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Geschäftsjahr 2019

Kein Beinbruch: Turck setzt auf digitale Zukunftsvision

| Autor/ Redakteur: Karin Pfeiffer / Sariana Kunze

Ein leichtes Minus, aber kein Beinbruch: Turck präsentierte auf der Jahrespressekonferenz nicht nur Zahlen, sondern die nächsten Schritte einer digitalen Zukunftsvision – eingebettet in die konjunkturellen Rahmenbedinungen.

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Christan Wolf, Geschäftsführer Turck, geht davon aus, dass sich 2020 die Wirtschaft wieder erholen könnte. Er plant mit einem Wachstum von 5 %.
Christan Wolf, Geschäftsführer Turck, geht davon aus, dass sich 2020 die Wirtschaft wieder erholen könnte. Er plant mit einem Wachstum von 5 %.
(Bild: Turck)

„Es läuft nicht ganz so rund wie 2017 und 2018“, eröffnete Turck-Geschäftsführer Christian Wolf die Jahrespressekonferenz in Mülheim an der Ruhr. „Nachdem Turck die letzten beiden Jahre jeweils mit einem hervorragenden zweistelligen Wachstum abschließen konnte, werden wir unsere gesteckten Ziele für 2019 nicht ganz erreichen können.“ Für das Geschäftsjahr 2019 erwartet Turck trotz angespannter wirtschaftlicher Lage in seinen Kernmärkten Maschinenbau und Automobilindustrie einen konsolidierten Gesamtumsatz, der mit rund 640 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau liege. Das entspricht im Vergleich zum Ergebnis des Jahres 2018 von 660 Mio. Euro einem leichten Rückgang. „Drei Prozent, das ist noch kein Beinbruch, alles in allem ein vernünftiges Jahr.“

Die Zahl der Mitarbeiter an allen Turck-Standorten weltweit liegt nahezu unverändert bei 4.650. An den vier deutschen Standorten in Mühlheim an der Ruhr, Halver, Beierfeld und Detmold beschäftigt Turck rund 2.170 Mitarbeiter.

RFID geht als Schlüsseltechnologie durch die Decke

Regional hat Turck dieses Jahr mit -10 % vor allem in der Asia-Pacific-Region (APAC) und in Nordamerika (-6 %) einen Rückgang verzeichnet, Deutschland hingegen liegt mit +1 % und EMEA mit +3 % im Plus, Südamerika sogar bei +10 %. Und bei den Produktgruppen verlieren Feldbustechnik FA und PA mit je -7 % und - 6%, Anschlusstechnik bleibt unverändert. Positiv läuft hingegen die Entwicklung für die Produktgruppe RFID mit +23 %.

Dollarkurs, konjunkturelle Entwicklungen, Brexit, China, USA, aber auch Krisenherde & Co., so skizzierte Wolf die Rahmenbedingungen, denen auch Turck bewege. So sehe man auf vielen Märkten der Welt in der Automobilindustrie erhebliche Rückgänge. Und das sei mit 30 % auch ein großer Teil von Turcks Geschäft. „Ich bin der Meinung, wenn Sie eine bestimmte Größe erreicht haben, können Sie maximal 10 bis 15 % Ihres Geschäfts beeinflussen. 80 bis 85 % hängen gnadenlos von ökonomischen Rahmenbedingungen ab.“

Dennoch könne man optimistisch in die Zukunft blicken. Und auch dafür fand Wolf ausreichend Zeichen. Die kommende Präsidentschaftswahl in den USA beispielsweise, generell immer ein konjunktureller Treiber für die Weltwirtschaft. Aber auch technologische Trends. Die Schlüsseltechnologie RFID beispielsweise „geht durch die Decke“. Ein Grund ist der wachsende Bedarf von Verteilzentren überall auf der Welt und Anbietern wie Alibaba, Amazon & Co.

Und das Thema Industrie 4.0 wirke nach wie vor als „Brandbeschleuniger“. Industrie 4.0 verändert auch bei Turck das Geschäftsmodell. „Es eröffnet neue Geschäftschancen“, erklärte Christian Wolf der Presse die nächsten Schritte hin zur Vision von Turck als „Leading Digital Automation Company“. Wertschöpfung durch smarte Daten etwa, und so werde auch Software in Zukunft einen erheblichen Anteil am Geschäft ausmachen. Und dafür will Turck Kernkompetenzen ausbauen, und zwar gezielt in der Steuerungstechnik, Software, Systemintegration und bei smarten Sensoren.

Turck beteiligt sich an Radarspezialisten Asinco

Und so gab Wolf einen weiteren Schritt auf Turcks Weg zur „Digital Automation Company“ bekannt: Mit einer Minderheitsbeteiligung am Duisburger Radarspezialisten Asinco hat das Unternehmen erneut in Software-Know-how investiert, nachdem bereits 2017 der RFID-Turnkey-Lösungspartner Vilant Systems übernommen und im Folgejahr der Technology Buy-out der Cloud-Software vom IoT-Spezialisten Beck IPC umgesetzt wurde. Asinco wurde 2012 von Prof. Dr.-Ing. Mohieddine Jelali gegründet und gemeinsam mit Dr.-Ing. Dirk Zander aufgebaut und beschäftigt heute mehr als 30 Mitarbeiter mit F&E-Kompetenzen. „Wir waren extrem begeistert von diesen beiden Gründerpersönlichkeiten, weil sie Technologen sind“, sagte Turck-Geschäftsführer Wolf und ergänzte: „Eine Erkenntnis für Mittelständler: Es geht nicht mehr alleine, wir brauchen Kooperationen.“

Unternehmensstrategie 2020+: Turck erweitert Produktion

Zudem hat Turck auch in diesem Jahr wieder in die Unternehmensstrategie 2020+ investiert und die globale Supply Chain weiter optimiert. Mit einem neuen Produktionsstandort in Polen will Turck ab 2020 direkt den europäischen Markt. „Und die Erweiterung unserer Produktion im chinesischen Tianjin steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit in Asien“, ergänzt Wolf. Dahinter steckt ein weiterer strategischer Schritt. Turck möchte drei kontinentale Hubs aufbauen und so den interkontinentalen Warenverkehr reduzieren, denn bislang schicke Turck 80 % seiner Elektronikprodukte in die Welt, was entweder die schnelle Lieferzeit oder hohe Transportgebühren koste. „Wenn Ihre Leiterplatte einen Senator-Flugstatus hat, ist sie nicht mehr erfolgreich“, so Wolf.

Michael Gröbner wird zum 1. Dezember neuer Geschäftsführer Produktion & Entwicklung bei Turck.
Michael Gröbner wird zum 1. Dezember neuer Geschäftsführer Produktion & Entwicklung bei Turck.
(Bild: Turck)

Und auch Personalien gab Turck bekannt: Neuer Geschäftsführer Produktion & Entwicklung wird zum 1. Dezember Michael Gröbner, zuletzt Geschäftsführer der Norgren GmbH. Dirk Wunder übernimmt die Leitung des Corporate Marketing, zuvor war er Director Marketing Communication bei der Schneider Electric GmbH.

Und ein Ausblick in die Zukunft?

„2020 könnte sich Wirtschaft erholen, wir erwarten ein Wachstum von fünf Prozent auf 670 Mio. Euro“, meint Christan Wolf. „Ich glaube, dass wir optimistisch in die Zukunft blicken können – und wollen.“

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