Messtechnik

Eine Unternehmensgeschichte: Bei Jumo begann es mit Thermometern

| Redakteur: Sariana Kunze

Anfang 1950 wurden in Fulda in der Glasbläserei von M. K. Juchheim auf einem ehemaligen Kasernengelände Glasthermometer hergestellt.
Anfang 1950 wurden in Fulda in der Glasbläserei von M. K. Juchheim auf einem ehemaligen Kasernengelände Glasthermometer hergestellt. (Bild: Jumo)

Der hessische Anbieter von Mess-, Regel- und Automatisierungstechnik Jumo blickt auf 70 Jahre Unternehmergeist zurück. Moritz Kurt Juchheim legte im Jahr 1948 mit der Produktion von Glasthermometern den Grundstein für das heutige Wachstum und innovative Technologien.

Mit der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit entsteht der Vorläufer der heutigen EU, die D-Mark wird als Währung eingeführt und in Fulda beginnt Moritz Kurt Juchheim mit sechs Mitarbeitern unter dem Firmennamen M. K. Juchheim Glasthermometer herzustellen – all das passierte im Jahr 1948. Juchheim war kurz zuvor aus dem thüringischen Ilmenau nach Hessen gekommen und hatte auf einem ehemaligen Kasernengelände 350 m2 Produktionsfläche zur Verfügung gestellt bekommen.

Nostalgisch: Die Geschichte von Jumo in Bildern

Nach den bescheidenen Anfängen im Jahr 1948 steuert M. K. Juchheim schnell auf einen Wachstumskurs. Bereits 1949 wird eine kleine Drahtwarenfabrik auf dem Firmengelände übernommen, in der dann Schutzarmaturen für Thermometer entstehen. Eine eigene Dreherei wird eingerichtet und Quecksilber-Vertikal-Relais in das Programm aufgenommen. Auch auf der Hannover Messe stellte das Unternehmen 1949 erstmals aus und hat seitdem kein Jahr mehr gefehlt. Schon 1952 werden mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. Moritz Kurt Juchheim ruht sich jedoch nicht auf diesen Erfolgen aus: Das Programm wird um Stab-Thermostate, Magnetventile und Zeigerthermometer ergänzt. Mit dem Start der Produktion von Heizungsthermostaten wird der Grundstein der Erfolgsgeschichte gelegt. In den 60er Jahren beschließt der Firmengründer dann, ein eigenes Vertriebsnetz aufzubauen. Erste Niederlassungen in Deutschland entstehen. Heute hat Jumo nationale Vertriebsstandorte in Stuttgart, Ingolstadt, Essen, Darmstadt und Hannover. Bereits zwölf Jahre nach der Firmengründung beschäftigt Juchheim 750 Mitarbeiter auf einer Produktionsfläche von 12.000 m2. Ab 1964 werden Widerstandsthermometer hergestellt, ab 1965 Thermoelemente. 1966 wird der nächste technische Meilenstein erreicht: Mit dem Beginn der Fertigung von Platin-Glas-Temperatursensoren wird eine Entwicklung angestoßen, die bis heute nachwirkt. Die Sensoren, das Kernstück jeder Temperaturmessung, stellt Jumo als eines der ganz wenigen Unternehmen weltweit heute noch selbst her. In diesem Jahrzehnt verlässt der Firmengründer erstmals auch die Welt der Messtechnik. Seit 1960 werden in Fulda galvanometrische Schreiber produziert, seit 1962 Regelgeräte auf elektronischer Basis.

Von Internationalisierung und Computertechnik

Auch in den nächsten beiden Jahrzehnten geht das Wachstum für Juchheim weiter. Die Zahl der Mitarbeiter übersteigt 1970 erstmals die 1.000er-Marke. Im Jahr 1971 unternimmt die Geschäftsführung mit einer ersten eigenen Tochtergesellschaft in Belgien einen großen Schritt in Richtung Internationalisierung. Die Erfahrungen sind so positiv, dass noch im gleichen Jahrzehnt Gründungen in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden und in England erfolgen. In den folgenden Jahrzehnten kommen weitere 18 Jumo-Töchter hinzu – zuletzt in Osteuropa, der Türkei und Indien. 1978 machte Jumo national und international von sich reden, als es als eines der ersten Unternehmen weltweit Mikroprozessoren in der Regeltechnik einsetzt und auch die dafür nötige Software entwickelt. Im industriellen Bereich steckte die Computertechnik damals noch in den Kinderschuhen. Der nächste Paukenschlag erfolgte 1979. Als Reaktion auf Kunden- und Marktbedürfnisse startet Jumo den Aufbau eines eigenen Produktionsbereichs für elektronische Druckmesstechnik. Das ist der Beginn für eine konstante Integration weiterer Messgrößen in das Unternehmen. Bereits ab 1982 wird der Bereich Analysenmesstechnik aufgebaut. Mess- und Regelgeräte zur Ermittlung chemischer Messgrößen sind seitdem ein konstanter Wachstumsmarkt für Jumo. Auch dem Thema Fertigungstiefe widmet man sich in diesem Jahrzehnt verstärkt. Während seit 1980 ein eigener Metalltechnik-Bereich existiert, gibt es ab 1978 auch eine eigene elektronische Baugruppenfertigung, mit der komplexe Leiterplatten für Jumo-Produkte in Eigenregie hergestellt werden. Seit 1989 setzt Jumo auch Roboter in der Temperaturfühlerfertigung ein und ist damit wieder ein Vorreiter am Markt. Als zweite Generation tritt 1985 Bernhard Juchheim, ein Sohn des Firmengründers, in die Geschäftsleitung ein.

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Familienunternehmen in dritter Generation

Jumo platzt zu Beginn der 90er Jahre am Firmenstandort in Fulda buchstäblich aus allen Nähten. Eine schrittweise Erweiterung wurde für weiteres Wachstum dringend notwendig. 1996 verstirbt der Firmengründer Moritz Kurt Juchheim in Fulda. Er war bis zu seinem Tode in der Geschäftsleitung aktiv. Im Jahr 2003 wird die M. K. Juchheim GmbH & Co im Zuge der wachsenden Internationalisierung dann in Jumo GmbH & Co. KG umfirmiert. Im gleichen Jahr tritt mit Michael Juchheim die dritte Generation in die Geschäftsführung ein. Er leitet nun zusammen mit seinem Vater Bernhard Juchheim das Unternehmen. Bis heute entstehen weitere Gebäude, beispielsweise für die Entwicklung oder ein Wareneingangs- und Logistikzentrum sowie ein eigener Produktionsstandort für Temperaturfühler. Im Herbst 2017 wurde in der Nähe des Stammsitzes eine weitere Halle sowie ein Bürokomplex mit einem Schulungszentrum erworben.

Klassische Messtechnik und Digitalisierung

Seit 1990 setzt Jumo verstärkt auf innovative Technologien. Bildschirmschreiber lösen Papierschreiber ab, anspruchsvolle Produkte mit zertifizierter funktionaler Sicherheit minimieren das Prozess- und Anwenderrisiko. 2003 bringt der Fuldaer Hersteller erstmals Geräte mit drahtloser Messwertübertragung auf den Markt. 2011 stellt das Unternehmen mit Jumo Mrton T ein Mess-, Regel- und Automatisierungssystem mit durchgängig aufeinander abgestimmten Komponenten vor, das in kompletter Eigenregie entwickelt wurde. Die Touchscreen-Technologie hält in den Folgejahren in Mehrkanalmessgeräten für die Flüssigkeitsanalyse und in universelle Prozessregler Einzug. Mit dem busfähigen Anschlusssystem für digitale Sensoren in der Flüssigkeitsanalyse, Digiline, stellt Jumo im Jahr 2015 die Weichen in Richtung Industrie 4.0. Trotz Digitalisierung und Automatisierung bleibt Jumo auch weiterhin der klassischen Messtechnik treu. 2017 entwickelt das Unternehmen mit Plastosens Messtechnik, die im Spritzgussverfahren hergestellt wird. In einem patentierten Verfahren werden hierbei die Sensoren mit Hochleistungskunststoff ummantelt.

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Der Weg in die Zukunft ist digital und systemorientiert

Heute beschäftigt die Jumo-Unternehmensgruppe 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist mit 25 Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt vertreten und bietet ein umfangreiches Portfolio an Mess-, Regel- und Automatisierungstechnik für verschiedenste physikalische Messgrößen. Gleichzeitig wurden in all den Jahrzehnten des Wachstums die Wurzeln nie vergessen. Als inhabergeführtes, mittelständisches Familienunternehmen baut Jumo nach wie vor auf Werte wie Fairness, Verlässlichkeit und Vertrauen. Von zentraler Bedeutung ist für die Unternehmerfamilie Juchheim der Gedanke des organischen Wachstums aus eigener Kraft. Statt auf Zukäufe setzt man darauf, neue Märkte und Technologien selbst zu erschließen und zu entwickeln. Bei allen strategischen Überlegungen steht immer auch die Qualität und Zukunft der Arbeitsplätze im Mittelpunkt. Der Weg in die Zukunft ist für Jumo digital und systemorientiert.

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