kerngeschäft mit Standardprodukten für die optische Datenübertragung als auch die Entwicklung kundenspezifischer Lösungen, die durch modulare Hard- und Software-Plattformen bereits ab Stückzahl 1 möglich sind, und das 2014 neu hinzugekommene Geschäftsfeld Video-Kollaboration unter einem Dach zusammengefasst. Dadurch, dass wir diese Aktivitäten jetzt in drei Unternehmen gebündelt haben, können wir die erforderlichen Ressourcen effektiver steuern und direkter auf die Wünsche der jeweiligen Kunden eingehen.

elektrotechnik: Was sind für Sie die Zukunftsmärkte?

Ralph Engel: In erster Linie die Branchen, die auch bisher schon im Fokus stehen, also die Fabrik- und Prozessautomatisierung, die Vernetzung von Gebäuden sowie die Verkehrs- und die Sicherheitstechnik. Denn dort gibt es für uns auch künftig mehr als genug Möglichkeiten, um weiter zu wachsen. Dazu wollen wir uns noch stärker als Entwicklungspartner positionieren und außerdem die Aktivitäten auf dem Gebiet der Video-Kollaboration intensivieren. So werden wir demnächst unser portables Livestreaming-System um eine kostengünstige Variante erweitern, bei der die Anwender eigene Hardware wie Smartphones und Tablets nutzen können.

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elektrotechnik: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den nächsten Jahren?

Ralph Engel: Unser Erfolg beruhte von Anfang an auf einer umfassenden Beratung der Kunden und großer Flexibilität. Beides wird auch in Zukunft großgeschrieben werden. Andererseits müssen wir uns mit den sich wandelnden Marktanforderungen weiterentwickeln, weshalb wir zurzeit einen umfassenden Change-Management-Prozess durchführen. Denn nur so werden wir unser Ziel, den Umsatz innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verdreifachen, erreichen können.

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